SZ +
Merken

„Ein Ort, wo junge Menschen unangepasst sein können“

Das Jugendhaus „Emil“ feiert im August 20. Geburtstag. Chef Kai Grebasch zieht Bilanz.

Teilen
Folgen

Von Mario Heinke

Das Zittauer Jugendhaus „Emil“ am Mandauer Berg 13 feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Die SZ sprach darüber mit dem Vereinsvorsitzenden Kai Grebasch.

Tobi, Mitglied im Emil-Verein, hat am Mittwochabend die Schwerinerin Paula im Café „Emil“ empfangen. Foto: Thomas Knorr
Tobi, Mitglied im Emil-Verein, hat am Mittwochabend die Schwerinerin Paula im Café „Emil“ empfangen. Foto: Thomas Knorr

Herr Grebasch, was haben Sie im August 1993 gemacht?

Da hatte ich mein Abitur in der Tasche und habe mir Gedanken darüber gemacht, in welche Richtung ich weiter gehen soll.

Das Emil plant ein „Emil Open Air“ am 17. August. Worauf können sich die Besucher freuen?

Wir werden, wie schon zum zehnten Geburtstag wieder die Bühne aufstellen, Bands und Einzelkünstler werden auftreten. Wir sind mitten in der Vorbereitung.

Bis zum 31. März können sich regionale Künstler noch bewerben. Liegen schon Bewerbungen vor?

Die ersten beiden Bewerbungen sind schon eingegangen, aber wir möchten natürlich eine möglichst große Auswahl zur Abstimmung bringen. Weitere Bewerbungen sind also gern gesehen.

Wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich Künstler aus allen möglichen Bereichen. Einzige Bedingung: Sie müssen aus einem Radius von 50 Kilometern um Zittau kommen, also sehr gerne auch aus Polen und Tschechien. Bewerbungen nehmen wir über unsere Facebookseite an.

Im Internet wird abgestimmt, wer im August als Erster auftritt. Was ist besonderes daran?

Die meisten Künstler kommen nicht aus unserer Region. Die Eröffnung eines Festivals ist immer etwas besonderes, denn die Gäste wollen gute Musik hören. Außerdem sind wir seit 20 Jahren in dieser Region verwurzelt, da ist es normal, dies schon mit der Programmeröffnung zu zeigen.

Die Emil-Mannschaft hat sicher öfter gewechselt. Gibt es noch Leute aus der ersten Stunde?

Ja, die gibt es. Vereinsarbeit bedeutet ja auch immer einen Lernprozess. Da ist es gut, auf Erfahrungen aufbauen zu können.

Welche Ereignisse sind in den letzten 20 Jahren bedeutend gewesen?

Grundlage aller Aktivitäten war und ist unser Vereinshaus. In der Vereinsarbeit stand immer die Liebe zur Musik im Vordergrund, wir sind stolz, dass Veranstaltungen wie das „Music Across The Border-Festival“ oder unsere Cocktailparty über die Jahre gewachsen sind. Zudem ist es uns gelungen „hinaus in die Stadt“ zu gehen, mit dem Seifenkistenrennen oder dem Klosterhof-Konzert 2011. Hier möchten wir zukünftig noch mehr tun. Derzeit sind wir in das Projekt „Phänomenal-Fenomenale“ involviert.

Das Abrisshaus ist vom Verein saniert worden, was ist noch zu machen?

Jeder Hauseigentümer weiß: das eigene Gebäude ist niemals fertig. Der Ausbau des Dachgeschosses steht noch aus und es sind auch immer wieder Reparaturen und Instandsetzungen zu bewerkstelligen. Die leer stehenden Nachbargebäude sind für die Bausubstanz des Vereinshauses nicht gerade zuträglich.

Wie viel Mitglieder hat der Verein?

Der Verein hat aktuell rund 30 Mitglieder, dazu kommen eine ganze Reihe dem Verein nahe stehende Mithelfer.

Fast alle Vereine haben Nachwuchsprobleme, das Emil auch?

Auch wir haben damit zu kämpfen. Der etablierte und in seinen Strukturen recht geordnete Ruf unseres Vereins ist zudem für Jugendliche eine Hemmschwelle, aber gerade im Bereich Musik und Veranstaltungen gibt es in der Stadt kaum bessere Bedingungen für Kreative.

Wird der Jugendtreff Emil in 20 Jahren noch existieren?

Wenn es in 20 Jahren in Zittau noch einen Ort gibt, an welchem junge Menschen unangepasst sein, ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, zu Musik feiern dürfen und wo es möglich ist, mit anderen ohne radikale, fremdenfeindliche oder sonst wie mit Vorurteilen belastete Atmosphäre zu diskutieren und Spaß zu haben, dann ist viel erreicht. Und wenn dieser Ort dann Emil heißt, sind wir sicher nicht böse.