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Döbeln

Ein Oscar für Pohl Karli

Weil alle dichtgehalten haben: Präsident des Boxclubs Döbeln erlebt eine Riesenüberraschung.

Beim Hauptausschuss des Kreissportbundes Mittelsachsen wurde der Präsident des Boxclubs Döbeln mit dem Sport-Oscar 2019 für ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet. Dieser ist verbunden mit einer Vereinsförderung von 500 Euro.
Beim Hauptausschuss des Kreissportbundes Mittelsachsen wurde der Präsident des Boxclubs Döbeln mit dem Sport-Oscar 2019 für ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet. Dieser ist verbunden mit einer Vereinsförderung von 500 Euro. © Dirk Westphal

Döbeln. Diese Überraschung ist gelungen. Karl-Heinz Pohl wurde beim Hauptausschuss des Kreissportbundes Mittelsachsen mit dem Sport-Oscar 2019 geehrt.

„Die haben mich im Verein dumm sterben lassen und gesagt: Fahr mal nach Frankenberg“, sagt der langjährige Präsident des Boxclubs Döbeln. Umso erstaunter war der 69-Jährige, als Döbelns Oberbürgermeister, Hans-Joachim Egerer (CDU), eine Laudatio auf ihn hielt und er aus den Händen von Landrat Matthias Damm (CDU) und dem Präsidenten des Kreissportbundes Mittelsachsen, Volker Dietzmann, die Ehrung entgegennehmen durfte. Diese ist verbunden mit einer Förderung von 500 Euro für seinen Verein. Außerdem erhielt er die Ehrenplakette der Stadt Döbeln.

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Karl-Heinz Pohl ist nicht nur im Döbelner, sondern auch im sächsischen Boxsport ein Original. Der aus Leisnig stammende Fuhrunternehmer boxte von Kindesbeinen an. Früher wurde er aufgrund seiner 1,72 Meter Körpergröße nur „Stupse“ genannt. Heute ist er in Faustkampfkreisen überall nur der Pohl, Karli aus Döbeln.

„Ich hab trainiert wie ein Hamster“, erzählt er und dass Erfolge deshalb nicht ausgeblieben seien. So wurde er für Dynamo Waldheim Spartakiadesieger und Dritter der DDR-Meisterschaft. Er boxte unter anderem für Vereine wie Dynamo Leipzig oder Berlin und den ASK Frankfurt.

Im Alter von 40 Jahren beendete er seine aktive Karriere in Roßwein. Vom Boxen allerdings konnte er nicht lassen. So brachte er sich umgehend als Funktionär ein und war zwischenzeitlich sogar Vizepräsident des Landesverbandes. Unzählige von ihm organisierte Wettkämpfe sorgten immer wieder für Begeisterung in der Boxszene.

Mit dem Weihnachtsboxen haben er und seine Mitstreiter sich dabei ein Denkmal gesetzt. Alljährlich strömen dazu mehrere hundert Zuschauer an den Ring in der Sporthalle Döbeln Nord. „30 Weihnachtsboxen mache ich, bis dahin will ich einen Nachfolger eingearbeitet haben“, sagte Karl-Heinz Pohl einmal zur Zukunft und fügte an: „Denn irgendwann geht es nicht mehr.“ Dass er diese Worte wahr macht, so recht hat daran bislang niemand geglaubt. 

Doch Pohl, der am 3. August 70 wird, bereitet seinen Abschied als Vereinsvorsitzender so akkurat vor, wie er die Geschäfte führt. „Ich habe den Steve Hengst gefragt und bin restlos zufrieden, dass er das machen will. Jemand anderem hätte ich das so auch nicht übergeben. Der ist Kampfrichter, der kann Sprecher machen und Trainer. Er hat das Auftreten dazu und kennt den ganzen internationalen Boxstab. Ihm traue ich zu, dass er noch erfolgreicher arbeitet als ich. Denn mit den ganzen neuen Medien sind die jungen Leute doch viel pfiffiger“, sagt Pohl und fügt an: „Ich bin richtig froh, dass wir künftig eine so junge Führungsriege haben.“ 

Die wird er allerdings nicht ins kalte Wasser werfen, sondern ihr, so lange es gesundheitlich geht, weiter mit Rat und Tat zur Verfügung stellen. Auch beim 30. Weihnachtsboxen, selbst wenn er dann bereits nicht mehr an der Spitze des Vereins steht. Allerdings kündigt er an: „Ich werde weiter sagen, wenn mir etwas nicht gefällt.“

Das bekam beim Hauptausschuss in Frankenberg auch Hans-Joachim Egerer zu spüren. Der wäre, trotz mehrfacher Einladung, als Stadtoberhaupt, ebenso wie der Landrat, noch nie bei dieser Döbelner Kultveranstaltung gewesen. „Der Bürgermeister hat gesagt, dass er dieses Jahr nicht mehr Bürgermeister sei und das Weihnachtsboxen besuchen wird. Und auch der Herr Damm würde kommen“ sagt Karl-Heinz Pohl und fügt in seiner direkten Art an: „Ich werde beide beim Wort nehmen und darauf zurückkommen.“

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