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Hoyerswerda

Ein Pflegeheim der vierten Generation

Der Arbeiterwohlfahrt-Kreisverband Lausitz startet demnächst mit einem Neubau in Hoyerswerda.

Awo-Chef Torsten Ruban-Zeh zeigt den Grundriss des Neubaus im Bogen an der Heinrich-Mann-Straße.
In der Grafik
dargestellt ist die Ansicht von der Erich-Weinert-
Straße aus – links der Gebäudeteil mit öffentlicher Cafeteria.
Awo-Chef Torsten Ruban-Zeh zeigt den Grundriss des Neubaus im Bogen an der Heinrich-Mann-Straße. In der Grafik dargestellt ist die Ansicht von der Erich-Weinert- Straße aus – links der Gebäudeteil mit öffentlicher Cafeteria. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Während der Bau der beiden neuen Wohnhäuser der LebensRäume-Genossenschaft Hoyerswerda an der Heinrich-Mann- beziehungsweise an der Erich-Weinert-Straße so ganz langsam dem Ende entgegengeht, werden gleich nebenan Ende März, Anfang April neue Bauarbeiten beginnen. Es war im Herbst 2018, als die Arbeiterwohlfahrt (Awo) ankündigte, im Jahr darauf mit der Errichtung eines neuen Seniorenheims anfangen zu wollen. Die Vorbereitungen zum Bau haben nun aber ein wenig länger gedauert.

Awo-Chef Torsten Ruban-Zeh sagt, man habe wegen des Risikos, die Baustelle über den Winter stilllegen zu müssen, dann doch nicht vor der kalten Jahreszeit anfangen wollen. Zudem habe die zusätzliche Zeit die Gelegenheit gegeben, sich nach einem General-Auftragnehmer umzusehen. Das Problem: Nicht nur kennen Baupreise nun schon längere Zeit ausschließlich eine Richtung, nämlich nach oben. Zudem klagen Bauherren aller Art, dass es schwierig sei, Baufirmen zu binden. Alle haben ausreichend, wenn nicht zu viel zu tun.

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Zur Sicherstellung der öffentlichen Nahversorgung sind viele Shops für Sie weiterhin erreichbar und geöffnet.

Es habe sich jedoch leider nichts ergeben, sagt Ruban-Zeh über die Gespräche mit einem polnischen Baukonzern. Nun muss es also doch über Einzel-Aufträge gehen: „Die ersten Lose sind ausgeschrieben.“ Währenddessen laufen noch die Kredit-Verhandlungen. Wegen der niedrigen Zinsen ist das jedoch ein Luxusproblem. Der Awo-Kreisverband Lausitz kann sich die Bank im Grunde aussuchen. Elf Millionen Euro sollen in das Projekt am Rande des WK III fließen – wie in der Sozialwirtschaft üblich, zu 80 Prozent kreditfinanziert.

Optionale Geschoss-Erweiterung

Torsten Ruban-Zeh spricht von einem Pflegeheim der vierten Generation. Das bezieht sich unter anderem auf die Anordnung der Einzelzimmer für die 74 künftigen Bewohner. Es wird Aufenthaltsbereiche geben, um die herum sich die Zimmer gruppieren. Die Awo will unter anderem ermöglichen, dass, wer dazu in der Lage ist, allein oder in der Gruppe kochen kann. Zweiter wichtiger Punkt ist die Digitalisierung. Das meint nicht nur die EDV-basierte Pflegeakte, die die Awo nun auch schon in anderen ihrer Einrichtungen eingeführt hat. Es soll zudem WLAN sowohl für das Personal wie auch für Bewohner und Gäste geben. Nach Ruban-Zehs Kenntnis weit und breit ziemlich einzigartig ist ein drittes Vorhaben: Die Wände der Bäder in den Zimmern werden seitlich wegzuklappen sein. Das ermöglicht nicht nur mehr Raum zum Rangieren mit Rollator oder Rollstuhl. Für bettlägerige Menschen haben die Pflegekräfte so die Möglichkeit, das Waschbecken direkt neben das Bett zu drehen. Die nötigen Installationen sind innerhalb der beweglichen Wand untergebracht.

Hirnschmalz hat man auch in den Namen des Seniorenheims gesteckt. Als Bestandteil oder Vorgeschmack auf eine neue Markenstrategie wird an der Wand „Awo Life – gepflegt wohnen“ zu lesen sein. Die vom zuständigen Planungsbüro Gatas vorgesehenen Fassadenfarben entsprechen denen des vor gut einem Jahr eröffneten Medi-Care-Zentrums an der Müntzerstraße: Rot, Weiß und Grau. Ein Teil des Gebäudes wird nicht bewohnt sein, sondern eine Arztpraxis, einen Friseur, einen Konferenzsaal sowie eine öffentlich zugängliche Cafeteria enthalten. Und: Es ist erweiterbar. Das Seniorenwohnheim wird zunächst dreigeschossig, wobei die Aufzugtürme übers Dach hinausragen. Man will sich die Option eines weiteren Geschosses offenhalten.

Schließung im WK IX

Die Fertigstellung ist für Ende 2021 geplant. Bereits jetzt denkt Ruban-Zeh über Personal nach. Auch in der Pflege sind Fachkräfte rar. Man bilde, heißt es, daher schon über Bedarf aus. Insgesamt werden an der Mannstraße inklusive technischer Mitarbeiter 60 Personen tätig sein. Vorgesehen ist, nach der Eröffnung nach und nach das Pflegewohnheim an der Schillstraße im WK IX leer zu ziehen. Der 1997 umgebaute Kindergarten genügt langfristig nicht mehr den Ansprüchen. Da in diesem Gebäude aktuell 47 Plätze zur Verfügung stehen, wird das Angebot letztlich lediglich um 27 Plätze erhöht. Das Haus im WK IX wird allerdings übergangsweise als Ausweichquartier gebraucht. Denn die Awo hat Sanierungsarbeiten in ihrem Altenzentrum an der Müntzerstraße ins Auge gefasst, das 1975 als Feierabend- und Pflegeheim „Fritz Kube“ eröffnet wurde.

Ein belgisches
Unternehmen
wird solche etwas
ungewöhnlichen Bäder einbauen.
Sie werden über drehbare Wände mit eingebauten Waschbecken
verfügen. 
Ein belgisches Unternehmen wird solche etwas ungewöhnlichen Bäder einbauen. Sie werden über drehbare Wände mit eingebauten Waschbecken verfügen.  © Foto: Alcomel