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Ein Platz für das Körnchen Wahrheit

Die Sagenwelt „Steinreich“ ist in die Sommersaison gestartet – mit neuen Attraktionen. Eine ist dabei eher etwas für Erwachsene.

© Marko Förster

Von Katja Dwaronat

Mit einer Sage fing alles an: „Die Hütten und Ställe waren klein und eng und allesamt aus dem geschlagenen Holz gebaut, das man dem Wald entrissen hatte. Doch eines war ganz anders, das sah man schon von Ferne. Ein jedes Haus, die Scheunen, selbst der geringste Hühnerstall waren aus festem Stein gefügt, so wie die Schlösser eines Fürsten. Steinreich war der Name jenes Dorfes.“ In der Sage verschwindet dieses Dorf zwar, doch seit letztem Jahr ist es wieder da. Der Freizeitpark „Steinreich“ liegt direkt am Basteiparkplatz zwischen Rathewalde und Lohmen. Inzwischen schirmt eine Mauer neugierige Blicke ab. Doch schreitet man erst durch das Tor, wird eine Märchenwelt lebendig.

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So verwinkelt ist das kleine Reich, dass es an jeder Ecke etwas Neues zu bestaunen gibt. Die Gravuren in den Sandsteinblöcken, die liebevoll angelegten Beete und vor allem die niedlichen Häuschen. Eigenhändig von Stephan Trepte gebaut entstanden etwa Bäckerei, Töpferei und Apotheke. Neben Sandstein verarbeite er auch die alten Bretter von Opas Scheune. Neu ist dieses Jahr eine Schule, zu der es natürlich auch eine Geschichte gibt. An der Tafel sind mit rosa Kreide einige Rechenaufgaben gekritzelt. Hier haben Kinder erst vor Kurzem Schule gespielt. In der Bäckerei führt eine Treppe in die Tiefe. „Da ist ein Teufel drin“, raunt der vierjährige Theis. Für Kinder ist das Dorf ein riesiger Abenteuerspielplatz. Zwischen den Häusern fügen sich Labyrinth, Tunnel, Rutschen, Schaukeln und Streichelzoo ein. Der Laubengang hat über den Winter ein Türmchen hinzu bekommen. Irgendwo steht sogar eine Schatztruhe. Ganz hinten ist noch eine Höhle. „Hier wohnt ein Zwerg“, ruft der achtjährige Tjark begeistert.

Neues Museum eingeweiht

Auch Erwachsenen wird nicht langweilig, sie können sich in kleinen Schaukästen die Sagen aus der Sächsischen Schweiz und Böhmen durchlesen, die hier nachempfunden sind. Am Ende steht jeweils der Originalschauplatz. Im Fall der Sage vom Steinreich: das Örtchen Luschendorf.

„Um den älteren Gästen noch etwas mehr zu bieten, ist in dieser Saison ein Museum hinzu gekommen“, erklärt Inhaberin Karen Trepte. Direkt hinter der Kasse liegt nun ein großer Raum, in dem die Besucher mehr über den wahren Hintergrund der Geschichten herausfinden können. Kurz vor Ostern arbeiteten die Handwerker noch auf Hochtouren. Frisch gestrichene Elemente in Knallrot erinnern an aufgeschlagene Bücher, die die Exponate zeigen.

„Das ist eine Kanonenkugel von Napoleon“, erklärt Karen Trepte und zeigt auf eine Kugel, die zurzeit noch in einer offenen Pappschachtel auf ihren Einsatz wartet. Daneben liegt ein altes Schlachtenbuch. Aber die Sächsische Schweiz hat noch mehr zu bieten, wie etwa den Raubritter Berka von der Duba, dessen Wappen noch in Hohnsteins Burg prangt. „Und über diesen Scherenschnitt von Adolf Tannert von 1904 freue ich mich ganz besonders“, erklärt die junge Frau. Als Karen Trepte über die Sächsische Zeitung einen Aufruf startete, meldete sich unter anderem eine ältere Dame aus Sebnitz. Von ihr stammen zwei Musterkoffer der Kunstblume, die direkt am Eingang stehen. Das moderne Gebäude mit den großen Fenstern strahlt durch Holz, gemütliche Sofas und alte Einrichtungsgegenstände Wärme und Gemütlichkeit aus. Im Restaurant wird dieses Jahr erstmals à la carte serviert. „Die Leute möchten sich auch mal in Ruhe hinsetzen“, erklärt die Steinreich-Chefin.