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Ein Pole in sächsischer Uniform

Krzysztof Zart kam als Handballprofi nach Sachsen. Jetzt ist er der erste sächsische Polizist mit polnischem Pass.

© Pawel Sosnowski

Von Frank Seibel

Auf die Abwehr kommt’s an. Ohne starke Abwehr kann man nicht gewinnen. Das hat Krzysztof Zart immer schon gesagt, damals, als er in Delitzsch, Pirna und in Leipzig in der zweiten und dritten Bundesliga Handball spielte.

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Jetzt sitzt der Hüne mit verschränkten Armen am Besprechungstisch des Görlitzer Polizeireviers, kippelt leicht mit dem Stuhl, grinst und lässt die weißen Zähne blitzen. „Aber auch Angriff ist wichtig, natürlich“, hat er damals im Interview gesagt, als er mit einem Treffer in letzter Minute den Aufstieg seiner Mannschaft klargemacht hat. Das kurzärmelige hellblaue Hemd ist von muskulösen Schultern und Oberarmen gut gefüllt, gleich könnte der einstige Rückraumspieler sich aus der Abwehr lösen und nach vorn preschen.

Krzysztof Zart ist Interviews gewohnt, aber zum ersten Mal ist er in seiner neuen Rolle gefragt. Man merkt dem 28-Jährigen an, dass er jetzt lieber draußen in der Stadt unterwegs wäre. Auf dem Görlitzer Marienplatz, wo es immer zu viele Säufer gibt, vor Schulen, wo immer mal Drogen kursieren, oder in den Straßen nahe der Grenze, wo Einbrecher gern ihr Glück versuchen.

Urururoma aus Deutschland

Krzysztof Zart ist Polizist. Ein ganz normaler Polizeimeister mit sächsischem Wappen am linken Oberarm, mit zwei blauen Sternen auf der Schulterklappe, mit Funkgerät, Knopf im Ohr, mit Taschenlampe und Pistole am Gürtel. Und doch ist Krzysztof Zart eine Besonderheit im Freistaat. Denn obwohl seine Urururoma Deutsche war und den Namen Zart mit in die Familie brachte, ist der junge Mann ein Pole, geboren 1986 in Szczecin (Stettin) und auch aufgewachsen in der nordwestpolnischen Metropole. Zart ist damit der einzige Polizeibeamte in Sachsen ohne deutschen Pass. Bundesweit ist das gar nicht so unüblich. Jeder EU-Bürger aus dem Schengen-Raum kann grundsätzlich auch in Deutschland als Beamter arbeiten.

Dass Krzysztof Zart jetzt in Görlitz die Abwehr von kleinen und großen Verbrechen verstärkt, hat nichts mit der aktuellen Werbekampagne zu tun, mit der Sachsens Innenminister Markus Ulbig um guten Nachwuchs für die Polizei wirbt. Der Sport hat den damals 21-Jährigen vor sieben Jahren von Niederschlesien nach Sachsen gelockt. Der sächsische Zweitligist Concordia Delitzsch holte 2007 den robusten Athleten vom polnischen Vizemeister MKS Zaglebie Lubin. „Deutschland hat die stärkste Liga der Welt“, sagt Zart. Und obwohl er die deutsche Urururoma nie kennengelernt hat, mochte er schon als Schüler Deutsch lieber als Englisch. So war der Sprung über die Grenze ins Nachbarland nicht allzu schwer.

Sein Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft in Lubin hat Krzysztof Zart für den Profisport aufgegeben. Als eine Verletzung früher als geplant die Frage aufwarf „Wie weiter?“, brachte ihn ein Teamkollege auf die Idee: Komm doch auch, wie ich, zur Polizei! Das passte gut, denn „ich konnte mir nicht vorstellen, irgendwann mal den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen“, sagt Zart lachend. „Ich brauche den Kontakt zu Menschen und ab und zu auch mal Action.“

Ein Kind der Großstadt

Die Voraussetzungen für den Aufnahmetest waren gut. Sport war sowieso kein Thema; dass er im Kopf fit ist, ist schnell klar, Psychologie wollte er sogar mal studieren, und auch die einzige Hürde für einen Menschen mit anderer Muttersprache hat Krzysztof Zart mit Leichtigkeit genommen – den Deutsch-Test. Nach der Ausbildung an der Polizeifachschule und zwei Praktika in Leipzig und in Görlitz hatte er die Wahl. Und obwohl er ein Kind der Großstadt ist, entschied er sich für das Görlitzer Revier. „Ich dachte mir, dass es hier ein Vorteil ist, dass ich polnisch spreche.“ So sehen das auch seine Kollegen und Vorgesetzten. Der junge Beamte bricht das weit verbreitete Klischee, dass Polen in der Grenzstadt vor allem für Einbruch, Autoklau und Drogenhandel verantwortlich seien.

Da die Grenze zwischen Görlitz und Zgorzelec immer mehr verschwimmt, ist es vollkommen normal, dass er bei seinem Streifendienst auch mit polnischen Landsleuten zu tun hat. „Die sind dann ganz überrascht, wenn ein deutscher Polizist mit ihnen fließend polnisch spricht.“ Ansonsten will er vom Sortieren nach Ländern und Kulturen nichts wissen. „Mir ist egal, ob jemand Deutscher, Pole, Grieche oder Italiener ist“, sagt Zart mit Nachdruck. „Wir sind alle Europäer und müssen miteinander klarkommen. Ich freue mich, dass ich daran mitarbeiten kann.“ Mit Vorurteilen wurde Krzysztof Zart im Polizeidienst trotz seines Akzents noch nicht konfrontiert. „Mir wäre es auch egal, ob jemand Scheiß-Pole sagt oder Scheiß-Bulle.“