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Ein Preis für die Meistertischler

Die Wilsdruffer verbinden Handwerk mit Hightech. Nun warten sie mit einem neuen Produkt auf.

Die Meistertischler aus Wilsdruff waren bei einem Wettbewerb der Handwerkskammer Dresden erfolgreich, im Bild Geschäftsführer Nico Deutschmann und seine Assistentin  Manuela Schellenberger.
Die Meistertischler aus Wilsdruff waren bei einem Wettbewerb der Handwerkskammer Dresden erfolgreich, im Bild Geschäftsführer Nico Deutschmann und seine Assistentin Manuela Schellenberger. © Karl-Ludwig Oberthür

Etwas unscheinbar ist der Firmensitz der Wilsdruffer Meistertischler schon. Von der Umgehungsstraße ist er nicht gleich zu sehen. Dennoch finden die Kunden den Weg zu Nico Deutschmann und Mario Schöne. Beide Tischlermeister haben sich seit der Gründung ihrer Firma einen guten Ruf erarbeitet. Auch bei der Handwerkskammer Dresden sind sie keine Unbekannten mehr. Vor wenigen Tagen wurde die Firma ausgezeichnet. Sie holte sich beim Zukunftspreis 2019 den zweiten Platz, weil sie nicht nur klassische Möbel wie Tische und Schränke herstellt, sondern auch auf anderen Gebieten unterwegs ist und im vorigen Jahr mit einem Produkt fast einen Designpreis gewonnen hätte.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lobte die Preisträger. Sie stehen für Innovation und zukunftsorientiertes Handeln, für Können und Leidenschaft. Mit diesen Eigenschaften haben Deutschmann und Schöne die Firma zu ihrer heutigen Größe gebracht – die Tischlerei beschäftigt 15 Mitarbeiter. „Angefangen hatten wir als Zwei-Mann-Betrieb“, erinnert sich Deutschmann. Seinen Kompagnon hatte er während der Lehre in einer Dresdner Tischlerei kennengelernt. Beide verspürten den Wunsch, etwas Eigenes zu machen. Dass selbstständige Tischler nicht das große Geld verdienen, bekamen beide schon zeitig zu hören. Abgehalten hat sie das nicht. Deutschmann war schon als kleiner Junge von den Beruf so fasziniert. Er wollte nicht Elektrotechniker wie sein Vater werden, sondern Tischler. Das ist ein praktischer Beruf. „Und die Wertschöpfung ist sehr groß. Und man kann etwas Nachhaltiges schaffen“, sagt der 39-Jährige.

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Schöne und Deutschmann ließen sich zum Meister ausbilden und gründeten 2003 ihre Firma. „Ursprünglich wollten wir in der Garage meine Oma anfangen“, erzählt Deutschmann. Doch das erwies sich nicht als optimal. Der Platz war zu klein. Die beiden Dresdner suchten weiter und wurden in Wilsdruff fündig. Zusammen mit fünf anderen Tischlern mieteten sie sich in eine leer stehende Tischlerei ein.

Seit der Gründung gab es einige Auf und Abs. Zu besten Zeiten hatte die Firma 25 Mitarbeiter. „Es war schwer, Aufträge zu akquirieren, um alle zu beschäftigen“, erinnert sich Deutschmann. Die Firma nahm Arbeiten an, bei denen am Ende wenig bis nichts übrig blieb. Letztlich blieb den Meistertischlern nichts anders übrig, als sich von Mitarbeitern zu trennen.

Mit der jetzigen Größe könne man gut am Markt agieren. „Der hat sich gewandelt“, so Deutschmann. Der Baumboom – vor allem in Dresden – und die Geschäftsaufgabe von mehreren Tischlereien haben die Lage verändert. Heute können die Meistertischler den Preis durchsetzen, der aus ihrer Sicht angemessen ist. Doch nicht nur der Markt hat sich geändert, auch die Herangehensweise der Kunden ist anders geworden. Die sind jetzt eher bereit, in Planung und Konstruktion zu investieren. „Beides macht etwa 30 Prozent der Zeit aus.“ Deutschmann führt in einem Büroraum mit mehreren Bildschirmen. Fünf Mitarbeiter sind damit beschäftigt, die Arbeiten zu kalkulieren, Pläne zu entwerfen und 3-D-Animationen zu erstellen. Das hat zwei Vorteile: Die Kunden können sich vorab ein Bild von ihrem Produkt machen und die Mitarbeiter bekommen gute Vorlagen für die Herstellung. Die eingespielten Daten können direkt an die CNC-Maschine gesendet werden. „Der Planungsaufwand ist zwar größer“, sagt Deutschmann. Dafür ist Fehlerhäufigkeit geringer und die Herstellung geht bedeutend schneller.

Über die Jahre hat sich das Unternehmen mehrere Standbeine geschaffen. Neben dem klassischen, individuellen und hochwertigen Möbelbau bieten die Meistertischler auch Hilfe bei der Innengestaltung von Räumen an. Auch hier kommt die Computertechnik zum Einsatz. Das nutzen immer mehr Kunden. „Bei der Umsetzung der Pläne arbeiten wir mit mehreren Gewerken zusammen“, erzählt Deutschmann. Auch im Schiffsbau sind die Wilsdruffer aktiv. Als Zulieferer bauen sie Innenräume von Jachten.

Besonders stolz ist Deutschmann auf das Pavillonsystem „Pavel Plus“, das nach fünfjähriger Entwicklungsarbeit in diesem Jahr an den Start gebracht werden konnte. Dabei handelt es sich um einen Pavillon im Baukastensystem. Es besteht aus einem Grundmodul, das mit anderen Modulen wie Wände, Türen, Dächer und Böden erweitert werden kann. Damit kann sich jeder seinen individuellen, sehr massiven Pavillon bauen. Denn zum Einsatz kommt besonders robustes Holz, wie Lärche und mit Essig behandeltes Holz, sogenanntes Accoya. Mit „Pavel“ waren die Meistertischler auch für den Sächsischen Staatspreis für Design 2018 nominiert. Das spornt an. Die Firma möchte das Konzept so erweitern, dass man aus den Elementen ein Gartenhaus bauen kann.

Mit der wirtschaftlichen Lage seines Unternehmens ist Deutschmann zufrieden – auch mit dem Ruf, den sich die Firma erarbeitet hat. Bisher hatte sie kein Problem, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Für die interessierten sich längst nicht nur Sachsen. „Wir hatten schon Bewerber aus Hamburg, Flensburg, Bayreuth und Köln“, sagt Manuela Schellenberger, die unter anderem für die Buchhaltung und das Personal zuständig ist. Das Erfolgsrezept: Gute Arbeit und eine gutgemachte Internetseite.

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