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Ein Puppenspielhaus zum Staunen

In nur acht Monaten haben Handwerker das Haus in Hohnstein runderneuert. Ab heute können die Gäste kommen.

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Von Anja Weber

Architekt Ulrich Hupfer führt gern durch das Puppenspielhaus. Er hat viel Zeit damit verbracht, das Haus so zu planen, dass es schön wird, dass die Gäste darin sicher sind und dass es auch bezahlbar bleibt. Vor allem die finanziellen Zwänge haben ihm so einige Kopfschmerzen bereitet. Nach seinen ersten Planungen lagen die Umbaukosten bei etwa 360 000 Euro, mit Fassade und Außenbereich.

In seinen Händen lag es, das Projekt letztlich auf 240 000 Euro zu kürzen und auch noch so, dass es möglichst keiner merkt. Deshalb sollten die Besucher, die heute Abend zum ersten Mal das Haus nach dem Umbau sehen, auch nicht verwundert sein. Außen hat sich noch nicht viel verändert. Die Fassade und die Außenflächen sind in einem zweiten Bauabschnitt dran, wenn wieder Geld da ist.

Doch das Innere des Puppenspielhauses kann sich sehen lassen. Hohnsteins Handpuppenspieler Max Jacob – seinetwegen wird überhaupt soviel Aufwand betrieben – würde sich wundern. Schließlich hatte er die ehemalige Ausstellungshalle 1939 von Dresden nach Hohnstein versetzen lassen. 1941/42 wurde sie zum Kino umfunktioniert, und seitdem schien die Zeit in dem schlichten Gebäude stehen geblieben zu sein. Doch inzwischen ist kaum ein Vergleich zu früher möglich. Schon wer das Haus betritt, wird von dem satten Gelb und Orange der Türen empfangen, hinter denen sich die technischen und sanitären Anlagen befinden. Die frischen Farben sind braunem und weißem Lack gewichen. Um Geld zu sparen, wurde auf neue Türen verzichtet. „Die alten wurden aufgearbeitet und die Toiletten komplett modernisiert. So muss es halt auch gehen“, sagt Architekt Hupfer.

Am meisten verändert hat sich der Vorführraum. Die gestreifte, schmuddelige Wandverkleidung ist verschwunden, die alten Lampen auch, und die muffige Decke ist weg. Auf dem hellgrauen Untergrund der Wandverkleidung beleben farbige Streifen den Saal und werden durch eine indirekte Beleuchtung in Szene gesetzt. Im Kontrast dazu die hölzernen Sitzreihen. Diese Stühle stammen aus der alten Ausstattung und verleihen dem neuen Saal einen gewissen Charme.

Außerdem stand Ulrich Hupfer vor der Aufgabe, vor den Stuhlreihen eine ebene Fläche zu schaffen, auf der Tische und Stühle platziert werden können. Auch das ist ihm gelungen. Dazu wurde der Fußboden vor der Bühne etwa 20 Zentimeter angehoben. So kann der Raum je nach Veranstaltungsart umgebaut werden. Das wird in erster Linie das Puppenspiel sein. Aber auch Vorträge, Seminare, Konzerte und Theateraufführungen sind möglich. Und auch der deutsch-tschechische Kinderzirkus Pouhohnia wird auftreten. Speziell für die jungen Artisten wurde in der Decke auch eine Trapezvorrichtung verankert.

„Ein Manko im alten Haus war vor allem, dass es nicht ganzjährig bespielt werden konnte. Im Herbst saßen wir schon mit Mantel und Mütze da“, sagt Heike Krause, die Chefin des Traditionsvereins Hohnsteiner Kasper und damit auch die Bauherrin. Jetzt ist es angenehm temperiert in dem Saal. Niemand muss mehr frieren, und auch der muffige Geruch ist verschwunden. Ulrich Hupfer hat eine Variante gefunden, wie das Haus kostengünstig beheizt werden kann. Etwa zwei Stunden vor einer Veranstaltung wird Umluft in den Raum geblasen, die den Saal aufheizt. Danach wird die Heizung auf Zuluft umgeschaltet. Vom dem System selbst sieht der Besucher nichts, denn es ist in der Decke des Hauses verschwunden.

Im vorderen Bereich des Saales wurden die Garderobe eingebaut sowie ein Tresen, an dem man sich bei Veranstaltungen mit Getränken versorgen kann. Und wer davor steht, dem springt unweigerlich ein Ausspruch über den Puppenspieler Max Jacob ins Auge, der ihn trefflich beschreibt: „Max Jacob gehört zu den Künstlern, denen das Glück beschieden ist, gleichermaßen Kinder und Erwachsene, Schuhputzer und Professoren beschenken zu können.“ Und in diesem Sinne soll künftig auch das Puppenspielhaus genutzt werden.

Der Umbau des Puppenspielhauses ist nur ein Teil des von der EU geförderten Projektes „Kasparek – Mit dem Kasper über die Grenze“. Um dieses auszufüllen, arbeiten die Städte Hohnstein und Dolni Poustevna, die Nachbarstadt von Sebnitz, zusammen. Insgesamt umfasst das Projekt Investitionen in Höhe von 980 000 Euro, die sich in mehrere Vorhaben aufsplitten.

Rund 500 000 Euro entfallen auf Dolni Poustevna, wo ein Jugend- und Gemeinschaftshaus saniert wurde. Auf 240 000 Euro belaufen sich die Ausgaben der Stadt Hohnstein für die Entwicklung einer Puppenspielerszene, einer deutsch-tschechischen Akrobatikgruppe und eines Sozialprojektes mit dem DRK-Mehrgenerationenhaus Sebnitz. 240 000 Euro entfallen auf die Sanierung des Puppenspielhauses.