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Weißwasser

Ein Ranger geht in Rente

Herbert Schnabel ist seit dem 1. November 1993 im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft tätig.

Herbert Schnabel arbeitet seit 1993 im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.
Herbert Schnabel arbeitet seit 1993 im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. © Andreas Kirschke

Ein bunt bemalter Betonfrosch ziert den Hof. Am Steinitzer Kindergarten „Koboldland“ erfreut er die Kinder. Herbert Schnabel hat ihn dort aufgestellt. Seit 1993 arbeitet er in der Außenstelle Friedersdorf als Ranger des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Eine Mappe mit Kinderbildern liegt in seinem Büro. Frieda, Ella, Adrian, Alex und die anderen Steinitzer Kinder haben darin Hase, Schmetterling, Reh oder Fuchs gezeichnet. Sie danken Herbert Schnabel für die jährlichen Besuche zur Vogelhochzeit und für das Vorstellen präparierter Vögel, ebenso für die jährlichen Frühlingsspaziergänge in die Natur. „Es war immer lehrreich und interessant“, schreiben die Kinder und Erzieherinnen dem 63-Jährigen.

Erster Naturschutz-Kurs mit 17

Zum Ende des Monats geht er nach 27 Jahren Arbeit im Biosphärenreservat in den Ruhestand. Der Brief aus Steinitz erinnert ihn an die eigene Kindheit. Aufgewachsen ist Herbert Schnabel in Zeißholz. Mit den anderen Kindern aus dem Dorf zog es ihn oft in die Natur. Sie erklommen den Feuerwachturm auf dem Gerichtsberg. Von dort konnten sie die Weite der Wälder überblicken, Rehe, Hasen und Bussarde beobachten. „Ab der 8. Klasse durften wir zur Ferienarbeit in die Brikettfabrik Zeißholz“, entsinnt er sich. „Vom Erlös kaufte ich mir ein Fahrrad und ein Fernglas. Das war meine erste Ausstattung als Naturschützer.“

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Als 17-Jähriger nahm Schnabel im Kamenzer Museum erstmals an einem Lehrgang für junge, ehrenamtliche Naturschutzhelfer teil. Nach der Schulzeit in Zeißholz und Oßling lernte er Elektromonteur beim BKW Glückauf Knappenrode. Bis 1991 arbeitete er als Elektriker in der Brikettfabrik Zeißholz. 1992 kam er in die Brikettfabrik Knappenrode. Mit deren Ende folgten für Herbert Schnabel Monate der Arbeitslosigkeit. „Das Biosphärenreservat suchte Mitarbeiter für eine hauptamtliche Naturwacht. Und so bewarb ich mich“, sagt er. „Zwei Dinge halfen mir. Ich hatte langjährige praktische Erfahrung als ehrenamtlicher Naturschutz-Helfer. Hinzu kam, dass ich arbeitslos war und Anspruch auf Förderung hatte“. 

Am 1. November 1993 startete die Naturwacht. Ihre Mitarbeiter kamen aus verschiedensten Berufen. „Gleich ab dem zweiten Tag wurden wir als Ranger ausgebildet. Unser Chef war Alfred Heilmann“, erläutert Herbert Schnabel. „Von ihm lernten wir viele Grundlagen des praktischen Naturschutzes.“ Als Ranger wacht Herbert Schnabel über rund 10.000 Hektar Schutzgebiet zwischen Uhyst/Spree, Lohsa, Groß Särchen und Königswartha. Er erfasst Tier- und Pflanzenarten, sorgt für Umweltbildung in Kindergärten und Schulen, ist erster Ansprechpartner beim Naturschutz für Gemeinden, Vereine, Land- und Fischwirte, Förster oder Jäger. Immer wieder betreut er Projekte. In Uhyst/Spree beispielsweise bauten Herbert Schnabel und Peter Ulbrich mit Hilfe der Gemeindearbeiter einen Folienteich um. „Wir legten die Folie tiefer, füllten sie mit Sand auf. So erhielt der Teich einen natürlichen Ausstieg für Frösche und Kröten“, sagt Schnabel.

Engagiert auch beim NABU

Viel Wert legt er auf die Bildungsarbeit. Seit 1994 organisierte er mehr als tausend Veranstaltungen. Das reichte von Vorträgen über Wanderungen und Ausstellungen bis hin zu Heimat- und Fischerfesten. Mit Jugendlichen startete er von Koblenz aus oft zu Radtouren in das Naturschutzgebiet Warthaer Teiche.

Neben seiner Arbeit als Ranger engagiert sich Herbert Schnabel, der in Keula zu Hause ist, auch ehrenamtlich. Von der Gründung der Wittichenauer Ortsgruppe des Naturschutzbundes NABU 1991 bis 2015 war er deren Vorsitzender. Die Mitglieder trafen sich viel zu Einsätzen. Am Spannteich Knappenrode und an den Bröthener Bahnteichen zum Beispiel schnitten sie Jahr für Jahr das Schilf, um offene Wasserflächen zu erhalten. Im Dubringer Moor schnitten sie regelmäßig Flächen frei von dichten Büschen. An der B 96 am Knappensee betreuten sie Jahr für Jahr die Schutzzäune während der Kröten-Wanderung. Herbert Schnabel blieb darüber hinaus weiter ehrenamtlicher Naturschutz-Helfer.

Die heimische Landschaft, konstatiert er, verändere sich permanent. Durch intensive Landnutzung verschwinden Arten. Rebhühner gibt es heute fast nicht mehr. Kiebitze werden immer weniger. Auch das Braunkehlchen verschwindet zusehends. Dafür entwickeln sich frühere „Sorgenkinder“ gut. Seeadler und Kraniche kommen häufiger vor als vor 30 Jahren. Längst hält der Klimawandel in heimischen Wäldern, auf Wiesen und Feldern Einzug. Grundwasser-Stände sinken rapide. „Es müsste wochenlang regnen, um das wieder auszugleichen“, sagt Schnabel. „Was ebenfalls auffällt: In den Sommermonaten trocknen immer mehr Gewässer regelrecht aus. Das habe ich früher nicht erlebt.“

Der Wald stirbt in einigen Bereichen ab. „Ein Kolping-Referent sagte einmal treffend: «Der Mensch muss wieder lernen, sesshaft zu werden». Wir müssten nicht permanent unterwegs sein, meint Herbert Schnabel, und: „Wir können regional und ökologisch einkaufen. Wir können unseren Konsum eingrenzen. Die Natur braucht unser aller Schutz und Achtung.“

Nachfolger wird eingearbeitet

Für ein reichliches Jahr spürte er stärker denn je seine eigenen Grenzen. Eine Krebs-Erkrankung zwang ihn zur Pause. Umso dankbarer ist er für die Genesung. Er freut sich wieder am Leben. Seinem beruflichen Nachfolger Yannik Otto gibt er viel Wissen und Erfahrung mit. „Ich bleibe weiter ehrenamtlich aktiv“, sagt Herbert Schnabel.

Einsetzen will er sich vor allem für den Schutz des Dubringer Moores. Die Wasserzufuhr und die Wasserrückhaltung müssten dort dringend verbessert werden. Erforschen will er weiter die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt im Moor. Seit 1973 hat er unter anderem Libellen, Amphibien, Reptilien und zahlreiche Vogelarten erfasst: „All diese Notizen will ich jetzt aufarbeiten. In all den Jahren habe ich auch viele Quellen und Aufzeichnungen zum Naturschutz im Altkreis Hoyerswerda gesammelt. Jetzt ist es wichtig, das alles zu sortieren, aufzubereiten und aufzuschreiben.“ Es soll der Nachwelt erhalte

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