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Ein Riese auf Absätzen und eine bayrische Königin

„Wie die Wies’n. Nur besser!“ ist das Motto des Tags der Sachsen. Stadtmaskottchen Gunter Spies weiß, warum das passt.

Riesa-Maskottchen Gunter Spieß bei der Eröffnung des Volksfestes.
Riesa-Maskottchen Gunter Spieß bei der Eröffnung des Volksfestes. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Der Rathausplatz war doch gerade noch Baustelle? Davon ist am Freitag nichts mehr zu sehen. Die große MDR-Bühne verdeckt nicht nur die letzten Bauzäune Richtung Klosterkirche, und selbst das Rathaus ist zur Hälfte zwischen der schwarz-grün gestalteten Anlage verschwunden. Ohnehin spielt die Musik jetzt dort oben. Doch bevor die Band Focus ihr Riesa-Lied präsentiert, muss sich der Riesaer Riese spitzfindige Bemerkungen von der Moderatorin gefallen lassen. „Du bist der einzige Mann, der auf elf Zentimeter hohen Plateausohlen eleganter laufen kann als eine Frau“, sagt MDR-Frau Elena Peltzer. Dann dürfen Riesas OB Marco Müller und Landtagspräsident Matthias Rößler (beide CDU) offiziell den 28. Tag der Sachsen eröffnen. Damit ist Riesa zum zweiten Mal nach 1999 Ausrichterstadt des sächsischen Volksfests.

Bei bestem Wetter ist der Rathausplatz zur Eröffnung gut gefüllt. Auch auf der Hauptstraße herrscht am späten Freitagnachmittag stellenweise großes Gedränge. Im Stadtpark geht es dagegen noch sehr ruhig zu. Unter der Freitreppe reihen sich Hüpfburgen aneinander, wo es wohl Sonnabend und Sonntag deutlich voller werden dürfte. Jugendliche treffen sich hier, um im späteren Verlauf des Abends um die Bühnen zu ziehen. Die Stimmung ist entspannt. Noch gibt es keine Warteschlangen vor den an den Sanitärcontainern.

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Auf der Elbe kommt von Promnitz die Fähre herübergefahren. Eine Handvoll Leute will damit übersetzen – so kommt man auf kürzestem Weg zu Fuß zu einem der großen Parkplätze, die im Vorfeld auf den Feldern rund um Riesa eingerichtet wurden. Auf der durch das Hochwasser bekannten Fläche Röderau-Süd können 8.000 Autos parken. Am frühen Freitagabend ist allerdings erst ein Bruchteil der Fläche belegt. Spät am Abend sollte man aber den Shuttlebus zurück zum Parkplatz nehmen: Die Fähre ist Sonnabend und Sonntag jeweils 9 bis 20 Uhr unterwegs, 1,50 Euro kostet die Überfahrt.

Gleich neben dem Fähranleger ist die Blaulichtmeile untergekommen. Eltern mit Kindern, vor allem von Jungs, sollten hierhin einen Abstecher machen: Die Polizei ist mit Maskottchen Poldi da, das DRK mit Rettungsbooten, das THW mit einem Autokran und Wasserpumpen. Eine sogenannte Börger-Pumpe fördert 25.000 Liter Wasser pro Minute – es lohnt sich also gar nicht, sie für einen einzelnen überschwemmten Keller anzuschalten. Bei einem Elbe-Hochwasser sähe das anders aus. Beim Tag der Sachsen pumpt sie im Kreislauf immer wieder neues Wasser in große, transportable Becken. „Die ließen sich bei Waldbränden einsetzen“, sagt ein THW-Mann. Je 24.000 Liter passen in die beiden neuen Becken, die der THW-Ortsverband Riesa gerade bekommen hat. Zwei weitere sollen noch folgen. Stellt man die etwa bei einem Einsatz in der Gohrischheide auf, könnten dort die Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehr Nachschub holen.

Nachschub brauchen auch die Festbesucher, deren Zahl sich in den frühen Abendstunden deutlich erhöht hat. Jetzt dürften es einige Tausende sein, die zwischen Elbufer und Arena, Puschkinplatz und Stadtparks auf den Beinen sind. 223 Händler und Gastronomen sorgen dafür, dass niemand hungern und dürsten muss. Das Angebot reicht von der heimischen Bratwurst bis zum exotischen Cocktail. Mehr als 200 Verkaufsstände, dazu drei Medienbühnen, zehn Themenbühnen und 22 Themenmeilen brauchen aber auch viel Strom: Und da ist es kurz vor Festbeginn noch mal etwas hektisch hinter den Kulissen geworden. Schließlich galt es, zahllose Schaltschränke und Zusatz-Kabel in der Innenstadt an den richtigen Stellen anzuschließen. Aber nun scheinen alle Scheinwerfer, Kühlschränke und Karussells genug Strom zu haben.

Nach 20 Uhr ist in der Innenstadt ein konstant hoher Geräuschpegel zu vernehmen. Nach wie vor aber ist es friedlich. Im Stab, wo die Informationen von Polizei, Rettungskräften, Sicherheitsdiensten und Feuerwehr einlaufen, sind im Laufe des Nachmittags erst kleinere Vorfälle eingegangen: Da gibt es einen angetrunkenen Radfahrer, Falschparker im Veranstaltungsgelände und mehrere Verstöße gegen eine Einbahnstraßenregelung auf dem Großparkplatz bei Groptitz. Das Wetter zeigt sich am Freitag freundlich gegenüber Riesa und den Festbesuchern – so darf es gern am Sonnabend und Sonntag bleiben.

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