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Ein Riesen-Stern für Zittau

Noch nie hingen so viele Herrnhuter Sterne in Zittau. Nur wenn das erste Lichterfest am Wochenende gelingt, gibt es eine Wiederholung.

Von Mario Heinke

Von einer Spitze zur anderen misst der Herrnhuter Stern ganze 1,90 Meter. Der gelbe Bote kündet von der angebrochenen Weihnachtszeit auf dem Balkon des Zittauer Rathauses. Oberbürgermeister Arnd Voigt (Freie Bürger) hat es sich nicht nehmen lassen, die letzte Spitze eigenhändig anzuschrauben. Für die Pressefotos. Geht es nach Kai Grebasch, dann soll der große Stern ein Beleg für eine neue Willkommenskultur sein, an der die Stadt und er als Stadtmarketingmanager arbeiten. Kaum ist die letzte Schraube festgezurrt, holt Grebasch das Smartphone aus der Tasche und sendet das Bild vom „Zittauer Stern“ in die unendlichen Weiten des Internets. Der Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH, Oskar Scholz, hat das Riesenexemplar eigens für die Zittauer anfertigen lassen. „Sterne in dieser Größe sind die Ausnahme“, sagt Scholz.

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Ein Standfuß, eine Halterung und vier Spannseile aus Stahl sorgen dafür, dass der Weihnachtsbote nicht wegfliegt und auch gegen extreme Turbulenzen gesichert ist. Der Stern kann Windgeschwindigkeiten bis 120 Stundenkilometern widerstehen, erklärt der Herrnhuter Sterne-Chef. Ein baugleiches Exemplar ist tatsächlich in einem Windkanal an der Technischen Universität Dresden getestet worden. Dort ist der Stern als besonders windschlüpfrig eingestuft worden. „Unsere Vorfahren haben schon im 18. Jahrhundert das Stromlinienprinzip intuitiv berücksichtigt“, scherzt Scholz. Das Wetter am Wochenende mit dem angekündigten Sturmtief gilt als erste Nagelprobe für das Balkonexemplar.

Verkaufsleiter Jens Ruppert ist froh, dass alles noch geklappt hat. Die Anfrage für den Stern sei erst vor drei Wochen eingegangen. Nur mit Unterstützung der Bauschlosserei Passoke aus Ruppersdorf und der Elektrofirma Wollmann ist es kurzfristig noch gelungen, den Wünschen aus dem Zittauer Rathaus gerecht zu werden. 1 900 Euro kostet das Sonderexemplar.

Das Herrnhuter Unternehmen hat den Stern der Stadt als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Oskar Scholz hofft, dass viele Besucher in der Weihnachtszeit in die Stadt kommen und den einzigartigen Stern bewundern. Besonders bei den Gästen aus den Nachbarländern erwartet Scholz einen Werbeeffekt für die seit über 160 Jahren in Herrnhut produzierten Advents- und Weihnachtssterne. Bis zum Ende der Weihnachtszeit wird der Stern ab 16 Uhr bis in die späten Nachtstunden leuchten. In allen Fenstern des Rathauses sind außerdem jeweils drei kleine Sterne aufgehängt worden, insgesamt 75 Stück. Das weihnachtliche Motiv – ein Reich der Sterne – wird sicher viele Fotografen anlocken. Die Fotos werden „Zittau – die Reiche“ bekannter machen, so jedenfalls der Plan.

Am Montag war Kai Grebasch gemeinsam mit Doreen Schiller vom „S. Oliver“ bei den Innenstadthändlern. 50 weitere Herrnhuter Sterne haben die beiden verteilt. Die Sterne werden in den Schaufenstern angebracht. Drei Stunden hat die Verteilung gedauert, erzählt Grebasch, der die Gelegenheit genutzt hat, um mit den Händlern ins Gespräch zu kommen. Die Resonanz sei durchweg positiv gewesen. Die Stadtverwaltung hat die Sterne gekauft und will sie ab sofort jedes Jahr an die Händler verteilen.

Ziel der aufwendigen Aktion ist das erste Lichterfest am Sonntag, bei dem das Stadtzentrum in einem noch nie da gewesenen weihnachtlichen Lichterglanz erstrahlen soll. Stadtverwaltung und Werbegemeinschaft haben viel Geld investiert, von der Radiowerbung bis zur Plakatierung. Das Lichterfest ist eine Premiere und soll einen festen Platz im städtischen Veranstaltungskalender bekommen, vorausgesetzt, der Sonntag wird ein Erfolg.

Damit das so wird, müssen viele Menschen am Nachmittag den Weg in die Innenstadt finden. Die Geschäfte sind zwischen 13 und 18 Uhr geöffnet und bieten viele eigene Attraktionen. Aber auch ohne Shopping lohnt der Weg, denn die Lichter werden die Botschaft verkünden.