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Ein Schiff namens Riesa

Bis 1976 gehörte der Dampfer zum gewohnten Bild auf der Elbe in Riesa. Überraschend, wer damals alles an Bord war.

Von Peter Noack

300 Kilometer von Riesa entfernt, haben Riesaer noch eine kleine Heimat: den Personendampfer „Riesa“. Das Schiff, das bis 1976 die Elbe zwischen Schmilka und Riesa befuhr, ist seit 1978 das größte Ausstellungsstück des Oderberger Binnenschifffahrtsmuseums. Zum 60-jährigen Jubiläum der umfangreichsten Sammlung ihrer Art im Osten Deutschlands gab es jetzt ein Museumsfest. Mit dabei – klar – eine Abordnung aus Riesa: Hobbyhistoriker Gunter Spies hatte die Reise organisiert und einen originalen Postbeutel als Gastgeschenk mitgebracht. Er kam früher bei Schiffsbegegnungen zum Einsatz, um Nachrichten, oft in Form von Schnaps, auszutauschen. „Wir sind neidisch, dass wir das Schiff nicht in unserer Stadt haben, freuen uns aber, dass die Oderberger sich so rührend um die „Riesa“ kümmern“, sagte Gunter Spies in seiner Festrede.

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Begleitet wurde der offizielle Vertreter der Stadt durch Leutnant Patrick George von der Reservistenarbeitsgemeinschaft Marine Riesa und Traudel Pfeffer, die früher oft als Passagier mit der „Riesa“ reiste. Nicht schlecht staunten die Elbestädter als der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Barnim, mit Sitz in Eberswalde, als Sponsorvertreter persönliche Erlebnisse auf der „Riesa“ vortrug. Die Antwort gab der Redner Uwe Riediger selbst: „Ich bin in Riesa aufgewachsen und oft mit dem Dampfer gefahren. Zum Beispiel nach Meißen oder in die Sächsische Schweiz. Das war immer ein Erlebnis. Hier in Oderberg hab ich damit ein kleines Stück Heimat.“

Und die Überraschungen fanden kein Ende: Günter Leinweber wuchs quasi an Bord der „Riesa“ auf. „Mein Vater war nach dem Krieg der erste Kapitän auf dem Dampfer und ich bin so oft es ging mitgefahren. Damals war die Flussschifffahrt noch viel mit körperlicher Anstrengung verbunden. Die Schiffe waren auch noch sehr einfach ausgestattet“, erzählte der ehemalige Dresdner, der viele private Fotos im Salon des Schiffes ausbreitet. Guter Spies entdeckt dabei viele seltene Ansichten vom früheren Aussehen des Dampfers. Und Traudel Pfeffer wusste zu berichten: „Damals konnte man noch für 2,20 Mark von Riesa nach Dresden fahren. Die über sechs Stunden dauernde Fahrt war als Kind für mich eher langweilig als interessant. Aber dafür gab’s immer eine leckere Eierflockensuppe an Bord. Die hat entschädigt. Heute wieder auf der „Riesa“ zu stehen, ist plötzlich ein unbeschreibliches Gefühl. Da kommt die Kindheit zurück.“

Bei der Führung durch das Schiff mit Hartmut Ivers vom Förderverein Binnenschifffahrts-Museum Oderberg e. V. wird viel aus Erinnerungen geplaudert. Leuchtende Augen gab’s, als die Dampfmaschine in Betrieb gesetzt wurde. Da der Dampfkessel nicht mehr betriebsfähig ist, ersetzt ein Elektromotor den Antrieb. „Im vergangenen Jahr haben die Marinereservisten aus Riesa neue Wappen für das Schiff mitgebracht. Seitdem sieht die „Riesa“ noch viel schöner aus. Für uns ist das ein Zeichen hoher Wertschätzung unserer Arbeit, dass sich die Riesaer bei uns wohlfühlen“, schwärmte Hartmut Zepp, der Vorsitzende des Fördervereins, Binnenschifffahrts-Museum Oderberg.