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Ein Schloss mit ehemaligem Wassergraben

Eine SZ-Serie stellt Schlösser in der Region zwischen Großenhainund Elsterwerda vor.Heute: Großkmehlen

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Von Matthias Donath

Die Geschichte Großkmehlens, das bis 1815 zum Amt Großenhain und damit zu Sachsen gehörte, ist eng mit dem Adelsgeschlecht von Lüttichau verbunden. Die Familie kaufte um 1330 den Schradenwald und 1355 die Herrschaft Großkmehlen. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Dörfer zwischen Ortrand und Großenhain hinzu, die allerdings aufgrund von Erbteilungen und Misswirtschaft verloren gingen. 1816 kauften die Lüttichaus das Schloss Bärenstein im Osterzgebirge, wo das Adelsgeschlecht bis 1945 seinen Hauptsitz hatte.

Das Renaissanceschloss in Großkmehlen wurde zwischen 1550 und 1560 für die Vettern Hans und Wolfgang von Lüttichau erbaut. Ein zwölf Meter breiter Graben, der früher mit Wasser gefüllt war, umgibt den turmbewehrten Adelssitz. Die Ecken sind durch Rundtürme gesichert, die das Gebäude um ein Stockwerk überragen und von geschweiften Hauben bekrönt werden. Es sind nur drei Türme. Der vierte Eckturm im Nordosten fehlt, da dort ein ehemaliger Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert integriert wurde.

Die Brandenburgische Schlösser GmbH hat das Schloss in den letzten Jahren gründlich saniert. Allerdings nur Dach und Fassade. Der Innenausbau soll erst beginnen, wenn eine passende Nutzung gefunden ist. Eine modern gestaltete Brücke führt zum alten Schlossportal. Öffnet man die eisenbeschlagene Renaissancetür, kommt man in eine gewölbte Eingangshalle mit angeschlossenem Treppenhaus. Während im zweiten Obergeschoss einfache Holzbalkendecken anzutreffen sind, überrascht das erste Obergeschoss durch üppige Stukkaturen.

Der Besitz der Lüttichaus war seit 1412 in die Herrschaften „Großkmehlen Alter Teil“ und „Großkmehlen Neuer Teil“ aufgeteilt. Der Adelssitz befand sich seitdem immer in zwei oder mehreren Händen. Nachdem 1738 der Alte Teil der Familie von Lüttichau verloren gegangen war, musste 1772 auch der Neue Teil verkauft werden. Großkmehlen Alter Teil kam 1845 an den bedeutenden Rechtsgelehrten Karl Eduard Zachariae von Lingenthal, der auf dem Gut eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt einrichtete. Die in Lindenau ansässige fürstliche Familie zu Lynar kaufte 1905 den Neuen Teil und 1930 den Alten Teil, wodurch der Besitz wieder vereinigt wurde. Die adlige Vergangenheit endete 1945 mit der Enteignung der Fürstenfamilie Lynar. Im Schloss war ein Altenheim untergebracht, das 1993 geschlossen wurde. Seitdem steht der Herrensitz leer.