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Ein Schloss nicht nur für Reiche

Mit Schloss Peruc hat der Eigentümer Besonderes vor. Erstmals seit Jahrzehnten kann es auch wieder besichtigt werden.

Schlossherr Pavel Ondracek auf dem prächtigen Treppenaufgang von Schloss Peruc.
Schlossherr Pavel Ondracek auf dem prächtigen Treppenaufgang von Schloss Peruc. © Steffen Neumann

Im Kellergewölbe wird eifrig gearbeitet. Es werden Böden verlegt. Überall sind noch die Schächte für die Wasser- und Stromversorgung zu sehen. Aber die Bäder sind schon fertig gefliest und mit Wanne ausgestattet. „Die ersten Appartements vermieten wir ab Herbst“, ist Pavel Ondráček zuversichtlich.

Von den Bauarbeiten in den Gewölben bekommt die Besuchergruppe des Rokoko-Schlosses in Peruc (Perutz) nichts mit. Die Gäste bestaunen gerade unter der Anleitung eines Schlossführers die prächtige Eingangstreppe, die zusammen mit den Figuren der Allegorien von dem österreichischen Hofbildhauer Ignaz Franz Platzer gestaltet wurde. Die damaligen Eigentümer, die Familie Ledebur, hatten Platzer 1770 mit der Ausstattung des Schlosses beauftragt. Seitdem gehört es zu einem der wenigen Rokoko-Schlösser in Tschechien.

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Pavel Ondráček ist einer von Ledeburs Nachfolgern und er hat das Schloss wahrscheinlich vor dem Einsturz gerettet. „Die Fenster waren zerschlagen, das Dach undicht, Schwamm in den Wänden, die Sandsteinfußböden mit Beton übergossen und nirgends Kanalisation und Trinkwasserleitungen.“ Wenn Ondráček erstmal anfängt mit Aufzählen, ist er nur schwer zu bremsen. Vor fünf Jahren erwarb er das Schloss von den Vorbesitzern, zwei Engländern. „Die haben hier nichts gemacht, wie vorher schon 60 Jahre der Staat“, sagt der eloquente Mittfünfziger.

Nicht so er. Seit fünf Jahren schon saniert er das Schloss. „Lange Zeit war es deprimierend. Denn es sah oft noch schlimmer aus, nachdem die Bauarbeiten begannen, als zuvor“, erzählt er. Immer wieder kamen Überraschungen zutage. Weit über zwei Millionen Euro schluckte die Sanierung bereits. „Doch seit einigen Monaten geht es aufwärts“, erzählt er. Die eine Hälfte des Schlosses ist in den ehemaligen Residenzräumen in der ersten und zweiten Etage fertig. Ondráček wollte die Gelegenheit für eine Pause nutzen und das Schloss erstmals der Öffentlichkeit zeigen.

Die kannte es eigentlich nicht anders als verfallen. Für zwei Monate kann man an den Führungen teilnehmen, die jeden Tag von 10 bis 18 Uhr stattfinden. „Das Interesse ist vor allem am Wochenende und bei schönem Wetter riesig“, resümiert der Schlossherr die ersten anderthalb Wochen. Für die relativ kurze Zeit hat er extra ein Gartenrestaurant im Park installiert. Das Essen wird aus Prag „eingeflogen“.

Ingenieur mit Sinn für Geschichte

Fragt man ihn, warum er sich das antut, ein Schloss in der Pampa westlich von Louny (Laun) zu sanieren, gibt er eine überraschend einfache Antwort: „Es macht mir Spaß, den Menschen Schlossräume zugänglich zu machen und in historischer Schönheit zu zeigen.“ Geschichte ist seit jeher sein Steckenpferd, auch wenn er studierter Ingenieur ist.

Doch schnell wird klar, dass Ondráček nichts dem Zufall überlässt und von reinem Altruismus weit entfernt ist. Er ist ein Wiederholungstäter und er weiß mit Schlössern Geld zu verdienen. Vor 22 Jahren kaufte er ein kleines Schloss im ostböhmischen Dětenice (Jettenitz). Damals war er bereits erfolgreicher Tourismusunternehmer, hatte in Prag ein Hotel. Dětenice baute er quasi zum Erlebnisort aus, richtete im Keller eine mittelalterliche Kneipe ein und organisiert Veranstaltungen für Mittelalterfans und Fechter. Heute hat das Anwesen auch eine eigene Brauerei und zählt zu den meist besuchten Schlössern Tschechiens, obwohl es keinen klangvollen Namen hat wie Karlštejn oder Hluboká.

Wer will, kann Parallelen zum Schloss Peruc entdecken. Auch hier handelt es sich um eine abgelegene Lage. Auch hier ist ein eher kleineres Schloss, das im mit Schlössern reich beschenkten Tschechien eher im Schatten steht. Doch Ondráček weiß es in Szene zu setzen. Alle Besichtigungsräume sind nicht nur fertig saniert, sondern auch wunderbar im spätbarocken, aber auch Renaissance-Stil ausgestattet.

Auffällig ist die Sammlung an barocken Gemälden, teils seine eigenen Werke, teils Leihgaben von Privatleuten. Zu den einzigen Originalen gehören 30 Öfen, davon viele im Rokokostil. „Einen ließen wir aus vielen Teilen zusammensetzen und restaurieren. Allein das kostete schon 8.000 Euro“, erzählt Ondráček. Auch wenn die Originalmöbel verschwunden sind, sie wurden adäquat ersetzt.

Jahrzehntelang war das Rokoko-Schloss verriegelt. Nun strahlt es wieder blau und ist bis Ende August für Besucher geöffnet.Schlossherr Pavel Ondracek auf dem prächtigen Treppenaufgang von Schloss Peruc. Fotos: Steffen NeumannSchlossherr Pavel Ondracek auf
Jahrzehntelang war das Rokoko-Schloss verriegelt. Nun strahlt es wieder blau und ist bis Ende August für Besucher geöffnet.Schlossherr Pavel Ondracek auf dem prächtigen Treppenaufgang von Schloss Peruc. Fotos: Steffen NeumannSchlossherr Pavel Ondracek auf © Steffen Neumann

Doch das Besucherschloss ist nur ein Teil von Ondráčeks Strategie. Das Geld verdient er mit den Luxusappartements, die er hier einrichten lässt. Jene eingangs beschriebenen im Keller, die anderen entstehen in dem bisher unsanierten Ostflügel. Die Gäste werden exklusiv sein und nur die allerbesten Dienstleistungen erhalten, verspricht er. Dazu gehört ein Michelin-Restaurant und Wellness, in den riesigen Kellern kann man Wein verkosten. Mit der Luxushotel-Kette „Relais & Châteaux“ steht er in Verhandlungen. Dass seine Gäste nicht alltäglich werden, deutet schon der Zimmerpreis an, der „um die 1.000 Euro“ liegen wird, wie er sagt.

Aber wo sollen in diesem abgelegenen Winkel Gäste herkommen? Die Kleinstadt, die genau genommen eine Minderstadt ist, macht keinen reichen Eindruck. „Das Faszinierende an der Lage ist, dass man keine halbe Stunde zum Flughafen Prag braucht“, verrät Ondráček einen wichtigen Eckpfeiler seines Konzepts, das so ähnlich auch schon bei seinem anderen Schloss funktioniert.

Nach zwei Monaten übernehmen erst einmal wieder die Bauarbeiter das Zepter in Schloss Peruc. Nächstes Jahr soll der Schlosspark fertig sein. Dann werden hier schon die ersten Gäste wohnen. Für das gesamte Schloss braucht er noch „2-3 Jahre“. Für normal sterbliche Besucher werden die Räume auch dann wieder offen sein. „Ein Teil bleibt öffentlich“, sagt Ondráček.


Öffnungszeiten: Juli-August täglich 10-18 Uhr

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