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Ein Schneepflug ist auch nur ein Mensch

Der Winterdienst kann nicht überall zugleich sein - selbst wenn das viele erwarten.  

Am Donnerstag hat sich der Einsatz des Schneeflugs in Jonsdorf gelohnt.
Am Donnerstag hat sich der Einsatz des Schneeflugs in Jonsdorf gelohnt. © www.foto-sampedro.de

Halb elf am Donnerstagvormittag hat Reinhard Vogt entschieden, dass er seine Leute jetzt rausschickt. Um diese Zeit ist die Schneedecke im Kurort Jonsdorf auf sechs Zentimeter angewachsen. Ab jetzt lohnt sich das überhaupt erst für den Schneepflug. Kurz vor elf steigt Bauhofleiter Vogt selber auf den Unimog. Zuerst muss der Weg zum Kindergarten freigeschoben und gestreut werden, dann der zur Kaufhalle und zur Arztpraxis. Überall dort, wo die Jonsdorfer hinmüssen, sollen sie auch hinkommen, sagt Vogt. Und dann ist da natürlich noch die "Drehe", diese enge, steile Abkürzung durch den Ort, die alle gerne nehmen, die sich auskennen. "Wenn wir die Drehe nicht freischieben, gibt es ganz schnell ein Verkehrschaos", weiß der Bauhofleiter.

Dabei wäre die Gemeinde rein theoretisch gar nicht zum Winterdienst verpflichtet, sagt Reinhard Vogt. Laut Sächsischem Straßengesetz gibt es keinen Rechtsanspruch auf schnee- und eisfreie Straßen und Wege im Ort. Auch wenn viele Leute das so erwarten würden. "Der Winterdienst ist für die Kommunen eine rein freiwillige Aufgabe", erklärt Vogt. Und zunehmend ist er auch eine Geldfrage, gerade in den Orten mit knappen Kassen. "Deswegen müssen wir Aufwand und Nutzen eben auch gut abwägen", sagt er. Aber selbstverständlich tun auch die Bauhofmitarbeiter in Jonsdorf, was sie können, versichert Reinhard Vogt. Ehrensache!

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Ein Schneepflug ist ja auch nur ein Mensch. Und er kann beim besten Willen nicht immer und überall zugleich zur Stelle sein. Frühmorgens um drei hat die Frühschicht von Frank Rudolph und seinen Kollegen von der Lawalder Straßenmeisterei begonnen. Die Straßenmeistereien arbeiten jetzt grundsätzlich zweischichtig. Von 3 Uhr morgens bis 23 Uhr abends sind die Räum- und Streufahrzeuge unterwegs. Auch wenn das an diesem Donnerstag nichts außergewöhnliches ist. "Ein ganz normaler Wintertag", winkt Schichtleiter Rudolph ab. Keine besonderen Vorkommnisse. Nun ja, bis auf die paar querstehenden Lkw. "Es gibt eben immer welche, die unbedingt vor dem Schneepflug ankommen wollen", sagt Rudolph.

"Wir haben die Lage bisher gut im Griff", freut sich Kreisbauamtsleiter Dieter Peschel. Er ist der Chef für den Winterdienst im ganzen Landkreis, zuständig für die Bundes- und Landstraßen. Die sollen möglichst so weit freigehalten werden, dass sie gefahrlos passiert werden können. Das ist der Anspruch, sagt Peschel. An diesem Donnerstag hat das Zittauer Gebirge den Vorrang. Dort schneit es am meisten. Priorität haben aber immer auch die Bundes- und die viel befahrenen Ortsverbindungsstraßen, erklärt der Amtsleiter.

In jeder der vier Straßenmeistereien im Landkreis sind die Mitarbeiter derzeit mit zwei Lkw, zwei Unimog und einem Multicar im Einsatz - durchgehend im Schichtdienst von 3 bis 23 Uhr. 15 Fahrzeuge von Fremdfirmen stehen zusätzlich bereit, wenn es dicker kommt. Die Streusalzlager sind noch gut gefüllt. Derzeit stehen noch 3.100 Tonnen  Streusalz zur Verfügung. Wenn das nicht ausreicht, wird nachgeordert. Rund zwei Millionen Euro veranschlagt der Landkreis für den Winterdienst in einem durchschnittlichen Winter.

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Am Donnerstagmittag aber sieht es noch nicht mal nach Durchschnitt aus. Schichtleiter Frank Rudolph hat Feierabend. Der 58-Jährige arbeitet seit 42 Jahren im Winterdienst. Da hat er schon ganz anderes erlebt. Den Winter 1978/79 zum Beispiel oder den zur Jahrtausendwende. Da mussten auf den Straßen sogar Bagger anrücken, um dem Schnee irgendwie Herr zu werden. Frank Rudolph wirft noch mal schnell einen Blick auf die Wetterkarte: So dicke kommt es nicht. Am Freitagabend soll der Schnee schon wieder in Regen übergehen.