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PLUS Weißwasser

Ein Septett will nach Dresden

Vorstellung der Kandidaten aus dem Wahlkreis 57

© Symbolfoto: SZ Archiv

„Strukturwandel bringt neue Chancen“

Landes- und Bundespolitik sind Tilmann Havenstein (CDU) vertraut. Jetzt will der Daubitzer mitregieren.

Tilmann Havenstein leitet seit elf Jahren das CDU-Wahlkreisbüro in Weißwasser. Begonnen hat er als Angestellter von Michael Kretschmer (MdB). Seit zehn Jahren steht Havenstein in den Diensten von Lothar Bienst (MdL). Mit seiner Kandidatur für den Landtag will der Daubitzer die politische Arbeit von Ruheständler Bienst fortsetzen.

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365 Tage für Patienten da
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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

„Meine Kraft werde ich für die Region einsetzen“, betont er. Der Schwerpunkt liegt dabei im Strukturwandel der Lausitz. Dabei geht es dem 50-Jährigen nicht nur um die Ansiedlung neuer Behörden wie in der ehemaligen Glasmacherschule in Weißwasser. Sein Augenmerk liegt auch auf der Unterstützung bestehender Unternehmen und des Handwerks sowie der Neuansiedlung von Firmen. Damit könnte die Lausitz sich neue Märkte erschließen und bestehende festigen, wie etwa in Russland.

Als Christ und Vater von vier erwachsenen Töchtern sieht er die Arbeit mit den Bürgern als vorrangig an. Viele Menschen sind voll mit Optimismus und Ideen, sie bringen das Land voran, ist Havenstein überzeugt. Wenn dazu das Strukturstärkungsgesetz des Bundes greift, können die vielen Projekte für die Lausitz umgesetzt werden, meint der gelernte Elektromaschinenbauer.

Der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Rietschen/Daubitz sitzt seit 2004 im Gemeinderat und im Görlitzer Kreisvorstand der CDU. Seit 2014 ist der Verwaltungsfachangestellte Mitglied des Kreistages. Ebenso gehört Havenstein mehreren Vereinen an, unter anderem dem der Daubitzer Karnevalisten und der Kirchgemeinde. (SZ/sg)

„Die Menschen befragen, was sie wollen“

Antonia Mertsching engagiert sich in Sachen Nachhaltigkeit und kandidiert für Die Linke.

Um der Region mehr Gehör in Dresden zu verschaffen, kandidiert die 34-Jährige aus Weißwasser, die in Berlin geboren wurde und ihre Jugend in einem 52-Seelen-Dorf im Oberspreewald-Lausitz-Kreis verbrachte. Antonia Mertsching sind somit ländlicher Raum, Probleme und Strukturwandel bekannt.

„Beim Strukturwandel ist mir wichtig, dass er wirklich einen Umbau der Wirtschaft bringt. Dazu müssen erst die Menschen befragt werden, wie sie ihre Region entwickeln wollen. Dazu soll ein Nachhaltigkeits-Check durchgeführt (sozial und klimagerecht!) und dann erst sollen die Milliarden in einem transparenten und demokratischen Verfahren ausgegeben werden.“ Strukturwandel heißt für sie auch Ausbau der erneuerbaren Energien – Solar, Wind und Wasserstoff – und Neubelebung traditioneller Industriezweige wie Textil- und Glasproduktion sowie kurze Wege bei und zwischen Produktion, Verarbeitung und Konsum.

Die Linke will im Strukturwandelprozess zudem ein Modellprojekt „Grundeinkommen“ in der Lausitz einführen. Antonia Mertsching, die nach dem Politik-Studium fünf Jahre beim Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen arbeitete und nun Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Niesky ist, fordert zudem den massiven Ausbau des ÖPNV und einen Fonds „Zivilgesellschaft“, damit Kultur- und Sozialarbeit einen höheren Stellenwert in der Region bekommen.

„Mein persönlicher Beitrag zu Nachhaltigkeit ist, auf dem Land kein Auto zu haben, nur ÖPNV und Rad zu fahren und im Winter keinen Kühlschrank zu nutzen“. (red)

„Die Region hat Priorität“

Thomas Baum aus Bad Muskau war bereits SPD- Landtagsabgeordneter. Er kandidiert jetzt erneut.

Als Ur-Bad Muskauer ist der 55-jährige Familienvater und langjährige Stadtrat fest in der Region verwurzelt.

„Die Region hat Priorität“ war und ist auch sein Motto für den Landtag, wo Thomas Baum zuletzt im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie im Petitionsausschuss mitwirkte und in der SPD-Fraktion als Fachsprecher für Wirtschaft, Verkehr und Strukturpolitik. „Genau diese Themen sind die Herausforderungen beim Strukturwandel der Lausitz und im Wahlkreis, weshalb sie Schwerpunkte meiner Arbeit waren und weiter sein werden, wenn ich erneut in das Landesparlament gewählt werde“, erklärt Baum, der seit 2004 auch Stadtrat in Bad Muskau sist.

Um den Strukturwandelprozess der Lausitz als größte gesellschaftliche Aufgabe zu schaffen, sieht Baum die hiesigen Prioritäten in der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen durch Neuansiedlungen und in Investitionen zur Stärkung vorhandener Unternehmen und in der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur.

Insbesondere sieht der Bauingenieur den Ausbau der Bahntrasse Cottbus–Görlitz und die Nordverlagerung der B 178 n von Weißenberg (A 4) bis Cottbus (A 15), eng an Weißwasser vorbei, als unverzichtbar. „Die Projekte helfen dem ganzen Kreis Görlitz als schnelle Anbindung an Berlin, machen die Region für Wirtschaft, Tourismus und Menschen attraktiv.“ Zur baldigen Umsetzung der Projekte fordert Thomas Baum ein Planungsbeschleunigungsgesetz. „Und die Milliardenhilfen müssen für und in die Lausitz fließen.“ (red)

„Kein Versprechen, das nicht einlösbar ist“

Roberto Kuhnert hat was gegen Luftschlösser. Der Stadt- und Kreisrat der AfD will auch in den Landtag.

„Hier fährt kein ICE“, davon ist Roberto Kuhnert überzeugt. Statt solcher Luftschlösser braucht die Lausitz „einen ehrlichen, ganz soliden Strukturwandel“. Mit der Neuansiedlung und der Stärkung des verarbeitenden Gewerbes, damit Menschen weiterhin in ihren erlernten Berufen Lohn und Brot bekommen. Der Landkreis Görlitz stehe bei der Kaufkraft bundesweit an letzter Stelle. Viele Menschen fühlen sich abgehängt im Ergebnis des bisherigen Kahlschlags, sagt Roberto Kuhnert. Deshalb setzt sich die AfD für den Erhalt der Kohleverstromung bis 2040/50 ein, wie es Vattenfall/Leag in Aussicht gestellt wurde. Niemand sei gegen den Schutz von Natur und Umwelt. Aber mit Kernaussagen, wie sie sich gegen Menschen in der Lausitz richten, habe er ein Problem. Die klare Ansage der AfD zu einer Sonderwirtschaftszone Lausitz werde inzwischen von allen aufgegriffen. „Wir brauchen aber kein Versprechen, das nicht einlösbar ist“, so Roberto Kuhnert.

Der 56-jährige Weißwasseraner ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und ist seit acht Jahren selbstständiger Baudienstleister. Politisch interessiert sei er ja schon immer gewesen, konnte „aber nie in den bestehenden Parteien eine politische Heimat finden“. Mit der AfD kam für ihn die Initialzündung, sich aktiv zu engagieren. Seit 2015 ist er Mitglied, sitzt für die Partei im Kreistag. Mit „Dingen, die nicht bloß für uns, sondern für die Leute wichtig sind“, will man sich noch breiter aufstellen. Inzwischen gewählter Stadtrat in Weißwasser, möchte Roberto Kuhnert nun auch in die Landespolitik, „um Akzente für die Region zu setzen“. (ck)

„Demokratie ist zu hinterfragen“

Einst im Neuen Forum, lässt die Politik Thomas Pilz nicht los. Den Grünen zieht es nach Dresden.

Als an die friedliche Revolution 1989 noch nicht zu denken war, engagierte sich Thomas Pilz bereits in Friedens-, Umwelt und Menschenrechtsgruppen in und um Zittau, zu Beginn der 1980er-Jahre noch als EOS-Schüler. Im Wendejahr gründete er das Neue Forum Oberlausitz mit und zog ein Jahr später in den Kreistag ein. Da hatte Pilz seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger im Katharinenhof Großhennersdorf bereits beendet.

Sozial engagiert ist der Mittelherwigsdorfer bis heute geblieben. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben“, sagte er in einem Interview. Pilz führte das Multikulturelle Zentrum, arbeitete in der Umweltbibliothek Großhennersdorf und als freiberuflicher Kulturmanager und Geschäftsführer der Hillerschen Villa. Seit 2004 sitzt der Diplomsozialpädagoge und Sozialarbeiter im Gemeinderat seines Heimatortes und als Bündnis-Grüner seit 2005 im Kreistag.

„Was mir fehlt, ist Zeit“, sagt Pilz – und das glaubt man ihm. Ehrenamtlich engagiert sich der 54-Jährige im Beirat des Kulturraumes Oberlausitz/Niederschlesien und ist im Vereinsvorstand der Kulturfabrik Meda. Thomas Pilz ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Wenn er für Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag sitzt, möchte der kirchlich geprägte Oberlausitzer die Demokratie in seinem Land mitgestalten. „Demokratie ist immer wieder zu hinterfragen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen“, ist sein Standpunkt.

Körperliche Ausarbeitung findet Pilz in seinem großen Garten: „Hier ist der Ort, wo ich mich erden kann.“ (SZ/sg)

„Drüber nachdenken und einfach machen“

Viel Bürokratie behindert Entwicklung in Sachsen. Das möchte FDP-Mann Sebastian Grubert ändern.

Auf dem Bau geht es so zu: Anpacken und Loslegen! Insofern deckt sich der Slogan der FDP „Einfach machen“ mit dem Berufsalltag von Sebastian Grubert. „Drüber nachdenken und einfach machen“, ist sein Credo. Der Jahmener gründete 2015 seinen Baubetrieb, beschäftigt inzwischen sechs Mitarbeiter. Das kostet Zeit und Nerven. Nicht nur, weil selbst in wirtschaftlich guten Zeiten Aufträge im Baugewerbe hart umkämpft sind. Er fühlt sich als Unternehmer „schon lange nicht mehr richtig verstanden“ und weiß sich darin eins mit vielen Mittelständlern. Warum Gewerbesteuer im Voraus zu zahlen ist, obwohl man das Betriebsergebnis noch gar nicht kennt, bewegt ihn genauso wie steigende Strompreise. Was in dieser Hinsicht mit dem Kohleausstieg auf Wirtschaft und Bürger zukommt, sei unklar. Ebenso wie die Zukunft von 20 000 Menschen in Tagebauen, Kraftwerken und bei Zulieferern in der Lausitz. Ganz abgesehen davon, dass die Schließung einer Enteignung gleichkomme.

Viel zu viel Bürokratie behindere die Entwicklung. Das störe ihn als Unternehmer wie als Privatperson. Dass man, um im eigenen Garten einen Hühnerstall zu bauen, Genehmigungen braucht, sei nicht zu vermitteln. So bleiben Ideen und Eigeninitiative auf der Strecke.

Seit 2017 ist Sebastian Grubert in der FDP. Im Dorf bringt sich der 33-Jährige ein, neuerdings im Ortschaftsrat. Weil es Zeit ist, dass sich junge Menschen politisch engagieren, kandidiert er für den Landtag. „Ich möchte etwas verändern, damit meine Kinder in einem Sachsen aufwachsen, das lebenswert und zukunftsorientiert ist“. (ck)

„Keine Betreuungskosten mehr für Eltern“

Für die Freien Wähler kandidiert Siegmund Hänchen. Der Neusorger ist Stadtrat in Rothenburg.

Von der Versicherungsbranche in die Landespolitik will Siegmund Hänchen wechseln. Der Vater von drei Kindern sitzt bereits die zweite Legislaturperiode im Stadtrat Rothenburg. Den Freien Wählern (FW) gehört der 48-Jährige schon seit einigen Jahren an und ist inzwischen Vorsitzender in der Kreisvereinigung Görlitz. Seit vergangenem Jahr ist Hänchen auch Mitglied in der Bundesvereinigung der FW.

Die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit in seiner Heimatstadt sind: Eine ausgewogene Finanzierung des neuen Schulstandortes. Mehr Ärzte auf das Land holen. Profilierung Rothenburgs zu einer Gesundheitsstadt mit einer bedarfsgerechten Betreuung älterer Menschen.

Über die Stadtgrenzen hinaus will sich Hänchen einsetzen für einen Abbau der Kinderbetreuungskosten für Eltern, den dreispurigen Ausbau der A 4 bis zur Grenze und einen sozialverträglichen strukturellen Wandel bezüglich der Einstellung der Kohleverstromung. Die in Rothenburg ansässige Polizeifachhochschule soll Bedeutung für die gesamte Region haben und die Stadt als sächsischen Schulstandort etablieren.

Mehr Potenzial sieht Hänchen in der touristischen Erschließung seiner Heimatstadt und ihres Umfeldes. Zudem will er sich dafür einsetzen, dass Fördermittelanträge mit weniger Bürokratie gestellt werden können und Feuerwehrleute eine Rente bekommen. Ehrenamtlich ist Hänchen stellvertretender Wehrleiter der Ortswehr Neusorge, stellvertretender Friedensrichter und Kassenwart im Jagdverband Neusorge. (SZ/sg)

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