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Ein Sommer zum Vergessen

Die Ernte fällt schon wieder unterdurchschnittlich aus. Für manchen Landwirt könnte das bedrohlich werden.

Ein Mähdrescher erntet ein Rapsfeld bei Glaubitz. Zum zweiten Mal in Folge fiel die Ernte in der Region dürftig aus. Schuld war in erster Linie die Trockenheit.
Ein Mähdrescher erntet ein Rapsfeld bei Glaubitz. Zum zweiten Mal in Folge fiel die Ernte in der Region dürftig aus. Schuld war in erster Linie die Trockenheit. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Es sah alles so gut aus. Nach dem Dürresommer 2018 machte sich Gerhard Förster noch im Frühjahr Hoffnung auf ein normales Jahr. „Das Getreide war eigentlich gut durch den Winter gekommen“, sagt der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Unteres Sächsisches Elbtal in Kreinitz. Es sei zwar immer noch zu trocken gewesen. „Aber im Winter stecken die Pflanzen das weg.“

Das böse Erwachen kam dann im Mai und Juni. „Das sind die wichtigen Monate. Und da hat die Witterung nicht mitgespielt“, erklärt Förster, der auch stellvertretender Chef des Landesbauernverbandes ist. Die Folgen bekamen die Landwirte bei der Ernte zu spüren. Die Zahl der Ähren und der Körner, das sei alles im normalen Bereich gewesen. „Aber die Größe der Körner, die ist ein Problem.“ 

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Förster hat dafür einen Vergleich parat. „1.000 Körner wiegen normalerweise zwischen 45 und 50 Gramm. In diesem Jahr waren wir bei 30.“ Schuld ist die erneute Hitze und Trockenheit, daran lässt der Landwirt keinen Zweifel. „Die Bestände waren um den 25. Juni herum notreif. Da war die Kornfüllungsphase nicht vollständig zu Ende gebracht.“ 

Am Beispiel der Agrargenossenschaft bedeutet das, dass in diesem Jahr nur 7.000 Tonnen Getreide geerntet werden konnten, statt der üblichen 9.000 Tonnen. Gleichzeitig seien kleine Körner oftmals nur noch als Futtermittel zu gebrauchen – und das bringt weniger Erlös als ein Verkauf an die Mühle.

Für den Landwirt ist es da kaum ein Trost, dass die Felder der Genossenschaft von größeren Wetterkapriolen verschont geblieben sind. Dafür sind Schädlinge ein Thema – aber nicht mehr dieselben wie noch vor einigen Jahren. „Feldmäuse haben wir zum Glück derzeit nicht besonders viele“, sagt Gerhard Förster. Die Bestände erholen sich in zyklischen Abständen, sind derzeit relativ klein. Auch Wildschweinplagen sind auf den Feldern der Genossenschaft nicht mehr so akut wie früher. 

„Wenn die Sonne auf dem Acker steht, herrschen dort teilweise 50 Grad. Das ist auch den Schweinen zu trocken und heiß.“ Und die Suhlen in den Feldern seien ebenso ausgetrocknet wie der restliche Boden, da zögen sich die Tiere eher in den Wald zurück. Statt Schwein und Maus haben es die Landwirte in diesem Jahr eher mit Kohlfliege und Rapserdfloh zu tun gehabt. Das Problem sei ein Verbot bestimmter Pflanzenschutzmittel, ohne dass bisher Alternativen aufgezeigt worden seien. 

Ihn ärgere besonders, dass andere Nachbarländern für das EU-Verbot eine Ausnahmegenehmigung beantragt und auch bekommen hätten. Die Bundesregierung hingegen habe in dieser Hinsicht nichts unternommen – und die Insekten konnten sich hierzulande entsprechend vermehren. „Das hat schon dazu geführt, dass der Rapsanbau in vielen Betrieben aufgegeben wurde oder eingebrochen ist. Wir haben gegenüber 2016 nur noch drei Viertel der damaligen Fläche für Raps genutzt.“

Als einzige sinnvolle Alternative bleibe da nur der Mais. „Der kommt auch etwas besser mit der Trockenheit zurecht.“ Aber generell werden sich die Landwirte in der Region noch stärker Gedanken darüber machen müssen, welche Felder sie überhaupt bestellen wollen, sagt Gerhard Förster. Man werde sich die Standorte in Zukunft ganz genau anschauen und sie neu bewerten müssen. 

Notfalls müsse man wohl auch darüber nachdenken, zunehmend Flächen für Landschafts- und Naturschutz zur Verfügung zu stellen, um zumindest noch Fördermittel zu bekommen. Einfach zu bewässern, das sei jedenfalls kein sinnvolles Mittel. „Für Getreide und Raps ist das wirtschaftlich nicht machbar. Und es kann auch nicht jeder Kartoffeln anbauen, das gibt der Markt nicht her.“

Bleibt also nur das Hoffen aufs nächste Jahr. „Neues Spiel, neues Glück“, sagt der Genossenschafts-Chef und lächelt bitter. Er weiß auch: Es müsste schon von November an nahezu durchregnen, damit die Wasservorräte im Boden wieder stimmen und die Feldpflanzen im kommenden Frühjahr die Trockenphasen besser überstehen. Ob dann noch alle Landwirte in der Region noch wirtschaften, ist eine andere Frage. „Dürrehilfen gibt es dieses Jahr keine“, sagt Gerhard Förster. „Da wird sich bei dem einen oder anderen schon die Frage stellen, wie es weitergeht.“

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