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Ein Stück Nationalpreis ging nach Großschönau

Die Erstunterzeichner des Aufrufs "Aufbruch 89 - Neues Forum" und damit Gründer des Neuen Forum sind am Freitag in Berlin als Vorhut der DDR-Opposition mit dem Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung ausgezeichnet worden.

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Die Erstunterzeichner des Aufrufs "Aufbruch 89 - Neues Forum" und damit Gründer des Neuen Forum sind am Freitag in Berlin als Vorhut der DDR-Opposition mit dem Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung ausgezeichnet worden. Melanie Hempel, Witwe des Großschönauer Pfarrers Alfred Hempel, nahm stellvertretend für ihren Mann am Festakt in Berlin teil. SZ sprach gestern mit ihr.
Frau Hempel, was empfanden Sie, als der Senats-Vorsitzende der Nationalstiftung, Richard Schröder, die Verdienste des Neuen Forums würdigte? Ich musste fast losheulen, als wir nach vorn gingen und man uns so lange und laut Beifall zollte. Ich habe vor allem an meinen Mann gedacht. Er hätte verdient, das noch Erleben zu können.
Ihr Mann gehörte zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs, wussten Sie damals, warum Ihr Mann nach Berlin fährt, waren Sie eingeweiht? Natürlich. Bärbel Bohley hatte zu einer Besprechung nach Berlin eingeladen. Man wollte sich über die aktuelle Situation unterhalten, ein Papier formulieren und beschließen. Mein Mann kam damals begeistert zurück und erzählte, wie bei dem Aufruf um Worte und Sätze gerungen wurde und dass er dann den Vorschlag gemacht hat, die Vereinigung "Neues Forum" zu nennen. Der Name fand sofort Anklang. Ich habe den Aufruf dann gleich unterschrieben.
Sind die Kontakte zwischen den Erstunterzeichnern bestehen geblieben? Nur in wenigen Fällen. Es wurden ja unterschiedliche politischen Wege eingeschlagen. Erst in Verbindung mit dem Nationalpreis hat man wieder voneinander gehört.
Was ist heute noch aktuell am Neuen Forum? Wie wichtig Bürgerbewegungen und -initiativen für eine lebendige, wache Gesellschaft sind. Mein Mann und ich haben immer auf Demokratie von unten gesetzt, weil da breitere Massen erfasst werden. Parteien haben wir eher skeptisch betrachtet. Deswegen ist mein Mann nach der Arbeit für das Neue Forum auch für die Vereinigung Bürger für Großschönau aktiv geworden. Volksbefragungen und -abstimmungen sind auch sehr wichtig.
Was wünschen Sie sich aus der Tradition des Neuen Forums heraus von den Menschen im Landkreis? Sie sollen sich politisch einmischen. Nicht nur meckern, sondern positiv mitgestalten. Politik darf nicht nur auf wenigen, immer gleichen Schultern getragen werden. Das Neue Forum war eine gute Sache, aber wir sind damals überrumpelt worden. Die Idee, für uns alleine rumzugondeln, war schön und gut, aber es ist halt anders gelaufen.
Sie werden in diesem Jahr 75 Jahre alt und sind noch aktiv? In der Kirchgemeinde Großschönau engagiere ich mich noch im Frauen- und im Besuchskreis. Ich versuche zu helfen, wo es notwendig ist. Und bis April habe ich immer montags und dienstags meine drei Enkel versorgt.
Das Gespräch führte Peter Chemnitz.

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