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Ein Stück Stadt urbar gemacht

Renate und Günter Schanjonnek haben sich im Hoyerswerdaer WK I ihren Mietergarten eingerichtet.

Renate und Günter Schanjonnek in ihrem Mietergarten an der Hoyerswerdaer Liselotte-Herrmann-Straße.
Renate und Günter Schanjonnek in ihrem Mietergarten an der Hoyerswerdaer Liselotte-Herrmann-Straße. © Symbolfoto: Mirko Kolodziej

Vorm Gartentürchen hüpft etwas schüchtern eine Taube herum. Dann flattert sie auf den 1,20-Meter-Zaun, schließlich auf den Rasen jenseits davon. Ihr Ziel ist eine flache Wasserschale. Renate und Günter Schanjonnek beobachten von ihrem Balkon aus, was sich da in ihrem Gärtchen abspielt. Sie freuen sich darüber. Beides, sowohl der Balkon als auch der sogenannte Mietergarten, sind relativ neu. Die städtische Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda (WH) hat im vergangenen Jahr zwei Häuser an der Liselotte-Herrmann-Straße im WK I entsprechend ausgestattet.

„Na ja“, sagt Renate Schanjonnek, „wir wollten schon alle einen Balkon.“ Die Sache mit dem Kleinst-Garten sei eben so festgelegt worden. Schanjonneks wohnen seit 17 Jahren im Haus gegenüber dem Jahnstadion. 2017 sind sie innerhalb des Blocks noch einmal umgezogen – von weiter oben in ihre heutige Erdgeschosswohnung. Vor ziemlich genau einem Jahr begannen die Arbeiten an ihrem Haus. Und wie Renate Schanjonnek erzählt, zogen die sich etwas in die Länge. Bis draußen der Wasser- und der Stromanschluss nicht nur verlegt waren, sondern auch funktionierten, habe es gedauert. Mittlerweile aber wachsen Nelken, Studentenblumen und Lavendel.

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Auch ein bisschen Wildes haben Schanjonneks gesät. „Für die Bienen“, sagt die Frau des Hauses. Auf der Balkonbrüstung steht eine kleine Vogelskulptur mit Mini-Wasserbecken. Hier dürfen Insekten gern Wasser „tanken“. Das Ehepaar ist ausgesprochen tierlieb. Am Baum, der nun vor dem Schanjonnek‘schen Gartenzaun steht, sind zwei Nistkästen angebracht – eine Art sozialer Wohnungsbau für Kohlmeisen-Familien. Auch Eichhörnchen springen von Ast zu Ast. In den Tagen, in denen der 2019er Sommer so heiß war, spendete der Baum zudem Schatten. Der Rasen des älteren Nachbarn, der seinen Mietergarten gar nicht nutzt, ist gelb-trocken, während der Schutz durch den Baum wenigstens etwas Grün erhalten hat. Dafür wird es im Herbst wieder mehr mit Laub zu tun geben. Das war schon immer so, nur, dass es nun eben in den Mietergarten fallen wird.

Günter Schanjonnek hat sich für den Mietergarten eigens einen neuen Rasenmäher angeschafft. Er lohnt sich doppelt, denn im Nachbaraufgang wohnt seine 84-jährige Schwiegermutter. Auch sie verfügt nun über einen Mietergarten. Aufmerksamen Passanten fällt auf, dass auf beiden Parzellen Vogelhäuschen stehen, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen. Günter Schanjonnek hat sie gebaut. Es ist nicht so, dass seine Frau und er zu wenig zu tun hätten. Sie haben seit Jahren einen Kleingarten in der Nähe der Jenschwitzbrücke. Und den Zuwachs am Wohnhaus herzurichten, war mühsam. Der aufgeschüttete Boden ist eher von der Qualität „grobkörnig mit vielen Steinchen“ als von der Qualität „gesiebter Humus“. – „Und es kam sehr viel Unkraut“, sagt Renate Schanjonnek.

Doch inzwischen sieht es auf den ungefähr 30 Quadratmetern ausgesprochen gepflegt aus. „Wenn der Garten in Schuss ist, ist er in Schuss. Dann geht es“, erklärt Renate Schanjonnek. Auf der Innenseite der Balkonbrüstung ist eine kleine Haken-Leiste angebracht, an der, ordentlich sortiert, Gartengeräte hängen. Denn nicht einmal ein Mini-Garten pflegt sich eben von alleine. Dafür bleiben immer wieder Passanten stehen und schauen interessiert. Die Gärtchen in der Liselotte-Hermann-Straße werden sehr verschieden genutzt: In manchen überwiegt der Rasen. In anderen wachsen Rosen. In einem dritten liegt Rindenmulch, und der Experte würde wohl von einem Ziergarten sprechen.

Renate Schanjonnek erzählt, dass sie jetzt abends gern auf dem Balkon sitzt und den Blick über den Garten hinweg ins Wohngebiet schweifen lässt. Im Großen und Ganzen ist sie zufrieden. „Man muss sich eben daran gewöhnen, aber es ist schon o.k.“, sagt sie. Eingangs erwähnte Taube hat sich inzwischen ausgiebigst am bereitgestellten Wasser gelabt – und flattert davon.

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