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Weißwasser

Ein Tag der Emotionen in Tränke

Am 10. August wird in dem Ort, der der Kohle weichen musste, gefeiert. Inmitten des Truppenübungsplatzes Oberlausitz.

Beim Tränke-Fest 2016 war kein einziger Platz im Festzelt mehr frei. Wie die einstigen Bewohner sind auch deren Kinder und Enkel an der Geschichte des Ortes, den es nicht mehr gibt, überaus interessiert.
Beim Tränke-Fest 2016 war kein einziger Platz im Festzelt mehr frei. Wie die einstigen Bewohner sind auch deren Kinder und Enkel an der Geschichte des Ortes, den es nicht mehr gibt, überaus interessiert. © Foto: Kommandantur

Oberlausitz. Vor 250 Jahren wurde Tränke erstmals auf einer Landkarte erwähnt. Der Ort entstand um ein Wirtshaus herum. Eben einer sogenannten Tränke an der Straße von Rothenburg nach Bad Muskau. Auf einer aktuellen Karte indes findet man Tränke nicht. Den Ort gibt es lange nicht mehr. Vergessen aber ist er nicht. Zur Erinnerung an die Ortschaft wird am 10. August zum zweiten Mal ein Tränke-Fest gefeiert.

Das einstige Tränke befindet sich inmitten des Truppenübungsplatzes Oberlausitz. Immer wieder gab es in der Kommandantur Nachfragen früherer Bewohner, die sich die Reste des Ortes gern anschauen würden. Daraus entstand die Idee zu dem ersten Tränke-Fest. Statt der erwarteten 150 Besucher meldeten sich 2016 mehr als 500 dafür an. Während eines Forums im Festzelt war es so mucksmäuschenstill, dass man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Auch ging der Tag nicht ohne Tränen ab. „Ich hatte nicht mit so viel Resonanz gerechnet“, gesteht Oberstleutnant René Pierschel und meint damit sowohl die Zahl der Teilnehmer als auch die vielen Rückmeldungen hinterher. „Das war schon sehr emotional“, so der Kommandant des Truppenübungsplatzes. Damit stand fest, dass es 2019 ein zweites Fest geben wird.

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Auch wenn niemand seine Geburtsurkunde zeigen muss, gedacht ist das Fest zuerst für die ehemaligen Bewohner und deren Familien. „Das Interesse bei Kindern und Enkeln an der Geschichte ihrer Vorfahren ist groß“, weiß man in der Kommandantur. In Empfang genommen werden die Besucher zwischen 9 und 10 Uhr am Truppenlager Werdeck an der S 126 zwischen Podrosche und Pechern. 10.15 Uhr werden die Schranken geschlossen und die Besucher mit Fahrzeugen der Lausitz Energie Bergbau AG nach Tränke gebracht. Da der frühere Ort inmitten des Übungsplatzes liegt, darf aus Sicherheitsgründen niemand alleine dorthin. Für Mittagessen ist ebenso gesorgt wie für die Rückfahrt 16.30 Uhr.

Vorbereitet wurde ein dem Anlass angemessenes Programm. Die Leag unterstützt dies unter anderem mit dem Orchester Lausitzer Braunkohle. Ehemalige Einwohner des Orts, die schon weit in den Achtzigern sind, werden eine Unterrichtsstunde halten. Ausdrücklich weist René Pierschel darauf hin, dass man Technikshow oder Ähnliches nicht erwarten darf. Dergleichen gibt es 2020 wieder, wenn sich der Schlagbaum zum Tag der offenen Tür hebt.

Unterstützt wird das Tränke-Fest erneut vom Daubitzer Heimat- und auch dem Karnevalsverein. „Wir sind unmittelbare Nachbarn“, begründet Tilman Havenstein. Seit Jahren stehen Vereine und Kommandantur in engem Kontakt. Auch wegen der historischen Bande. „Nachdem Tränke keine eigene Schule mehr hatte, mussten die Kinder nach Daubitz. Acht Kilometer zu Fuß. Freistellungen gab es nur in der Erntezeit“, erzählt der Chef der Karnevalisten. Er erinnert an 1950, als mit der Aktion „Tränke braucht Licht“ der Ort ans elektrische Netz angeschlossen wurde. Im März 1961 erfuhren die Bewohner dann, dass sie ihre Häuser der Braunkohle wegen verlassen müssen. Ein Jahr später wurden sie ausgesiedelt und der Truppenübungsplatz erweitert. 1963 wurden die ersten Gebäude abgerissen. Kurz zuvor waren in Tränke Außenaufnahmen des Defa-Films „Die Abenteuer des Werner Holt“ entstanden. Der Panzerfahrer aus jenem Film wird ebenfalls beim Tränke-Fest zu Gast sein.

Tränke war ziemlich verfallen. Vor vier Jahren begann die Bundeswehr, das Gelände freizuschneiden. Einstige Gehöfte wurden mit Holzeinzäunungen sichtbar gemacht und, soweit es sich rekonstruieren ließ, die Namen der Bewohner angebracht. Die beiden Häuser, die noch stehen, wurden überdacht, damit sie nicht weiter verfallen. Es gibt Straßenschilder für den früheren Daubitzer Weg und die Rothenburger Straße. Die Bundeswehr hat das Gelände in ihren Pflegeplan aufgenommen und betreibt einigen Aufwand. Außerdem, so Oberstleutnant René Pierschel, ist der Bereich für den Übungsbetrieb gesperrt.

Tränkefest am 10. August ab 10.30 Uhr mit kirchlicher Andacht, Jagdhornbläsern, dem Orchester Lausitzer Braunkohle, mit Vorträgen, Besichtigung und einem Auftritt der Daubitzer Funkengarde.

Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich bis spätestens 15. Juli an die Kommandantur des Truppenübungsplatzes unter Tel. 03576 2133001 oder
[email protected]

Das Haus Frenze in Tränke, in welchem ein Zimmer als Schule genutzt wurde. 
Das Haus Frenze in Tränke, in welchem ein Zimmer als Schule genutzt wurde.  © Foto: privat