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Ein Tennenfest zum Kennenlernen

Annelise Rackow sorgt für Ordnung auf dem früheren Problemgrundstück am Schloss. Dafür sucht sie Mitstreiter.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Sie ist eine Frau, die anpacken kann. Annelise Rackow hat vor zwei Jahren das Gebäude-Ensemble mit Wohnhaus, Ställen und Scheune in Kleinbautzen Am Schloß gekauft. Doch erst im vergangenen Jahr zog der langjährige Mieter dort per Zwangsräumung aus. In diesem einen Jahr hat sich viel verändert. Das möchte die 58-Jährige am Sonnabend den Anwohnern, aber auch allen anderen Interessenten zeigen. Bei einem Tennenfest.

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Bei ihren Aufräumarbeiten hat sie immer wieder auch Sachen gefunden, die noch zu verwenden sind. Sie will diese nun bei einem kleinen Markt anbieten. Ihr Problem ist nämlich, dass für den Fortgang der Renovierung wieder Geld reinkommen muss. Deshalb war sie zum Beispiel mit einem kleinen Bücherstand kürzlich in Purschwitz bei einem Fest vertreten.

Das Wir-Gefühl beleben

„Ich habe zwar ab und zu auch Helfer, auch aus Kleinbautzen und vor allem von der Budissa, aber das müsste eigentlich regelmäßiger passieren“, sagt Annelise Rackow. Deshalb möchte sie einen Verein gründen. Nicht nur, um zu arbeiten, sondern um das Wir-Gefühl im Dorf wieder aufleben zu lassen. Der Verein zur Förderung der Lebensqualität möchte vor allem stressgeplagten Menschen helfen, etwas runterzukommen. „Das kann auf mehrere Arten geschehen, weshalb unser Angebot praktischer Natur ist, auch in Zusammenarbeit mit regionalen Dienstleistern, Wissenden, Heilpraktikern. Theoretische Anweisungen und Informationen gibt es schließlich tonnenweise“, sagt Annelise Rackow. Seminare, Infoabende auch für Menschen, die aus dem Hartz-IV-Kreislauf rauswollen und hier eine Aufgabe übernehmen, will die Vereinschefin organisieren. Aber auch alte Traditionen und Handwerk will der Verein aufleben lassen. Dazu werden Mitstreiter und Interessenten gesucht. Sie will auch Kontakt zu anderen Schweizern im Kreis Bautzen aufnehmen, um mal einen Schweizer Abend zu gestalten.

Die Scheune, also Tenne, hat Annelise Rackow jetzt vollkommen vom alten Dreck beräumt und den Boden gekärchert. Aus Erzählungen älterer Kleinbautzener erfuhr sie, dass dort zu DDR-Zeiten oft der Treffpunkt fürs Dorf war. Im Keller stand eine Tischtennisplatte. „Die gibt es sogar noch, sie ist allerdings nicht mehr nutzbar“, sagt die gebürtige Schweizerin. Deshalb hatte sie die Idee, kleine Spielgeräte anzuschaffen, bei denen sich nicht nur die jungen Besucher ausprobieren können. Leider ist die Idee, dass sich an diesem Sonnabend schon alte Handwerke präsentieren, nicht aufgegangen. Die Planung will sie nun langfristig angehen. So wie überhaupt das ganze Projekt. „Ich kann es ruhig angehen, denn es fühlt sich richtig an“, sagt sie.

Nachdem nun die Tenne beräumt und gesäubert ist, will die Eigentümerin die Freifläche in Angriff nehmen. Sie kann sich vorstellen, dass auf der Fläche auch Interessenten Kleintiere halten oder einen kleinen Garten bewirtschaften. Die ehemaligen Ställe hat sie an den neuen Besitzer des Schloss-Ensembles verkauft. Hier hofft sie auf ein gutes Miteinander. So wie mit allen Nachbarn, die sie gern für ihr Projekt begeistern möchte.

Am Sonnabend gibt es neben einem kleinen Bauernmarkt auch Musik mit einem Wilthener DJ, eine der Feuerjurten aus Buchwalde ist vor Ort. Wer Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten verkaufen will, kann dies tun. „Hauptsache, wir kommen miteinander ins Gespräch.“