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Ein Tor für das Hechtviertel

Zwei große Stoffbahnen markieren den Eingang zum nächsten Hechtfest. Doch ist „ProjekTor“ mehr als nur Gaudi.

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© Jörn Haufe

Von Rafael Barth

Gero Dumrath gehört zu den Leuten im Hechtviertel, die auf der Straße alle fünf Minuten jemanden grüßen. Seit 16 Jahren lebt der Musiker in dem Stadtteil, spielt Schlagzeug bei der Dresdner Reggae-Band Yellow Umbrella und repariert Trommeln. Mit bildender Kunst hatte Dumrath bislang weniger zu tun, „aber ich denke viel in Bildern“. Der Weg vom Bischofsplatz zur Rudolf-Leonhard-Straße markiert seine Einflugschneise. Dafür hat er sich schon länger einen besonderen Eingang gewünscht. Nun wird er ihn bauen.

Den Anlass liefert das Hechtfest, das in einem Monat wieder Tausende Leute in das Viertel locken wird. Es gibt Musik von Rock bis Elektro, Trödelhändler, Straßenfrühstück und das Hunderennen. Hinterhoftreiben und Spiele kommen hinzu. „Viele Programmpunkte wissen wir gar nicht, weil sich die Anwohner spontan entscheiden, was sie machen“, sagt Alexander Bernstein vom Hechtviertel-Verein, der das dreitägige Spektakel Ende August organisiert.

Klare Pläne hat hingegen Gero Dumrath. Er will zwischen den obersten Balkonen der ersten beiden Häuser an der Rudolf-Leonhard-Straße ein Stahlseil spannen und mit zwei Stoffbahnen behängen. Die Absprachen mit Ordnungsamt und Polizei hat der 43-Jährige schon hinter sich. Die Planung für das Projekt hat ein befreundeter Bauingenieur erledigt. Schließlich werden etwa 160 Quadratmeter Stoff über der Straße hängen.

Der oder das „PojekTor“ hat mehrere Funktionen. Bei einer Olympiade können Besucher virtuell miteinander boxen – der Kampf wird auf den Stoff übertragen. Für die witzig gemeinte Casting-Show „Bist du der tolle Hecht?“ dient die Konstruktion als Bühne. Am Abend soll ein futuristischer Film von Star-Wars-Regisseur George Lucas auf den Vorhang projiziert werden. Zum Abschluss will der Künstler Chris Löhmann die Stoffbahnen in ein Bild verwandeln.

Gero Dumrath hofft, dass sich die Besucher des Hechtfestes „ein bisschen auf die Sache einlassen, ohne zu wissen, was rauskommt“. Allerdings gehört „ProjekTor“ für ihn nur zu einem Teil zum Feierprogramm. Er will das Bewusstsein der Dresdner auf die Ecke Bischofsplatz/Rudolf-Leonhard-Straße lenken. Die Brache dort wird zurzeit als öffentlicher Garten genutzt. Eine gute Idee, findet Dumrath, und hofft darauf, dass dort auch künftig „etwas anderes sein könnte als ein neues Haus“.