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Ein Vater kämpft um seinen Sohn

Die Mutter ist erneut bei der Drogentherapie. Dennoch sehen Gericht und Jugendamt das Kind bei ihr besser aufgehoben.

© hübschmann

Von Jürgen Müller

Das Sprichwort „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ kann Lars Paul nicht mehr hören. Er wäre ja so gern Vater für seinen sechsjährigen Sohn Nico. Doch das Jugendamt Meißen und das Amtsgericht verhinderten das, sagt der 26-Jährige. Er kann seinen Sohn nicht sehen. Der ist in Berlin, gemeinsam mit seiner Mutter. Die macht dort eine Drogentherapie. Zum zweiten Male schon, denn sie wurde rückfällig.

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Drei Monate nach der Geburt von Nico trennten sich seine Eltern. Die Mutter hatte das alleinige Sorgerecht beantragt. „Lange Zeit gab es im Umgang mit meinem Sohn keine Probleme. Ich konnte ihn regelmäßig sehen, er war jedes zweite Wochenende bei mir“, sagt Lars Paul. Die Probleme seien losgegangen mit der Drogensucht seiner Ex. Sie habe ihm den Umgang verwehrt. Möglicherweise aus Rache, vermutet er, denn er hatte sie wegen Drogenbesitzes angezeigt. Bei einer Hausdurchsuchung sei bei ihr Rauschgift gefunden worden.

Nach der Therapie habe die junge Frau zunächst wieder Fuß gefasst, doch sie wurde rückfällig, nahm erneut Crystal. Paul wollte seinen Sohn aus diesem Sumpf herausholen. Er beantragte nun das Sorgerecht und das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht. Sein Sohn war inzwischen im Heim, besuchte eine Förderschule in der Region. Noch bevor eine gerichtliche Entscheidung erging, habe das Jugendamt das Kind aus dem Heim geholt und gemeinsam mit der Mutter nach Berlin gebracht. Die macht dort erneut eine Drogentherapie.

Ins Heim statt zum Vater

Lars Paul fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. „Statt mir als leiblichem Vater das Kind in Obhut wegen der Drogensucht der Mutter zu geben, wurde es erst in ein Heim gesteckt, dann nach Berlin gebracht“, sagt der Mediendesigner. Sein Sohn sei aus der gewohnten Umgebung gerissen worden. In Berlin könne er keine adäquate Förderschule besuchen, weil es dort keine gäbe. „Es wird nicht nach dem Kindeswohl entschieden. Mein Sohn wird als Therapieobjekt für die Mutter benutzt“, sagt er.

Nein, wegnehmen wolle er der Mutter das Kind auf keinen Fall. Der Sohn solle aber zumindest so lange bei ihm und seiner neuen Lebensgefährtin wohnen, bis die Mutter wieder zu einem geordneten Leben gefunden habe, sagt er.

Doch in einer Eilentscheidung lehnte das Amtsgericht Meißen es ab, dem Vater das Sorgerecht und das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zu erteilen. Über das Sorgerecht werde im Hauptsacheverfahren entschieden. Für eine einstweilige Anordnung bestehe kein dringendes Bedürfnis, da die Mutter in der Lage sei, die elterliche Sorge für Nico derzeit umfassend und ordnungsgemäß auszuüben, begründet Richterin Ina Dittmann. Auch bestehe keine Notwendigkeit, dem Vater das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zu übertragen, da dies nicht dem Kindeswohl am besten diene. Denn dies habe zur Folge, dass Nico seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort und seine Schuleinrichtung wieder verlassen müsste. Pauls Anwältin Karin Arendt kann sich nur wundern: „Bei der Entscheidung, das Kind nach Berlin zu geben, spielte es keine Rolle, dass der Junge aus seinem gewohnten Umfeld gerissen wurde und die Schule wechseln musste. Da hat das Jugendamt einfach vollendete Tatsachen geschaffen“, so die Rechtsanwältin.

Anwältin: Keine Alternativen geprüft

Lars Paul fühlt sich vom Jugendamt nicht ernst genommen. Es habe mehrere Gespräche zwischen Herrn Paul und dem Amt gegeben, sagt hingegen Kerstin Thöns, die Sprecherin des Landratsamtes. Das Problem sei, dass Herr Paul kein Sorgerecht besitze. Das Gericht habe sich bei seiner Entscheidung von dem sehr guten Verhältnis zwischen Mutter und Kind überzeugt. „Das Jugendamt hat zudem regelmäßigen Kontakt zu Mutter und Kind. Das Amt würde auch den Kontakt des Vaters zum Kind fördern“, so Kerstin Thöns. Aus der Therapieeinrichtung werde eine positive Entwicklung der Mutter, aber auch des Kindes rückgemeldet. Der Vater habe sogar die Möglichkeit, das Kind in Berlin in besuchen. Die Mutter sei nach Berlin gekommen, weil dort ein Therapieplatz frei gewesen sei und sie das Kind mitnehmen konnte. Es gehe auch gar nicht mehr um die Förderschule in Priestewitz, da der Vater inzwischen in Dresden wohne. Genau das kritisiert Anwältin Arendt. „Das Jugendamt hat gar keine Alternativen geprüft, welche Möglichkeiten es gibt, das Kind in seinem sozialen Umfeld zu belassen. Das hätte man alles regeln können. Aber Jugendamt und Gericht sind den Weg des geringsten Widerstandes gegangen“, sagt sie.

Gegen die Eilentscheidung des Gerichtes hat sie Beschwerde eingelegt. Sie hat ihrem Mandanten geraten, den Kontakt zu seinem Jungen auch in Berlin aufrecht zu erhalten, ihn regelmäßig zu besuchen. Der will das auch tun, selbst wenn er resigniert feststellt: „Das ist ein abgekartetes Spiel zwischen Jugendamt und Gericht. Als lediger Vater hast du in Deutschland keine Rechte.“ Sein Anwältin sieht das zwar etwas anders, räumt aber ein: „Es ist nach wie vor die Ausnahme, dass Väter das Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihre Kinder erhalten. Auch wenn das Gerichte und Jugendämter nicht gerne hören, es gibt in dieser Frage noch immer einen Mütter-Bonus“, sagt sie.