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Ein Schritt in Richtung Normalität

Einzelhändler und Baumärkte dürfen seit gestern wieder öffnen. Vereinzelt gab es lange Schlangen.

Lächeln hinterm Mundschutz: Anke Küttner vom Schuhhaus Weser in der Hoyerswerdaer Altstadt öffnete gestern erstmals seit dem 18. März wieder.
Lächeln hinterm Mundschutz: Anke Küttner vom Schuhhaus Weser in der Hoyerswerdaer Altstadt öffnete gestern erstmals seit dem 18. März wieder. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda/Weißwasser. Der Anblick in Lausitz-Center und Treff-8-Center Hoyerswerda hat sich gestern nicht geändert, wohl aber der in der Altstadt. Die Läden haben nach vier Wochen wieder geöffnet. Die Parkplätze am Markt sind gut gefüllt. In den Geschäften klingeln Telefone, wollen Kunden wissen, ob und wann geöffnet ist. Viele Menschen sind mit Mundschutz zu sehen. Anke Küttner, Inhaberin des Schuhhaus Weser, hat ihre zwei Mitarbeiterinnen aus der Kurzarbeit zurückgeholt und hofft natürlich auf Umsatz. In der Neustadt ist das nicht anders. Silvia Jonas von „Blumen & Kunst“ im SWH-Haus hat sich vier Wochen mit einem Bestell- und Liefer-Service über Wasser gehalten. Der Umsatz, sagt sie, brach trotzdem um mindestens 60 Prozent ein. Keine Frage, dass sie über die Möglichkeit, wieder zu öffnen, mehr als froh ist. Hilfe gab es unter anderem von ihrer 90-jährigen Nachbarin, die ihr einen Mund-Nase-Schutz nähte. Nun setzt Silvia Jonas darauf, dass die Nachfrage wieder wachsen möge. In den Baumärkten ist sie offenbar schon vorhanden. Das Bild gestern in Hoyerswerda: Lange Schlangen sind zu sehen. In die Kofferräume der Autos werden unter anderem Gehwegplatten, Baustoffe, Kohlebündel und Gartenbedarf verladen.

Die meisten haben ihre Masken da schon wieder abgesetzt – anders als eine Frau, die vom Busbahnhof am Lausitzer Platz in die Altstadt fahren will. Sie setzt ihren Stoff-Schutz vor dem Einsteigen auf – wie es seit gestern Pflicht ist. Ihre Tochter, sagt sie, habe ihr die Bedeckung genäht.

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Von der Verkehrgesellschaft Hoyerswerda heißt es, fast alle Fahrgäste hätten Masken. Nur wenige würden Schals oder Ähnliches verwenden. VGH-Chef Stefan Löwe sagt, wenn es dauerhaft gut funktioniere, könne man auch die Vordertüren wieder öffnen – und den Kartenverkauf bei den Fahrern wieder zulassen. Diese sind wegen der Verkehrssicherheit von der Maskenpflicht übrigens ausgenommen.

Bei Jeans-Domke in Weißwasser tragen die Mitarbeiterinnen Handschuhe und Mundschutz. Henry Domke befürwortet die Maskenpflicht. „Wenn man auf Freiwilligkeit setzt, tragen einige Masken und andere nicht, das bringt doch gar nichts“, begründet er. Für einen Obolus können Kunden einen Mundschutz erwerben. Nachdem das wichtige Ostergeschäft vollkommen eingebrochen ist, hofft der Inhaber zweier Textilläden in Weißwasser, dass jetzt so etwas wie Normalität eintritt und „vor allem, dass wir nicht wieder schließen müssen“. Das würde dann tatsächlich die Existenz bedrohen. Mit der Rabatt-Aktion von 20 Prozent auf alles vollzieht Jeans-Domke den Neustart. Während der Schließung in den vergangenen vier Wochen habe man „das Geschäft komplett ruhen lassen“. Man habe keinen Online-Shop. In der Kürze der Zeit wäre es nicht machbar gewesen, einen solchen aufzubauen, sagt er.

Schuhwaren Hemmo in Weißwasser hat zwar einen Online-Shop, aber dieser wurde während der Schließzeit weniger genutzt als zuvor. „Leute, die in Kurzarbeit sind, halten ihr Geld zusammen“, vermutet Inhaber Tobias Hemmo. Er freut sich, dass es nun im Laden wieder losgeht. Kurz vor 10 Uhr standen gestern die ersten Kunden vor dem Geschäft. Für ihre Treue bedankte sich Tobias Hemmo mit je einer kleinen Flasche Desinfektionsmittel. Der Händler bezieht dieses über einen Hersteller von Schuhpflegemitteln. Wirtschaften hilft Tobias Hemmo, dass Lieferanten wie auch die Einkaufsvereinigung den Händlern mit den Zahlungsfristen entgegenkommen. „Dadurch haben wir Luft zum Atmen gekriegt“, sagt er dankbar. Selbstverständlich tragen er und seine Mitarbeiterin zur Wiederöffnung Mundschutz.

Tipps zu weiteren für den Einzelhandel geltenden Hygienemaßnahmen geben Mitarbeiter des Ordnungsamtes Weißwasser bei ihrer Tour durch Geschäfte. Nach der ersten Einschätzung gestern verliefen die Kontrollen „größtenteils positiv“. In einigen Läden gebe es allerdings noch Verbesserungspotenzial, hieß es aus dem Rathaus.

Silvia Jonas von „Blumen & Kunst“ in Hoyerswerdas WK II stellte wieder Ware ’raus – und ein Schild.
Silvia Jonas von „Blumen & Kunst“ in Hoyerswerdas WK II stellte wieder Ware ’raus – und ein Schild. © Foto: Mirko Kolodziej
Loreen Lieber und Manuela Klauke freuen sich bei Jeans-Domke in Weißwasser auf ihre Kunden.
Loreen Lieber und Manuela Klauke freuen sich bei Jeans-Domke in Weißwasser auf ihre Kunden. © Foto: Joachim Rehle
Diese Hoyerswerdaerin fährt oft Bus und registriert über die letzten Tage deutlich geringere Nachfrage.
Diese Hoyerswerdaerin fährt oft Bus und registriert über die letzten Tage deutlich geringere Nachfrage. © Foto: Mirko Kolodziej

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