merken
PLUS Zittau

Ein Vorzeigebau im Jugendstil

Vor 90 Jahren wurde die Volksschule Olbersdorf eröffnet. Sie entsprach modernsten pädagogischen Ansprüchen.

Im imposanten Gelb zeigt sich der Jugendstilbau der Olbersdorfer Schule. Das 1924 übergebene Gebäude hatte viele Vorgänger. Bereits 1651 wurde von einem Schulhaus im Niederdorf berichtet. Doch das erwies sich bald zu klein. Weitere Schulen folgten.
Im imposanten Gelb zeigt sich der Jugendstilbau der Olbersdorfer Schule. Das 1924 übergebene Gebäude hatte viele Vorgänger. Bereits 1651 wurde von einem Schulhaus im Niederdorf berichtet. Doch das erwies sich bald zu klein. Weitere Schulen folgten. © tompic

Olbersdorf lockte junge Familien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zittau und sein Gebirge waren nicht weit. Neben der Landwirtschaft gab es etliche wachsende Fabriken, Handwerksfirmen und nicht zuletzt den Braunkohlebergbau. In einem so gut florierenden Dorf lebten auch viele Kinder, in den Schulen im Ober- und Niederdorf wurde es immer enger. Schließlich wurde die Raumnot in Olbersdorfs Schulen so drängend, dass man endlich einen Neubau für alle Kinder, auch für die aus dem damaligen Ortsteil Eichgraben, favorisierte. Damit sollte zugleich den modernsten pädagogischen Forderungen jener Zeit entsprochen werden.

Doch die Finanzierung war kompliziert. Als sie schließlich stand und alle Verträge rechtsgültig waren, schrieb 1927 die Gemeinde einen Ideenwettbewerb für den Schulneubau aus, den Professor Jost gewann. Er wurde auch Oberbauleiter des Projekts. Im September desselben Jahres begann eine rege Bautätigkeit am Hang an der Entlastungsstraße. Knapp zwei Jahre später war die Schule fertig und präsentierte sich weithin sichtbar in strahlendem Gelb. Der moderne viergeschossige Bau wurde im Jugendstil errichtet. Er zeigt klare Formen, besticht durch den mittigen Treppenturm mit Spitzdach und einer weithin sichtbaren Uhr.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Die Einweihung der neuen Schule am 24. August 1929 wurde zum Festtag. Rund 600 Schüler gingen unter Musikbegleitung von ihren bisherigen Schulen zur neuen Zentralschule. In einem feierlichen Akt erfolgte die Schlüsselübergabe von Professor Jost an Bürgermeister Emil Ufer. Olbersdorf könne nun endlich sein Erziehungswesen auf die Höhe der städtischen Schulen stellen, betonte der Bürgermeister.

Anschließend wurden die Ehrengäste durch die Schule geführt. 17 Klassenräume waren eingerichtet, alle mit Kalt- und Warmwasseranschluss sowie einer Verdunklungsvorrichtung. Neu war, dass die Schreibtische für die Lehrer die gleiche Tischhöhe wie die der Schüler hatten. Der Haupteingang befand sich in Höhe des Schulhofes. Im Erdgeschoss dahinter waren Physiksaal, Garderoben, Schulleiter- und Lehrerzimmer zu finden. Darüber im Obergeschoss gab es die meisten Klassenräume. 

Das Dachgeschoss enthielt zwei „Handfertigkeitsräume“: einer für Knaben, die in Holzbearbeitung unterwiesen wurden, der andere für Mädchen mit zwölf Nähmaschinen. Diese Räume nutzte auch die Fortbildungsschule, die hier ebenso wie die Volkshochschule einziehen konnte. Im Untergeschoss waren eine Lehrküche und ein Kino für 150 Personen untergebracht. Das Kellergeschoss darunter beherbergte Brause- und Wannenbäder, Kesselhaus, Waschküche und Hausmeisterwohnung. Ein Säulengang verband das Hauptgebäude mit der Turnhalle. Sie diente auch als Aula, hatte eine Bühne und Galerie. Der neuen Zentralschule widmete die „Zittauer Morgen-Zeitung“ eine Extra-Beilage.

Der Treppenturm läuft unten in einer eleganten Risalitsäule aus, die drei überlebensgroße Figuren zieren und Arbeit, Jugend und Alter darstellen. Zu beiden Seiten des Risalits entstand ein Arkadengang mit Bögen in Schwalbenschwanzoptik.
Der Treppenturm läuft unten in einer eleganten Risalitsäule aus, die drei überlebensgroße Figuren zieren und Arbeit, Jugend und Alter darstellen. Zu beiden Seiten des Risalits entstand ein Arkadengang mit Bögen in Schwalbenschwanzoptik. © Heike Schwalbe

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Schule als Kaserne und Lazarett genutzt, auch Umsiedler wie die Wolhyniendeutschen aus der Nordwest-Ukraine erhielten Quartier. Schließlich zog in den Gebäudekomplex die Sowjetarmee ein. Der Unterricht der Kinder fand in Olbersdorfer Gaststätten und Betrieben statt.

Nachdem die Zentralschule wieder ihrem eigentlichen Zweck zugeführt war, entwickelte sie sich zu einer DDR-bekannten Vorzeigeschule. Die zehnklassige Polytechnische Oberschule wurde 1959 eingeführt. 1961 entstand gegenüber dem Haupteingang ein Polytechnisches Zentrum, ein Hortbau folgte. Faschingsveranstaltungen in der Aula waren im ganzen Südkreis bei Alt und Jung beliebt.

Ab 1992 wurde die Schule Mittelschule. Doch die Schülerzahlen gingen zurück, das Gebäude wurde nicht mehr ausgelastet. So musste die Schule 2006 ihre Pforten schließen. Glücklicherweise wurde für eine künftige Nutzung dieses großen Areals eine Lösung gefunden. Im Oktober 2008 begannen umfassende Sanierungs- und Umbauarbeiten. Tageslicht gelangt nun über Lichtschächte ins Gebäude. Die Zumauerung dreier Bögen der Arkaden, einst zur Wahrung der Stabilität notwendig, konnte entfernt werden. Aus Küche und Speiseraum wurden Fachkabinette, aus dem Kino ein Mehrzweckraum. Ein zusätzliches Treppenhaus und ein Fahrstuhl kamen hinzu.

Die Schule hat mit den Anforderungen der Zeit Schritt gehalten. Das wurde am 2. April 2011 deutlich, als die Schule zur Lernförderung „Friedrich Fröbel“ Olbersdorf, so ihr neuer Name, zu einem Tag der offenen Tür einlud. 

Mehr Lokales unter:

www.sächsische.de/zittau

Mehr zum Thema Zittau