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Wirtschaft

Ein wichtiger Standortvorteil fehlt Sachsen

Der Freistaat hatte für Großröhrsdorf als Standort für die erste Batteriezellen-Forschungsfabrik geworben.  Daraus wurde nichts. Ein Kommentar.

© dpa/SZ

Sachsen kämpft gleich mit zwei Strukturwandelprozessen, dem in der Braunkohleindustrie und dem in der Automobilindustrie. Wobei der Umbau der Autoproduktion hin zu Elektrofahrzeugen vermutlich sogar der gravierende für die Beschäftigungssituation im Freistaat sein dürfte. 

Da wäre die Errichtung einer Forschungsfabrik für eine innovative Batteriezellenfertigung in Großröhrsdorf ein wichtiger Baustein gewesen, auf dem das Autoland und Energieland Sachsen hätte aufbauen können. Denn weder die Verkehrs- noch die Energiewende sind ohne neue Speichertechnologien zu machen. Die Forschungsfabrik stellte die Chance dar, nach der Mikroelektronik ein zweites Highlight-Thema anzusiedeln. Sie hätte eine neue Zulieferindustrie und Gigawattfabriken nach sich ziehen können mit Potenzial für tausende von Arbeitsplätzen. Hinzu kommt: Das Thema Batterien elektrifiziert die Menschen in der Lausitz wie im Erzgebirge. Im vergangenen Jahr warb eine Bürgerinitiative mit einem Taschenlampen-Konzert um die Gigawattfabrik von Tesla.

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Doch den Zuschlag für den Hauptforschungsstandort bekommt nun Münster in Nordrhein-Westfalen. Alle sechs Bewerbungen seien fachlich gleichwertig, betonte die Bundesforschungsministerin. Letztendlich hätten das Recyclingkonzept und der nachhaltige Ansatz für Münster gesprochen.

Auch in Freiberg wird an Recyclingmöglichkeiten von Batterien geforscht. Die Dresdner Fraunhofer-Forscher haben eine hohe Kompetenz bei der Entwicklung von Materialien für Batteriezellen und der Digitalisierung von Industrieprozessen. Dazu kommt noch das große Plus der Mikroelektronik und des Fachkräftepotenzials in der Region. Offenbar sind all diese Stärken immer noch nicht richtig bekannt im politischen Berlin. Auffällig war, dass die Bundesforschungsministerin für fast jeden Mitbewerber eine Art Trostpreis bereit hielt, wie er bei der Umsetzung der Forschungsfabrik eingebunden werden soll. Nur Sachsen erwähnte sie nicht. Eine Lehre müsste also sein, noch selbstbewusster und lauter für die eigenen Fähigkeiten trommeln. Denn das Sachsen als einziges Bundesland in Ostdeutschland aufgefordert wurde, sich zu bewerben, ist schon ein Erfolg.

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Viele Bundesländer buhlten um die ausgelobten 500 Millionen Euro.  In Sachsen gab es schon einen Standort. Doch den Zuschlag bekamen andere.

Dass der sächsische Standort nicht zu den Favoriten gehörte, hat aber sicher auch mit der Unsicherheit über die politische Situation im Land zu tun. Wie viel Rückhalt werden hierzulande künftig Politikmaßnahmen zur Förderung von Elektromobilität, Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch finden? Daran bestehen offenbar Zweifel und die müssen ausgeräumt werden. 

E-Mail an Nora Miethke

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