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Ein willkommenes Stück Normalität

Seit Kurzem ist in einer Riesaer Gartensparte das Wasser wieder angestellt. Von Coronakrise ist dort wenig zu spüren.

Vor der Ernte kommt das Gießen: Michael Lehmann ist in der Riesaer Gartensparte Körnerstraße Wegewart für Weg 4 und 5.
Vor der Ernte kommt das Gießen: Michael Lehmann ist in der Riesaer Gartensparte Körnerstraße Wegewart für Weg 4 und 5. © Sebastian Schultz

Riesa. Endlich können die Kleingärtner auf den fünf Wegen an der Körnerstraße im Riesaer Stadtteil Weida so richtig loslegen. Seit Anfang April ist das Wasser wieder angestellt – und das ist beim Blick in die Gärten auch dringend nötig gewesen. „Wir haben jetzt beste Voraussetzungen für unsere Gartenfreunde“, freut sich auch Andreas Seifert, der Vorsitzende der Kleingartenanlage. „Aber in Corona-Zeiten müssen natürlich auch bei uns die Regeln eingehalten werden.“

Der 60-Jährige, der als Polizeivollzugsbeamter unter anderem für die Schießausbildung in der Anlage bei Heyda zuständig ist, hat schon seit 1991 sein gepflegtes Gärtchen an der Körnerstraße. „Wir haben hier 101 Gärten im Bestand, der Leerstand liegt bei zehn bis 15 Prozent. Tendenz steigend, aktuell gibt es null Nachfragen.“ Schade, denn trotz der Nähe zur vierspurigen B 169 ist es schön ruhig an der Körnerstraße.

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Schlüssel zu vergeben: Andreas Seifert ist Vorsitzender der Gartensparte, wo gut zehn Gärten noch zu haben sind.
Schlüssel zu vergeben: Andreas Seifert ist Vorsitzender der Gartensparte, wo gut zehn Gärten noch zu haben sind. © Sebastian Schultz

Und trotz der staatlichen Vorgaben in der Coronakrise freuen sich alle, das Osterwochenende im Grünen verbringen zu können. Christian Löwe, inzwischen schon 67 und Rentner, pflanzt seit 1986 Gemüse in seiner rund 200 Quadratmeter großen Parzelle an der Körnerstraße an. „Vor allem für Familien mit Kindern ist es doch schön, dass sie jetzt hierher können und mal raus aus den eigenen vier Wänden kommen.“

So wie Familie Pötzsch, die am Eingang zu Weg 2 ihr Domizil hat. Der achtjährige Sohn Nico ist bei bestem Gartenwetter allerdings nicht nur mit Buddeln beschäftigt, sondern mit seinen Schulheften. „Wir wohnen nicht weit weg“, erzählt seine Mutter Martina, die derzeit wie viele andere im Homeoffice arbeitet. „Bei schönem Wetter sind wir oft hier im Grünen. Aber Nico fehlen schon die anderen Kinder zum Spielen.“

Kleine Idylle: Nico und Martina Pötzsch haben ihren Garten österlich geschmückt.
Kleine Idylle: Nico und Martina Pötzsch haben ihren Garten österlich geschmückt. © Sebastian Schultz

Das hofft auch Nico, denn: „Ich möchte auch endlich in die Skaterhalle in Weida.“ Kaum hatten Martina und Ehemann Michael ihrem Sprössling Inline-Skater gekauft, da wurde die Halle wegen Corona dicht gemacht. Langweilig wird dem blonden Jungen trotzdem nicht. „Wir kriegen jede Woche richtig viele Aufgaben von der Schule und haben auch eine App zum Üben“, sagt Nico beim Blick auf seine Schulhefte.

Wenn die Schulen wieder aufmachen, kann er zurück zu seinen Klassenkameraden aus der zweiten Klasse der 4. Grundschule. Bis dahin gibt es jeden Tag mindestens eine E-Mail von der Klassenlehrerin. „Sie kümmert sich schon sehr und fragt an, ob es uns gut geht“, sagt Martina Pötzsch. Doch den Kleingärtnern an der Körnerstraße geht es gut – abgesehen davon, dass Grillpartys mit Freunden über Ostern leider ausfallen müssen.

Die Gartensparte Körnerstraße liegt mitten in Riesa - aber dennoch etwas versteckt oberhalb der B 169.
Die Gartensparte Körnerstraße liegt mitten in Riesa - aber dennoch etwas versteckt oberhalb der B 169. © Sebastian Schultz

„In unserem Bekanntenkreis haben wir noch von keinem Corona-Fall gehört“, erklärt Michael Pötzsch. „Auch nicht bei unseren Freunden im Westen.“ Den 39-Jährigen stört aktuell vor allem, dass die Baumärkte nun wieder zu sind. „Wir brauchen immer mal was von dort für den Garten.“

Kennt überhaupt jemand von den Kleingärtnern an der Körnerstraße einen Corona-Erkrankten im eigenen Umfeld? „Nein“, kommen unisono die Antworten von Andreas Seifert, Christian Löwe und Michael Lehmann. Letzterer ist 56 Jahre alt, Wegewart für die Wege 4 und 5 und bei Feralpi in Riesa immer noch vollauf beschäftigt. Michael Lehmann hat sein Gärtchen am Weg 2 direkt neben Andreas Seifert. „Da steckt schon viel Herzblut drin. Aber der Vorteil ist, dass ich im Supermarkt kein Gemüse aus Spanien kaufen muss. Das ernte ich hier alles selbst. Letztes Jahr hatte ich eine richtige Gurkenschwemme.“

Gut gegärtnert: Christian Löwe musste im vergangenen Jahr keine einzige Kartoffel kaufen.
Gut gegärtnert: Christian Löwe musste im vergangenen Jahr keine einzige Kartoffel kaufen. © Sebastian Schultz

Offenbar gedeiht alles gut in der kleinen Gartenanlage, denn: „2019 habe ich keine einzige Kartoffel kaufen müssen, sondern jetzt noch welche im Keller vom Vorjahr“, erzählt Christian Löwe. „Und genauso ist es mit den Möhren.“ Allerdings betreuen sowohl Löwe als auch Lehmann noch sogenannte Pflegegärten: Die stehen leer, werden aber von den beiden bewirtschaftet, damit es überall ordentlich aussieht.

Auch Tiere und Insekten fühlen sich bei den Kleingärtnern offenbar überaus wohl. „Wir haben hier Eidechsen in den Gärten und auch Ringelnattern. Und ich habe gerade ein paar Löcher für die Holzbienen gebohrt“, sagt Christian Löwe. Dort legen die bis zu 28 Millimeter großen schwarzen Brummer ihre Nistgänge an.

In den Gärten der Sparte gibt es Eidechsen - und sogar Ringelnattern.
In den Gärten der Sparte gibt es Eidechsen - und sogar Ringelnattern. © Sebastian Schultz

Und was sagen die Kleingärtner zur Corona-Lage? „Am Anfang dachte ich, das ist alles etwas übertrieben“, sagt Löwe. „Aber jetzt nicht mehr. Wenn sich die Leute an die Regeln halten, können hoffentlich auch die Schulen bald wieder aufmachen.“ Gartenchef Andreas Seifert: „Die Vorgaben sind gut und wir sollten sie einhalten.“

Auch Michael Lehmann, der bei Feralpi mit Mundschutz und Handschuhen arbeitet, findet die aktuellen Richtlinien gut: „Sie sind richtig, damit Corona eingedämmt wird. Bei uns auf Arbeit gibt es einen Krisenstab, ausreichend Desinfektionsmittel und wir haben beispielsweise auch beim Essen die Tische anders aufgestellt, damit wir die Abstandsregeln einhalten können.“ Und an die wollen sich auch die Kleingärtner an der Körnerstraße halten.

„Hier wissen alle, um was es geht“, sagt Michael Lehmann. Christian Löwes Ehefrau hat derweil zu Hause vorgesorgt. „Sie hat 15 Mundmasken genäht, falls wir doch mal welche brauchen“, erzählt der Rentner. „Aber wir hoffen, dass bald alles langsam wieder anläuft.“ Das hofft auch der Spartenvorsitzende Andreas Seifert, aber: „Ich denke, der April wird noch komplett verstreichen, bis sich alles wieder normalisiert.“

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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