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Einbruchserie in Hotels: Was weiß die Kripo?

Die Diebe gehen gezielt und mit rabiater Gewalt vor. Und sie kommen immer wieder. Am Pfingstwochenende waren sie erneut in Jonsdorf aktiv.

Hotelier und Gastwirt Gert Linke vor dem Kurhaus Jonsdorf. Am Pfingstwochenende wurde es von Einbrechern heimgesucht. Nicht zum ersten Mal.
Hotelier und Gastwirt Gert Linke vor dem Kurhaus Jonsdorf. Am Pfingstwochenende wurde es von Einbrechern heimgesucht. Nicht zum ersten Mal. © Matthias Weber/photoweber.de

Wenn Rudi im Haus gewesen wäre, er hätte Alarm geschlagen. "Aber wir beide waren leider nicht da", sagt Gert Linke und streicht seinem französischen Pyrenäenberghund über den Kopf. "Rudi hätte die Einbrecher garantiert gehört - so rabiat, wie die wieder vorgegangen sind."

Gert Linke sagt: "wieder". Denn der Einbruch in jener Nacht vom Pfingstsonnabend auf Sonntag ist schon der zweite innerhalb weniger Monate im Kurhaus Jonsdorf. Und Linkes Kurhaus ist auch nicht das einzige Hotel im Zittauer Gebirge, das in den letzten Monaten von Einbrechern heimgesucht worden ist.

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Die Jonsdorfer Gondelfahrt, der Oybiner Hof, das Hotel am Berg Oybin oder das Oybiner Hotel Nentsch - es ist eine regelrechte Einbruchserie, die die Hoteliers im Zittauer Gebirge in Atem hält. Und es ist offenbar auch immer wieder dieselbe Masche: Die Einbrecher gehen gezielt und mit rabiater Gewalt vor.

Dabei interessieren sie sich offenbar nicht für Geld und Wertsachen der Hotelgäste, sondern haben es auf Büros, Keller und Wirtschaftsräume abgesehen. Die angerichteten Schäden sind enorm - auch diesmal wieder für Hotelier und Gastwirt Gert Linke: rund 22.000 Euro Diebstahlschaden, mehr als 1.000 Euro Sachschaden.

Täter müssen sich ausgekannt haben

"Die haben sich hier ausgekannt", ist Gert Linke überzeugt. "Die haben ganz gezielt nach Geld gesucht. Und gewusst, wo die Fahrzeugschlüssel sind und der Tresor ganz hinten im letzten Kellerraum." Den Tresor hätten sie aber wie beim letzten Mal auch diesmal trotz Brechstange und Flex nicht knacken können.

Aber im Büro sind sie an die Minigolf-Kasse und die Gelder aus der Kurtaxe gekommen, die über die Beherbergungs-Betriebe kassiert und an die Gemeinde abgeführt werden müssen. "Das waren mehr als 1.000 Euro", sagt Linke. Hätte er sie nur am Abend noch in den Tresor gebracht. Es ärgert ihn. Und was ihn gerade bewegt, sagt er, sei eine Mischung aus Wut und Ratlosigkeit.

Im Büro sind die Einbrecher auch an den Schlüssel für den Ford Transit gekommen, der im Hotelhof geparkt war. Auf gleiche Weise hatten sie beim Einbruch im vergangenen Herbst den VW T5 mitgenommen. "Das ist schon richtig bitter", sagt Gert Linke. Er hatte sich nach dem ersten Diebstahl extra keinen VW-Bus mehr gekauft, sondern einen Ford Transit. "Ich dachte, diese Marke wäre nicht so lukrativ. Falsch gedacht."

Polizei ist einer organisierten Bande auf der Spur

Gert Linke sitzt an einem der Tische auf der Terrasse und senkt den Kopf. Es ist so ein Tag, an dem er ans Aufhören denkt. Er ist jetzt 68. Und manchmal fragt er sich, wie lange er so etwas noch mitmachen will. Als ob es mit den Corona-Maßnahmen nicht schon genug Ärger für ihn als Hotelier und Gastwirt gäbe.

Die Polizei geht von organisierter Bandenkriminalität aus und ist den Einbrechern auch schon länger auf den Fersen, wie die SZ bereits berichtet hat. An dem Fall arbeiten bereits seit Längerem Kollegen des Bandenkommissariats bei der Görlitzer Polizeidirektion, Ermittler der Soko Argus, die sich speziell mit Fällen der grenzüberschreitenden Kriminalität beschäftigen, und Kollegen aus Tschechien zusammen.

Die Spuren führen nach Tschechien. Drei Verdächtige einer mehrköpfigen Bande sind bereits ermittelt, bestätigt einer der Kriminalisten, die an dem Fall arbeiten. Neben den Einbrüchen im Zittauer Gebirge können den Tätern auch Einbrüche in Hotels und Gaststätten in Bad Schandau und sogar in anderen Bundesländern zugeordnet werden.

Die Einbrecher würden demnach fast immer um die gleiche Uhrzeit zuschlagen, frühmorgens zwischen 4 und 5 Uhr. Sie würden meistens Mietfahrzeuge benutzen und mieten sich sogar in den Hotels ein, um von dort aus zu agieren. Oft, wie auch in einem Fall in der Jonsdorfer "Gondelfahrt", lassen sie sich abends im Hotel einschließen. Seit Jahren sei die Bande auf diese Weise schon aktiv. Seit einem Einbruch im Oybiner Hotel Nentsch Anfang Februar, bei dem sie ihr Tatfahrzeug zurücklassen mussten, hat die Polizei Beweismittel und Fingerabdrücke.

Die Ermittler sind dabei, die Beweise für die Anklageschriften gerichtsfest zusammenzustellen. Ob der jüngste Einbruch am Pfingstwochenende ebenfalls auf das Konto der Bande geht, ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen. 

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