merken

Einbruchserie schockt Einwohner

Zuerst Krauschwitz, jetzt Rothenburg. Die Polizei setzt auf verstärkte Kontrollen, die Bürger auf Eigeninitiative.

© André Schulze

Von Thomas Staudt und Katja Schlenker

Anzeige
Das haben die Filmnächte zu bieten

Deutschlands größtes Freilicht-Kino ist zurück! In der 29. Saison finden vor der schönen Kulisse Dresdens zahlreiche Veranstaltungen für Jung und Alt statt. 

Es reicht. Kaum eine ruhige Minute haben die Camper am Waldsee noch im Winter. Seit September sind die Bungalows des Vereins Freizeit und Erholung in Biehain viermal von Dieben heimgesucht worden. Jedes Mal werden mehrere der Gebäude aufgebrochen und deren Zimmer durchwühlt. „Wir machen uns Sorgen wegen des Vandalismus und der Brutalität, mit der vorgegangen wird“, sagt Thomas Krüger. Sein Bungalow ist in der Silvesternacht dran gewesen.

„Die Leute haben die Schnauze voll“, bringt er auf den Punkt, was viele denken. Denn zum einen nehmen die Camper mittlerweile schon alle wertvollen Gegenstände mit, wenn sie nicht am Waldsee sind. Zum anderen bleiben die Bungalowbesitzer oft auf den Kosten für die aufgebrochene Tür oder die zerstörten Fenster sitzen. „Nach unserem Empfinden hat die Polizei resigniert“, sagt Thomas Krüger. Mit dem Vorsitzenden des Vereins, Jürgen Janietz, hat er abgesprochen, dass er sich mit dem Problem an die Sächsische Zeitung wendet.

Denn der Vorstand des Vereins hat jüngst einmal nachgehakt wegen der Ermittlungen zu den Einbrüchen. Das Ergebnis ist frustrierend. Zwar sind die Namen der Einbrecher bekannt, doch im Gefängnis sitzen diese dennoch nicht. Mittlerweile fragen sich die Vereinsmitglieder auch, ob jemand versucht, sie vom Waldsee zu vertreiben. Eben weil fast immer zerstört, aber fast nie etwas gestohlen wird.

Auch Rothenburg und Krauschwitz sind derzeit von einer Welle von Einbrüchen und Diebstählen betroffen. Seit dem 1. November 2014 hat die Polizeidirektion Görlitz in Rothenburg und den Ortschaften drumherum 34 Diebstahlshandlungen registriert, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar André Schäfer. Diese sind zum Teil im Versuch steckengeblieben. In Krauschwitz sind fünf Fälle bekannt. Zum Beispiel ist Barbara Pellart aus Klein Priebus das Auto gestohlen worden. Die Täter schließen den weißen Alfa Romeo Giulietta einfach kurz und brausen damit davon. Die Tat hat Barbara Pellart zutiefst verunsichert, auch weil sie kein Einzelfall ist.

Die Liste des Diebesguts ist dabei weit gestreut. Autos, Fahrräder, Werkzeuge, Buntmetallschrott oder Gartengeräte sind darunter. „Die fünf Taten in Krauschwitz fügen sich in die Liste der Diebstähle in Rothenburg ein“, erklärt André Schäfer. „Sollten dieselben Täter oder Gruppen dafür verantwortlich sein, waren sie offenbar zeitgleich in beiden Orten aktiv.“ Die Polizei reagiert nach Situation. Je nachdem, ob es Hinweise auf konkrete Täter oder Gruppen gibt – oder eben noch nicht. Folglich liegt der Schwerpunkt auf den Ermittlungen oder dem verstärkten Streife-Fahren und zusätzlichen Kontrollen. „Gibt es Hinweise, dass die Täter auf der anderen Seite der Grenze aktiv sind oder sich dort aufhalten, werden auch die polnischen Polizeibehörden eingebunden“, sagt André Schäfer.

Konkrete Maßnahmen möchte er nicht aufzählen, um den Erfolg der Ermittlungen nicht zu gefährden. Jedoch nennt er ein positives Beispiel, bei dem die Maßnahmen gewirkt haben. Am 14. Januar sind in den frühen Morgenstunden in Uhsmannsdorf zwei mutmaßliche Autodiebe auf frischer Tat ertappt worden. Ein Anwohner war in dieser Nacht gegen 2.30 Uhr von Geräuschen geweckt worden. Als er nach draußen schaute, sah der 30-Jährige zwei Personen weglaufen. Diese hatten offensichtlich versucht, seinen vor dem Haus parkenden Opel Corsa zu stehlen. Weil der Mann sofort die Polizei informierte, konnten die Beamten einen 18 und einen 24 Jahre alten Mann vorläufig festnehmen. Nun gilt es zu ermitteln, ob die Täter auch für andere Taten in der Region verantwortlich sind.

Zum Vergleich: In Deutschland sind 2013 immerhin 37 427 Fahrzeuge gestohlen worden. Das Internetportal preisvergleich.de rechnet auch nicht erfolgreich verlaufene Versuche mit ein. 264 Millionen Euro sind laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft an Versicherungssummen ausgezahlt worden. Vor allem teure Autos der Marken VW, Audi, BMW und Mercedes werden gerne geklaut. Mit 1 641 Fällen landet der Freistaat Sachsen auf dem fünften Platz bei den Versicherern. Rund ein Fünftel davon liegt im Gebiet der Polizeidirektion Görlitz. Die Nähe zur Grenze stellt rein statistisch gesehen keinen Schwerpunkt dar. Aber auch die Erfolge bei der Tätersuche nehmen zu. 2013 sind in Ostsachsen dank der Fahndungsgruppen 148 gestohlene Autos sichergestellt worden. Die Beamten der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf haben siebzig Autodiebe festgenommen.

Außerdem kündigt Sprecher Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz an, dass nächste Woche gemeinsam mit den Kollegen der Polizeidirektion Süd aus Brandenburg sowie den Kommandanturen der polnischen Polizei aus Gorzow und Wroclaw eine grenzüberschreitende Übung durchgeführt wird. Dies sei wichtig, da Straftäter sich nicht an Grenzen oder polizeiliche Zuständigkeitsbereiche halten, erklärt Thomas Knaup.

Auch die Einwohner versuchen, die Polizei zu unterstützen. So hat sich vorige Woche eine Gruppe „Gegen Diebstahl und Einbrüche in Rothenburg und Umgebung“ gegründet. Beim sozialen Netzwerk Facebook sind mittlerweile 1 120 Mitglieder dabei. Zwei junge Männer aus der Stadt organisieren die Gruppe. Diese will für Ruhe sorgen, damit diese Kriminalität in Rothenburg und Umgebung aufhört, wie sie auf der Internetseite der Stadt Rothenburg schreiben. Persönlich sind sie bisher nicht für die Sächsische Zeitung zu sprechen gewesen. Damit sie ihr Ziel erreichen, wird vermehrt in den Abend- und Nachtstunden Streife gefahren.

Alles, was verdächtig aussieht, wird der Polizei gemeldet. „Unser oberstes Gebot ist die hundertprozentige Gewaltfreiheit“, schreiben die Organisatoren. „Es werden keine Waffen und Ähnliches eingesetzt und keine Personen verletzt.“ Außerdem appellieren die Mitglieder der Gruppe an die Einwohner, ebenfalls die Augen und Ohren offen zu halten und gegebenenfalls die Polizei zu informieren.

Am 14. Januar hat es bereits eine erste Informationsveranstaltung in Rothenburg gegeben. Etwa achtzig Interessierte sind dabei gewesen. Für Ende Februar ist eine weitere Veranstaltung geplant. Dabei können die Einwohner mit den Beamten von Landes- und Bundespolizei, den Experten der Hochschule der Sächsischen Polizei sowie Vertretern der Justiz ins Gespräch kommen. Ein Sicherheitsstammtisch soll sich in Rothenburg etablieren.

Eine weitere Maßnahme soll Diebe abschrecken. Vorerst leuchten die Straßenlaternen in der Stadt und den Orten rund um Rothenburg die ganze Nacht hindurch, erklärt Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD). „Um das Sicherheitsgefühl, welches ins Wanken geraten ist, wieder zu stärken“, sagt die Stadtchefin. Die Lampen sollen zunächst für vier bis sechs Wochen die Dunkelheit erleuchten.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.