merken
PLUS

Einbrüche beunruhigen Kleingärtner

Die Schönau-Berzdorfer erleben eine Diebstahlsserie. In Ostritz gibt der erste Parzellen-Besitzer nun auf.

© Bernd Gärtner

Von Steffen Gerhardt und Thomas Christmann

Seit über 50 Jahren besteht die Kleingartenanlage am Hutberg in Schönau-Berzdorf. Die jüngste Diebstahlsserie ist einmalig. Zu den Betroffenen zählt Ronald Sturmann. Seine Parzelle grenzt an den Außenzaun zum Hutberg. „Bei mir haben sie den Maschendrahtzaun aufgeschnitten und durch das Loch auch das Diebesgut weggeschafft“, erzählt der Familienvater. Weg kamen unter anderem Fernseher, Rasenmäher, Wasserpumpe und Elektrowerkzeuge. Für ihn und seine Familie ist das bereits der dritte Einbruch. Allein elf Lauben hebelten die Diebe in der Nacht zum 16. Juli auf. Die Polizei beziffert den Gesamtschaden auf rund 3 000 Euro.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Aber nun aus dem Holzhaus eine Festung machen? Polizei und Versicherung empfehlen, mit „einbruchshemmenden Mitteln“ die Laube sicherer zu machen. „Damit wird es für den Täter schwerer und unattraktiver einen Einbruch zu verüben“, sagt Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz. Je länger der Dieb braucht, desto eher kann er erwischt werden. „Dennoch sollte jeder Aufwand und Nutzen abschätzen“, so der Sprecher. Das sagen sich auch die Gartenbesitzer vom Hutberg. Für den Vorsitzenden Andreas Kroker sind die Türen und Fenster die Angriffspunkte. Da viele Lauben noch den Standard aus DDR-Zeiten haben, ist es mit einer mehrfachen Verriegelung allein nicht getan. Da müssten Türen und Zargen ausgetauscht und Fenster nach heutigem Sicherheitsstandard eingebaut werden.

Nur wer will dafür schon viel Geld ausgeben? Diese Frage stellen sich auch Ursula und Siegmar Bunzel. Die Rentner haben seit 1966 einen Garten und blieben von Einbrüchen bisher verschont. Dass Diebe nun elf Lauben heimgesucht haben, beunruhigt zwar das Paar, bauliche Veränderungen werden sie an ihrem Häuschen nicht vornehmen. „Am besten, man lässt die Hütte offen, da passiert kein Schaden an ihr“, sagt der Mann. Das zeigen die Einbrüche. Dass aber eine Gebäudesicherung etwas bringt, sehen die Mitglieder an ihrem Vereinsheim. Als das noch eine Gaststätte gewesen ist, brachen öfter Unbekannte dort ein. Schließlich verlangte die Versicherung vergitterte Fenster – und der Verein musste handeln. „Wir haben Metallgitter anfertigen und einbauen lassen, für damals rund 6 000 D-Mark“, sagt Vorstandsmitglied Siegmar Bunzel. „Seitdem ist Ruhe.“

Hin und wieder brechen Diebe auch in die Parzellen des Ostritzer Kleingärtnerver-eins „Freundschaft“ ein. Rasenmäher, Gartenschere und vor allem Verlängerungskabel sind dadurch schon weggekommen. Der Schaden an den Lauben sei mitunter teurer als das Gestohlene, berichtet der Vorsitzende Klaus-Peter Pfalz, der selbst schon betroffen gewesen ist. Die Polizei hat die Kleingärtner sogar vor Ort zum Thema Sicherheit beraten, beispielsweise auf die draußen an den Wänden hängenden Satelliten-Spiegel hingewiesen. Diese lassen nämlich Rückschlüsse darauf zu, dass möglicherweise im Haus elektrische Geräte zu holen sind. Zumindest nehmen die Kleingärtner ihre Werkzeuge und Gartengeräte nun mit nach Hause. Eine Anzeige zu erstatten bringe nichts, sagt Pfalz. Wichtiger sei es, die Gesetzeslage zu ändern. Sein Vorschlag: Diebe sollten den angerichteten Schaden abarbeiten. „Laufen lassen ist keine Alternative“, so der Vereinschef.

Genug von der Kriminalität hat Dirk Neumann. Er ist Mitbegründer der Initiative „Sicheres Ostritz“, deren Mitglieder jeden Abend an der Grenzbrücke wachen. Der 37-jährige gehört aber auch zu den drei verbliebenen Parzellen-Besitzern am Blumenberger Weg, der bei der Neiße liegt. Gaben dort einige Kleingärtner durch das Hochwasser 2010 auf, liegt der Grund bei ihm in den Einbrüchen. Vor drei Jahren begannen sie. Anfangs verbrachte Neumann mit seiner Frau und den zwei Kindern die Wochenenden in der Laube. Das ist vorbei, seit Unbekannte versuchten einzubrechen, während sie schliefen. Über 20 Fälle zählt der Familienvater inzwischen, allein sechs in den vergangenen vier Wochen. Fernseher, Receiver, Kabel, Schlauchboot, Schubkarre, Springbrunnenpumpe – alles haben die Täter mitgenommen. Seit gestern fehlt der fast 15 Kubikmeter Wasser fassende Pool. Seinen zuletzt auf den Zaun angebrachten Stacheldraht durchschnitten die Diebe, die Alarmanlage setzten sie jedes Mal außer Gefecht. Diese sei zu hören gewesen, nur niemand auf die Idee gekommen, die Polizei zu rufen, berichtet Neumann. „Aber alle heulen rum“, sagt er aufgrund der nahezu täglichen Diebstähle in der Stadt. Auch seine Gartennachbarn sind von den Einbrüchen betroffen gewesen, wo Geschirr und Werkzeug wegkamen. Bei einem verrichteten die Täter sogar ihre Notdurft. „Es gibt nichts mehr zu klauen“, so der Ostritzer. Hinter den Unbekannten stecken für ihn Polen, denn der Ostritzer hat Trampelpfade auf beiden Seiten der Neiße entdeckt – und eine liegen gebliebene Gartenspritze.

Neumann hat nun keine Lust mehr, in die Laube zu investieren. Nach fünf Jahren zieht er in die Anlage „Freundschaft“ um. Dort soll die Polizei ab und zu Streife fahren, immer jemand da sein. Ganz aufgeben will die Familie das Kleingärtnerleben nicht, die an der viel befahrenen Bundesstraße 99 wohnt. Es sei ein Fleck, an dem man mal Ruhe habe, so der 37-Jährige.