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Eine Berliner Mauer für Pesterwitz

Was die Gegner der Neuen Kohlsdorfer Straße in Pesterwitz befürchteten, ist jetzt eingetreten: Das Regierungspräsidium gibt grünes Licht für den Bau der Piste, die laut Bürgerinitiative den Autobahnzubringerverkehr in den kleinen Ort hineinziehen wird. Zur Entlastung wird eine Lärmschutzwand geplant, die aber keineswegs auf Begeisterung stößt.

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Von Domokos Szabó

„Das ist absolut völlig daneben.“ Freitals Oberbürgermeister Klaus Mättig (CDU) will seine Enttäuschung nicht verhehlen. Soeben hat das Regierungspräsidium Dresden(RP) grünes Licht für den Bau der Neuen Kohlsdorfer Straße gegeben. Für den Bau einer Piste, die – so jedenfalls die Befürchtung der Pesterwitzer – den Autobahnzubringerverkehr in den kleinen Ort hineinziehen wird.

Geplant ist eine Verbindung laut der so genannten und bereits einmal verworfenen Variante 4.2 zwischen der B 173 in Gompitz und dem Freitaler Ortsteil Pesterwitz. Autos, die aus Richtung Gompitz kommen, sollen Pesterwitz in Höhe des Sportplatzes erreichen, wo ein Kreisverkehr vorgesehen ist. Genau dort beginnen nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft Neue Kohlsdorfer Straße die Probleme. Denn wo soll der ganze Verkehr – immerhin bis zu 3 000 Autos täglich – hin? Das Straßennetz von Pesterwitz sei jedenfalls nicht fit genug, um ihn aufzunehmen. „Das ist mit Freital nicht zu machen“, wettert Mättig, der den Bau der neuen Straße für überflüssig hält. Stattdessen hätte der Ausbau der Straßen „Am Hang“ und der Altfrankener Dorfstraße ausgereicht.

OB Mättig kündigt massiven Protest an

Forciert wird die neue Straße von der Landeshauptstadt Dresden, gegen die Mättig seit langem Vorwürfe erhebt: Dresden versuche, mit der neuen Straße Altfranken zu schützen, indem der Verkehr nach Pesterwitz geleitet wird. In Pesterwitz selbst munkelt man sogar von einer Rache Dresdens, weil der 3 500-Seelen-Ort sich nicht in die Landeshauptstadt, sondern nach Freital eingemeinden ließ.

RP-Sprecher Holm Felber beteiligt sich an solchen Spekulationen nicht. Nach seinen Worten wurde mit der Variante 4.2 die günstigste Lösung gefunden. „Denn sie sichert auf längere Sicht eine optimale Verkehrsverteilung“, betont er. Zudem habe das RP zum Schutz der Anwohner vor Lärm und Gestank Auflagen erteilt. Zum einen wurde Dresden beauftragt, bereits in Gompitz per Wegweisertafeln auf die Tonnagebegrenzung in Pesterwitz hinzuweisen. Damit sollen die Fahrer von Lastern über zwölf Tonnen abgeschreckt werden. Zum anderen sei eine drei Meter hohe Lärmschutzwand vorgesehen. Die nennt Peter Rösler von der AG Neue Kohlsdorfer Straße einfach „Berliner Mauer“. „Die Anwohner wollten Natur, bekommen stattdessen die Aussicht zugebaut“, stellt er zornig fest. Und weiter: „Warum wird diese Straße unmittelbar an der Ortsgrenze entlanggeführt?“, fragt Rösler. Eine Frage, auf die bislang weder er noch Mättig und die über 500 weiteren bekennenden Gegner der Neuen Kohlsdorfer Straße eine Antwort bekommen haben. Dresden schweigt sich aus – Freital protestiert. OB Mättig: „Wir werden massiv in Widerspruch gehen gegen diese geldverschwenderische Variante.“KOMMENTAR

Der so genannte Planfeststellungsbeschluss soll laut RP noch im August im Freitaler Rathaus ausgelegt werden.