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Eine Bürgerinitiative wirft das Handtuch

Dresden. Der Kampf ist vorbei um den Erhalt derGaststätte „Bergwirtschaft“ in Trachau.

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Von Vera Kliemann

Siegfried Kaiser wohnt nur wenige Schritte vom ehemaligen Restaurant „Bergwirtschaft“ entfernt. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt des früher beliebten Etablissements einsetzt. „Wer an der Großenhainer Straße 243 vorbeikommt, sieht nur noch die Ruine. All unsere Bemühungen, den Verfall der ,Bergwirtschaft‘ und von 1700 weiteren Immobilien in Dresden aufzuhalten, müssen wir als gescheitert ansehen. Dagegen anzugehen, erwies sich als aussichtslos“, sagt Kaiser. Die Bürgerinitiative habe sich deshalb aufgelöst.

Gebäude verfällt weiter

Im Hausflur des Wohnhauses von Siegfried Kaiser hängt eine Art Todesannonce der Bürgerinitiative. „In den drei Jahren, in denen unsere Initiative mit ihren sieben Mitgliedern tätig war, gab es etwa 100 Aktionen zum Erhalt der ,Bergwirtschaft‘ und anderer Immobilien“, sagt Wolfram Eberhardt. Es wurden Briefe geschrieben, Faltblätter verteilt und Plakate ausgehangen. Es gab Treffs mit Politikern und Demonstrationen im Wohngebiet.

„Wenigstens diese Aktionen wollen wir in einer Dokumentation festhalten“, so Eberhardt.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind deshalb so enttäuscht, weil ihre jahrelangen Bemühungen bei den Behörden auf taube Ohren stießen. „Wenn sich der Oberbürgermeister nur einmal dazu bekannt hätte, dass die Besitzer solcher Immobilien wie der ,Bergwirtschaft‘ für den äußeren Erhalt ihres Eigentums sorgen müssen, das wäre ein Signal gewesen“, sagt Siegfried Kaiser.

Nachdem das Grundstück an der Großenhainer Straße an eine Erbengemeinschaft rückübertragen wurde, interessierte sich Rolf Sauer als Investor für das Gelände. Er wolle mehrere Millionen Euro in eine neue „Bergwirtschaft“ an dieser Stelle investieren, sagte er. Ein Hotel mit 92 Betten und zwei Restaurants sollen entstehen.

Abriss wird vorbereitet

Peter Trinkl ist der unmittelbare Nachbar an der Großenhainer Straße. „Die Pläne für das Areal der ,Bergwirtschaft‘ liegen im Rathaus Pieschen aus“, sagt er. „Aus nächster Nähe erlebe ich aber den Verfall des Gebäudes. Als von der Stadt eine Auflage erteilt wurde, wenigstens die Fenster zu verschließen, kam der Eigentümer dem nicht nach. Von Seiten der Stadt ist dann nichts weiter passiert. Ich kann die Haltung der Stadt nicht verstehen.“

Die Leiterin des städtischen Bauaufsichtsamtes, Ursula Beckmann, sagte: „Wichtig für uns ist, dass ein Bauzaun um das Grundstück gezogen wurde. Damit können Unbefugte nicht hinein. Von Seiten der Stadt wurde alles Notwendige getan, damit es an der ,Bergwirtschaft‘ weitergehen kann. Abriss- und Baugenehmigung sind erteilt. Jetzt ist der Investor am Zuge.“

Rolf Sauer teilte auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung mit: „Der Kaufvertrag ist unterschrieben. Wir bereiten jetzt alles zum Abriss des alten Gebäudes vor, damit anschließend hier so schnell wie möglich neu gebaut werden kann.“