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Riesa

„Eine Entschädigung pro Einsatz ist kontraproduktiv“

Riesas Stadtwehrleiter begrüßt den geplanten Bau zweier neuer Feuerwehrgebäude – lehnt eine andere Idee aber ab.

Hauptbrandmeister Robert Gudat ist seit Anfang des Jahres Stadtwehrleiter in Riesa. Der 32-Jährige ist gelernter Verwaltungsfachangestellter. Hier steht er in der Fahrzeughalle in der Hauptstelle Gröba.
Hauptbrandmeister Robert Gudat ist seit Anfang des Jahres Stadtwehrleiter in Riesa. Der 32-Jährige ist gelernter Verwaltungsfachangestellter. Hier steht er in der Fahrzeughalle in der Hauptstelle Gröba. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Die Personaldecke bei Riesas Feuerwehr ist dünn: Vergangenes Jahr sank die Zahl der Einsatzkräfte auf 104. Deshalb hatte der Stadtrat einen Maßnahmenkatalog beschlossen. Er sieht den Bau einer neuen Wache, drei neue Stellen für die Berufsfeuerwehr und etliches mehr vor. Die SZ sprach mit Stadtwehrleiter Robert Gudat.

Herr Gudat, stimmt Sie der jüngst im Stadtrat beschlossene Maßnahmenkatalog Feuerwehr eigentlich wehmütig?

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Nein. Warum?

Zwei traditionsreiche Standorte, die Sie gut kennen, sollen geschlossen werden: das Gerätehaus an der Pausitzer Straße, wo sie acht Jahre lang Stadtteilwehrleiter waren, und die Hauptstelle in Gröba, wo Sie jetzt Ihr Büro bezogen haben.

Bei der Pausitzer Straße ist schon etwas Wehmut dabei. Aber leider ist an diesem Standort kein zeitgemäßer Ausbau aufgrund der Platzprobleme mit dem Nachbarn möglich. Da ist nichts zu machen.

Warum müsste ein saniertes Feuerwehrgebäude denn größer werden?

Aufgrund der heutigen DIN- und Unfallverhütungsvorschriften haben sich einige Sachen grundlegend geändert. Dies betrifft beispielsweise die zu geringe Hallenhöhe, die zu kleinen Stellplätze sowie zu schmale Einfahrten. Das alles passt nicht auf das Grundstück an der Pausitzer Straße.

Und wie groß ist die Wehmut bei der Hauptstelle in Gröba?

Die hält sich bei mir in Grenzen. Aus meiner Sicht ist aus der derzeitigen Hauptwache nur unter erschwerten Bedingungen ein „richtiges“ Gerätehaus zu formen. Allein schon deshalb, weil wir hier nur zwei Ausfahrtstore haben. Sie sehen ja, wie viele Fahrzeuge wir drin stehen haben – das haut hinten und vorn nicht hin. Ganz abgesehen von den viel zu kleinen Werkstätten.

Die Planungen für den neuen Standort an der Klötzerstraße sehen neun Stellflächen vor. Bekommt der Neubau dann auch neun Tore?

Wenn es tatsächlich neun Stellplätze werden, brauchen wir auch neun Tore. Die Zahl steht aber noch nicht endgültig fest.

Was spricht aus Ihrer Sicht für den neuen Standort, die Wiese an der Klötzerstraße neben dem Obdachlosenheim?

Die Stelle ist aus Sicht des Erreichungsgrads gut geeignet: Laut Brandschutzbedarfsplan erreichen wir von der Pausitzer Straße aus 89 Prozent der Stadtfläche in angemessener Zeit, von der Klötzerstraße wären es 88 Prozent. Das eine Prozent weniger ist vertretbar. Von der Anbindung sind wir dort sogar zentraler gelegen. Und wir hätten Platz für zwei neue Gebäude und eine Fahrzeughalle – und könnten im Gegenzug zwei sehr sanierungsbedürftige Altgebäude abstoßen.

Moment: Sagten Sie da gerade zwei neue Gebäude?

Ja! Das werden zwei neue Sozialgebäude mit einem Fahrzeugtrakt in der Mitte. Ein Gebäude für die freiwilligen Kameraden, das andere für die hauptamtlichen Kräfte.

Ich dachte, es gibt einen Vorteil, wenn man beide Wehren in einem Gebäude zusammen legt ...

Nein. Im Gegenteil! Die hauptamtlichen Kameraden haben einen komplett anderen Tagesablauf. Wenn die früh arbeiten müssen, wollen sie abends um zehn schlafen. Wenn die ehrenamtlichen Kameraden hingegen ihre Ausbildung in den Abendstunden absolvieren und danach beim gemütlichen Beisammensein den Dienst auswerten, bringt das bloß Unmut. Die Sozialbereiche müssen strikt getrennt sein.

Wie bewerten denn die freiwilligen Kameraden selbst den angedachten Umzug? Für den einen oder anderen dürfte der Weg zum Gerätehaus wohl länger werden.

Zu mir ist noch keiner gekommen, der sagte: Ich werfe das Handtuch, wenn dort neu gebaut wird. Die Entfernung zwischen derzeitiger und zukünftiger Wache hält sich schließlich in Grenzen. Sicherlich müssen sich einige Kameraden, die derzeit das Gerätehaus zum Einsatz fußläufig erreichen, umstellen, doch so ergeht es bereits vielen Einsatzkräften. Wir haben auch überhaupt keine anderen geeigneten Grundstücke.

Was sagen die Kameraden grundsätzlich zum Plan eines Neubaus?

Der Grundtenor ist überwiegend positiv. Die Sanierung bzw. der jetzt geplante Neubau ist natürlich überfällig: Endlich bekommen wir ein Gerätehaus, das dem 21. Jahrhundert entspricht! Im jetzigen Haus an der Pausitzer Straße bröckelt es überall, die Sanitärtechnik ist eine Katastrophe. Da macht der Dienst irgendwann gar keinen Spaß mehr. Der Neubau ist auch in der Außenwirkung, in der Werbung um Nachwuchs, ein entscheidender Faktor.

Die Stärkung der Attraktivität des Feuerwehr-Dienstes ist ohnehin ein Hauptpunkt im neuen Maßnahmenkatalog. Da soll unter anderem eine neue Entschädigungssatzung geprüft werden, eine Übernahme von Führerschein-Kosten, freier Eintritt in Tierpark, Freibad, Hallenbad, mögliche Vorteile beim Parken oder die Subventionierung von Kita-Plätzen. Welcher Punkt ist aus Ihrer Sicht der attraktivste?

Das wird jeder Einzelne etwas anders einschätzen. Das Gesamtpaket macht es! Ich persönlich halte die Subventionierung von Kita-Plätzen für besonders sinnvoll. Da würde endlich mal die gesamte Familie für das Ehrenamt des Kameraden entschädigt. Die Familie sitzt an Feiertagen oft alleine zu Hause, wenn wir im Einsatz sind. Von einem finanziellen Vorteil bei der Kinderbetreuung profitieren alle. Das ist natürlich auch eine Sache der Finanzierung. Die ganze Thematik muss haushaltstechnisch noch untersetzt werden.

Wie steht es denn eigentlich mit der Entschädigung für Einsätze: Zeithainer Kameraden etwa erhalten für jeden Einsatz zehn Euro Entschädigung. Und Riesaer?

Das gibt es bei uns nicht. Die Aufwandsentschädigung zahlt Riesa nur für bestimmte Funktionsträger. Ich bin auch nicht dafür, dass es für jeden Einsatz eine Entschädigung für die Kameraden geben sollte.

Warum?

Es heißt doch „freiwillige“ Feuerwehr. Und dann gibt es nur Tratsch. Wer öfter zu Hause ist, als andere, wird dafür belohnt – weil er häufiger zu Einsätzen fährt, als andere, die vielleicht in der Zeit auf Arbeit sind. Ein schwieriges Thema.

Aber zehn Euro sind doch bei einem teils stundenlangen Einsatz, wie zu Pfingsten am Waldschlößchen Röderau, doch eher ein symbolischer Betrag ...

Ja. Aber wir haben in Riesa auch ländliche Ortsfeuerwehren, die zehn Einsätze im Jahr haben – andere Stadtteilfeuerwehren mit 120 Einsätzen im Jahr. Im Umkehrschluss müssen aber alle Einsatzkräfte dieselben Ausbildungsstunden nachweisen. Eine reine Vergütung nach Einsätzen halte ich deswegen für kontraproduktiv. Wenn man den Kameraden Pauschalbeträge auszahlen will, müssten beide Faktoren berücksichtigt werden, sprich Einsatz- und Ausbildungsstunden.

Die größten finanziellen Folgen im städtischen Haushalt dürfte die Einstellung zusätzlicher hauptamtlicher Kräfte sein. Als Ideal waren neun neue Stellen empfohlen worden, die Stadträte haben sich immerhin für ein Plus von drei Stellen ausgesprochen – was die Stadt jährlich rund 168.000 Euro zusätzlich kosten dürfte. Reicht das aus Ihrer Sicht aus?

Es ist ein Anfang. Damit hätten wir pro Schicht eine Person mehr verfügbar, derzeit sind wir pro Schicht nur zu sechst. Gerade in der Urlaubszeit sind wir dann personell eng besetzt. Bei krankheitsbedingten Ausfällen kann es dann auch dazu kommen, dass die Tagschicht die Einsatzbereitschaft mit sicherstellen muss.

Haben Sie das Gefühl, dass die Feuerwehr bei der Erarbeitung des jetzt beschlossenen Konzepts angemessen berücksichtigt wurde?

Auf jeden Fall! In der Arbeitsgemeinschaft, die das erarbeitet hat, waren alle Stadtteilfeuerwehren dabei. Dieses Mal kann keiner sagen, dass er nicht beteiligt wurde.

Das Gespräch führte Christoph Scharf.