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Eine Entscheidung des Herzens

Der Liberale Manfred Elsner gab Neustadt als Bürgermeister neues Selbstbewusstsein. Jetzt macht er überraschend Schluss – aus Liebe zu seiner Frau.

© kairospress

Von Katarina Gust

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Mehr Rückhalt kann sich ein Bürgermeister kaum wünschen. Mit über 90 Prozent wurde Manfred Elsner zuletzt in seinem Amt bestätigt. Bis 2020 könnte der FDP-Mann mit den weißen Haaren und dem gepflegten Vollbart die Geschicke des 13 000-Einwohner-Städtchens Neustadt in der Sächsischen Schweiz lenken. Mit dem Namen des 61-Jährigen verbinden die Wähler vor allem eine einzigartige Wirtschaftspolitik. Sie setzte auf mehr Beratung und Service für Investoren. Und auf schnelles Handeln. Schneller sein als die Nachbarn, war die Devise im Neustädter Rathaus.

Nun macht Manfred Elsner, seit 2007 Neustadts Bürgermeister, Schluss. Auf einer kurzfristig einberufenen Ratssitzung kündigte er an, Anfang Februar sein Amt niederzulegen. Nur elf Minuten dauerte die Zusammenkunft, und die Stadträte waren sprachlos, manche sogar schockiert. „In Neustadt geht damit eine Ära zu Ende“, sagte ein Stadtratsmitglied zur SZ.

Dennoch erfährt Elsner Respekt für seine Entscheidung. „Die Familie hat für ihn Vorrang, das ist menschlich absolut nachvollziehbar“, sagte Klaus Anders, der in Neustadt eine Oberschule leitet und zugleich im Stadtrat sitzt. Elsner verlässt das Amt, um seine kranke Frau zu pflegen. Sie erlitt vor drei Monaten einen Schlaganfall und leidet an Krebs. Sie müsse seitdem intensiv gepflegt werden. Keine leichte Aufgabe für seine Familie, wie Manfred Elsner sagt. „Meine Ehefrau hat mir und unseren fünf Kindern über mehrere Jahrzehnte den Rücken freigehalten und war immer für uns da“, sagt er. Nun musste er die Entscheidung treffen, seine Frau in ein Pflegeheim zu geben, um weiter als Bürgermeister arbeiten zu können – oder sie zu Hause zu pflegen und sich vom Chefsessel zu verabschieden. Elsner entschied sich für seine Frau. Der Rückzug vom Amt geschieht in Raten. Vom Februar an wird er noch kommissarisch tätig sein, damit die Arbeit im Rathaus bis zur Wahl eines neuen Bürgermeister weiterläuft. Am 7. Juni soll es so weit sein. Das ist der Termin, an dem sachsenweit Kommunalwahlen stattfinden.

Dann werden für Elsner fast 25 Jahre in der Kommunalpolitik zu Ende gehen. Wie viele andere Bürgermeister war er 1990 Quereinsteiger, vor der Friedlichen Revolution hatte er als Maschinenbauingenieur gearbeitet. Vom Runden Tisch in Langburkersdorf, einem Ortsteil von Neustadt, führte ein direkter Weg in die Kommunalpolitik. Weder das Langburkersdorfer Dachziegelwerk (einst 500 Mitarbeiter) noch Elsners Stammbetrieb Fortschritt Neustadt (6 000 Mitarbeiter) gibt es heute noch. Doch er hat mit anderen dazu beigetragen, dass neue Jobs entstanden. Heute liegt die Arbeitslosigkeit in Neustadt bei knapp acht Prozent.

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