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Eine Familie lebt für ihre Vaterstadt

Insgesamt 29 Jahre hat Albrecht Bergmann als Abgeordneter die Geschicke von Waldheim mitgelenkt. Zu DDR-Zeiten saß er zehn Jahre für die LDPD im Parlament, seit 1990 für die FDP. Die ersten vier Nachwendejahre war er Parlamentspräsident, anschließend bis 2007 Vorsitzender der FDP-Fraktion.

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Von Cathrin Reichelt

Insgesamt 29 Jahre hat Albrecht Bergmann als Abgeordneter die Geschicke von Waldheim mitgelenkt. Zu DDR-Zeiten saß er zehn Jahre für die LDPD im Parlament, seit 1990 für die FDP. Die ersten vier Nachwendejahre war er Parlamentspräsident, anschließend bis 2007 Vorsitzender der FDP-Fraktion. Jetzt scheidet er aus dem Stadtrat aus, um Jüngeren Platz zu machen. Damit endet eine mehr als 180-jährige Abgeordneten-Geschichte. Denn bereits fünf Vorfahren von Albrecht Bergmann waren Stadträte. Für die kommende Wahl steht allerdings kein Bergmann mehr auf der Kandidatenliste.

Adolf Heinrich August

Bergmann erfindet Zahnseife

Um 1830 war Adolf Heinrich August Bergmann Mitglied der Stadtvertretung. Von dieser Tätigkeit ist allerdings wenig überliefert. Bekannt geworden ist er als Erfinder der Zahnseide.

Heinrich Robert Bergmann

baut das Krankenhaus

Sein Sohn Heinrich Robert Bergmann erlangte als Kaufmann und Zigarrenfabrikant Ansehen. Er war Stadtverordneter und von 1869 bis 1874 Stadtrat. Als solcher baute er das Kranken- und Armenhaus und verfasste den Entwurf für eine neue Schulordnung. Außerdem beteiligte sich Heinrich Robert an der Reorganisation der Steuerverhältnisse. Im Jahr 1877 durfte er König Albert empfangen und durch seine Fabrik führen.

Heinrich Köhler Bergmann

organisiert Schulwesen neu

Heinrich Köhler Bergmann, Halbbruder von Heinrich Robert, setzte sich fast sein ganzes Leben für die öffentlichen Angelegenheiten seiner Vaterstadt ein. Im Alter von 34 Jahren wurde er Mitglied der Stadtgemeindevertretung, vier Jahre später Stadtverordnetenvorsteher, 1880 Stadtrat und 1889 wieder Stadtverordnetenvorsteher. Seine Zeit war die der Neu- und Umgestaltung. Die Abgeordneten beschlossen damals eine neue Städteordnung und eine neue städtische Verfassung und sie legten die Stadtgrenzen neu fest. Es erfolgten die Reorganisation des Schulwesens, der Schulneubau, die Pflasterung der Fußwege, der Bau der Kanalisation und Wasserleitung sowie des Schlachthauses. Alten Unterlagen zufolge hat Heinrich Köhler auf allen Gebieten eine solche Initiative entwickelt, dass nichts Wichtiges ohne ihn geschaffen wurde. 1869 gründete er den Verschönerungsverein und baute mit diesem den Wachbergturm. Er war auch der erste, der den Bau eines Marktbrunnens anregte. Drei Generationen später verhinderte Albrecht Bergmann als Stadtrat zu DDR-Zeiten, dass dieser Brunnen wieder abgerissen wird.

Max Bergmann kümmert

sich um Versorgung

Während des Ersten Weltkrieges lenkte Max Bergmann, Sohn von Heinrich Robert, die Geschicke der Stadt. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. „Denn der Bürgermeister war eingezogen und die Stadträte verpflichtet worden, die Amtsgeschäfte zu übernehmen“, erzählt Albrecht Bergmann. Sein Großvater Max war damals für die Versorgung in der Stadt zuständig. Davon zeugt ein noch heute existierender Stadtratsausweis. Die Räte mussten jeweils einen halben Tag im Rathaus sitzen, um die Geschäfte zu leiten.

Ulrich Bergmann schickt

seine Frau in die Beratungen

1924 wurde Ulrich Bergmann Stadtrat. Gleichzeitig war er als Reisender für seine Firma unterwegs und nicht ständig in Waldheim präsent. Seine Frau Hildegard hatte eine kaufmännische Ausbildung und konnte Steno schreiben. „Also schickte er sie in die Ratssitzungen, um die Vorgänge mitzuschreiben“, erzählt Albrecht Bergmann. Damals saß der Bürgermeister mit dem Rücken zum Fenster, die Räte ihm gegenüber und die Gäste auf der Galerie. Weil Hildegard fleißig mitschrieb, schaute sie ständig nach unten. Dies hat der Bürgermeister offensichtlich missverstanden. Denn eines Tages ermahnte er Ulrich Bergmann: Wenn er schon seine Frau in die Sitzungen schicke, solle sie wenigstens nicht schlafen.

Albrecht Bergmann

gestaltet Nachwendezeit mit

Zehn Jahre in der DDR und 19 Jahre nach der Wende engagiert sich Albrecht Bergmann für Waldheim. Vor 1990 verhindert er undurchdachte Entscheidungen, danach bringt er zahlreiche Projekte mit auf den Weg, die die Stadt verändern.