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Eine Fichte sorgt für Aufsehen

Der Weihnachtsbaum vor dem World Trade Center war kürzlich Castingteilnehmer und wird bald zum Elefantenspielzeug.

© Jörn Haufe

Von Linda Barthel

Stattlich steht er da: Dichte grüne Nadeln, ein breiter Stamm. Der neue Weihnachtsbaum vor dem World Trade Center sorgt für Aufsehen. Kein Wunder, die Fichte ist sogar noch größer als der Baum auf dem Striezelmarkt. Insgesamt misst sie 23 Meter. Doch eine Gemeinsamkeit haben die beiden Gehölze. Sie mussten sich kürzlich beide bei einem knallharten Wettbewerb durchsetzen. Denn zum ersten Mal überließ das Rathaus die Wahl des Weihnachtsbaums für den Striezelmarkt den Dresdnern. Die Fichte zog trotz ihrer beachtlichen Länge den Kürzeren. Sie wurde vom Volk auf Rang drei gewählt. Doch der Podiumsplatz verschaffte dem Baum trotzdem einen Job. In den kommenden Wochen schmückt er den Vorplatz des World Trade Centers (WTC).

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Das imposante Gehölz kommt aus dem Garten von Ilse Doß am Weißen Hirsch. Die Rentnerin freut sich, dass ihr Baum jetzt weihnachtlich geschmückt vor dem Einkaufszentrum steht. „Das ist mein Geschenk zum Fest an die Stadt“, sagt die Dresdnerin. Es sei nicht schlimm, dass ihre Fichte bei der Wahl nicht zum Sieger gekürt wurde. „Er soll einfach nur Freude bereiten“, so Ilse Doß.

Der Baum sei über 40 Jahre alt und ohne jegliches Zutun so stattlich gewachsen. Er wurde auch nicht von der Familie selbst gepflanzt. „Die Fichte war schon da, als wir in unser Haus am Waldrand gezogen sind“, sagt die Rentnerin. „Damals war der Baum aber noch klein und unscheinbar.“ In der Weihnachtszeit wurde er trotzdem stets liebevoll mit Kerzen geschmückt. Irgendwann war die Fichte jedoch zu groß und keiner konnte mehr nach oben klettern, um die Kerzen festzustecken.

Christbaum statt Feuerholz

Doch damit sollte das Christbaumdasein nicht ein für alle Mal ein Ende haben. Als Ilse Doß von dem Wettbewerb der Stadt erfuhr, entschied sie sich dazu, ihre Fichte anzumelden. „Ich habe das Theater letztes Jahr ja auch mitbekommen und mir schon da gedacht: Mensch das ist so ein dünner Baum und bei mir steht so ein tolles Exemplar im Garten“, so die Dresdnerin.

Es ist nicht das erste Gehölz, das Ilse Doß spendet. Vor vielen Jahren sponserte sie der Stadt schon einmal einen Baum. Dieser erhielt damals einen Platz vor dem Staatsschauspiel Dresden. „Das war sozusagen der kleine Bruder, denn er stand genau neben der Fichte“, sagt die Frau. Er habe sich jedoch in keinem Casting durchsetzen müssen, sondern wurde gleich angenommen und aufgestellt.

Ilse Doß verspürt auch ein wenig Wehmut, weil ihr Baum jetzt gefällt ist. „Ich habe immerhin die ganze Zeit neben ihm gewohnt und zum Beispiel beobachtet, wie die Vögel darin nisten“, sagt sie. Die Fichte hätte in den nächsten Jahren jedoch sowieso gefällt werden müssen. „Deshalb freut es mich, dass sie jetzt nicht einfach zu Feuerholz wird.“ Im Gegenteil: Auch nach ihrer Zeit vor dem WTC findet sie noch Verwendung. Anfang Januar wird der Baum zersägt und der Stamm in den Zoo gebracht. Dort können dann die Elefanten mit dem Holz spielen.

Auch WTC-Manager Jürgen Rees ist mit dem diesjährigen Christbaum sehr zufrieden. „Uns gefiel die wunderschöne Fichte vom Weißen Hirsch von Anfang an am besten“, sagt er. Vor dem Einkaufszentrum wurde das Gehölz mit einem Spezialkran aufgestellt. Den Transport durch Dresden überstand der Baum glücklicherweise ohne große Schäden. Da die Fichte 1,6 Meter tief in den Boden eingelassen werden musste, ragen am Ende „nur“ 21,4 Meter in die Höhe. Im direkten Vergleich ist das dennoch Platz 1. „Selbst wenn man den Stern, der die Spitze des Striezelbaumes ziert, mit einbezieht, ist unser Baum noch 70 Zentimeter höher“, sagt Rees. Darauf ist auch Ilse Doß stolz. Vor allem ist sie jedoch froh, dass ihre Fichte einen schönen Lebensabend hat.