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Eine Frau packt’s an

Sandra Herzog eröffnet heute den Lebensmittelladen am Volksbad neu. Ihr Vorgänger ist hier schon gescheitert. Angst macht ihr das nicht.

Von Romy Kühr

Sie ist eine, die anpackt. Sandra Herzog schleppt seit Tagen Kartons und räumt Regale ein in ihrem neuen Einkaufsmarkt. Anpacken kann die 36-Jährige aber auch im übertragenen Sinn: Sie rettet den Lebensmittelmarkt am Volksbad, im „Kleeblattmarkt“. Der nämlich hatte Ende März geschlossen. Der ehemalige Betreiber hatte nach nur zwei Jahren aufgegeben und den Laden wieder geschlossen. Ein großer Verlust für den Ort. „Die nächsten großen Discounter sind in Oderwitz und Ebersbach“, weiß Sandra Herzog, die mit ihrer Familie selbst in Eibau lebt. „Da kommen die älteren Leute, die nicht mobil sind, gar nicht mehr hin.“ Manche müssten sich sogar ein Taxi nehmen, nur um Grundnahrungsmittel einzukaufen, hat sie erfahren. Im oberen Teil des Ortes gibt es mit dem „Dorfladen“ einen weiteren privaten Händler. Im unteren Teil des Dorfes herrsche Ebbe, sagt Frau Herzog. Also packte die gelernte Verkäuferin es an, machte sich selbstständig und übernahm den Lebensmittelmarkt.

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Das ganze Gebäude gehört ihrem ehemaligen Chef, Bäckermeister Uwe Berndt. Er hatte Ende 2010 den früheren Plusmarkt gekauft. Auch, um seine Bäckerei zu vergrößern. Im hinteren Bereich hat er eine neue Backstube eingebaut. Vorne vermietet er an einen Fleischer. Im größeren Mittelteil entstand eine Verkaufsfläche für einen Lebensmittelmarkt, die er ebenfalls vermietet. Er selbst hat eine Filiale seiner Bäckerei im Gebäude. Hier arbeitete Herzog bislang als Verkäuferin. Da hat sie gut beobachten können, dass der Einkaufsmarkt gebraucht und gut angenommen wird. Warum ihr Vorgänger trotzdem zumachte, darüber will sie nicht öffentlich spekulieren.

Sorgen, dass sie ebenfalls scheitern könnte, hat sie nicht. Sie setzt auf Kundennähe. „Ich bin selbst den ganzen Tag vor Ort und sehe sofort, wenn es Probleme gibt.“ Dabei zeigt sie auf ein großes Fenster, durch das sie von ihrem Büro aus in den Markt sehen kann. Die Chefin wird neben der Büroarbeit alle anfallenden Arbeiten selbst mit erledigen, vom Regale einräumen bis zum Abkassieren. Zusätzlich beschäftigt sie eine Voll- und eine Teilzeitkraft. Als Verkäuferin hat sie früher nicht nur beim Bäcker, sondern davor auch in einem Supermarkt gearbeitet, nennt sie ihre Erfahrungen.

Für ihren ehemaligen Chef hat sie oft die Büroarbeit gemacht, wenn er im Urlaub war, erzählt die selbstbewusste Frau. Uwe Berndt war es auch, der sie ermutigte, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Als er auf der Suche nach einem neuen Mieter für den Markt Sandra Herzog ansprach, überlegte sie gründlich, aber nicht lange. Innerhalb weniger Wochen reifte der Plan. So war es möglich, dass der Laden nur drei Wochen geschlossen blieb. In dieser Zeit haben Frau Herzog und ihre Familie, die sie tatkräftig unterstützt, den Markt renoviert. „Ihr Kaufmann – Familie Herzog“ heißt er deswegen jetzt auch. „Ich habe meinen Job als Verkäuferin gern gemacht. Aber weiterentwickeln konnte ich mich nicht“, sagt sie rückblickend. Deshalb ist sie froh über die neue Herausforderung.

Auch wenn die Eibauer ab heute wieder wie gewohnt im Kleeblattmarkt alle Waren des täglichen Bedarfs bekommen, wird es doch Änderungen geben. So wurde der Markt farblich umgestaltet. Das hat mit dem Zulieferer zu tun, den Frau Herzog sich gesucht hat. Auf einer Messe hat sie die Bela-Handelsgruppe als Partner gefunden. Die ist in der Region selten vertreten. Sie bietet verschiedene Ladenkonzepte für unterschiedlich große Verkaufsflächen an. Sandra Herzog hat mit 400 Quadratmetern einen eher kleinen Laden. Sie will regionale Anbieter ins Boot holen, sich Obst und Gemüse aus der Region liefern lassen.

Eine Herausforderung wird die Selbstständigkeit für die junge Mutter auch familiär. Aber sie ist zuversichtlich, dass alles klappt. Sie wohnt nur einen Katzensprung von ihrer Arbeitsstelle entfernt. „Und Oma und Opa sind auch noch da“, sagt sie im Hinblick auf ihre beiden kleinen Kinder. „Es ist alles perfekt“, sagt die Eibauerin mit einem großen Strahlen. Sie freut sich auf ihre neue Aufgabe. Und darauf, dass sie für den Ort etwas tun kann. Denn schon während des Ausverkaufs ihres Vorgängers hatten die Leute oft gefragt, wie es weitergeht.