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Eine für Vieles

Wie mit feinem Pinsel gestrichelt liegt der Pony auf Annas Stirn. Leicht zur Seite gekämmt, trifft er auf die linke Augenbraue. Darunter unglaublich große, unglaublich blaue Augen. Die blicken neugierig, fragend, freundlich auf ihr Gegenüber.

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Von Nadja Laske

Wie mit feinem Pinsel gestrichelt liegt der Pony auf Annas Stirn. Leicht zur Seite gekämmt, trifft er auf die linke Augenbraue. Darunter unglaublich große, unglaublich blaue Augen. Die blicken neugierig, fragend, freundlich auf ihr Gegenüber.

Noch einige Stunden bleiben der Schauspielerin, bis sie auf der Bühne der Comödie Dresden in die Rolle des Küchenmädchens Lela schlüpft. So lange lässt sie sich gern bedienen. Zeit für einen Milchkaffee. Kalte Hände an der heißen Schale. Glimmende Lichter am Weihnachtsbaum im Neustadtlokal. Anna Hopperdietz pellt sich aus Schal und Winterjacke. Jetzt scheint sie ganz angekommen.

Ihre Ankunft auf den Brettern, die der 30-Jährigen so viel und ihren Eltern einst so wenig bedeuteten, ist sechs Jahre her. „Mein erstes festes Engagement bekam ich 2005 am Theater Senftenberg.“, sagt sie. Das Haus mitten im Neubaugebiet hätte manchen abgeschreckt. „Aber ich fand es herrlich!“ Vier Jahre blieb sie, wusste endlich: Es hat sich gelohnt.

„Zwei Jahre brauchte ich, bis mein Vater akzeptieren konnte, dass ich Schauspielerin werden will.“ Diese Liebe fand sie während eines Highschool-Jahrs. Einige Talente hätte sie ausbauen können, ihre Begabung für Mathe, den Leistungssport Turnen.

Zwischen Bühne und Set

Doch sie belegte das Fach Theater und fand Gefallen am Spiel. Wieder daheim fuhr sie schließlich ganz allein zum Vorsprechen an der Schauspielschule Theaterakademie Vorpommern Usedom – und wurde genommen. Mit nur einem Karton voller Habseligkeiten machte sie sich auf den Weg zum Studium an der Ostsee. „Bleib hier“, sagte ihr Vater noch an der Tür.

„Du musst dafür brennen“, riet ein erfahrener Theatermann. Konnte sie das? Würde sie bestehen unter so vielen Schauspielern, die alle um Rollen rangen? Anna Hopperdietz zweifelte, wollte hinschmeißen, blieb doch und hatte ihr Schlüsselerlebnis. „Ich saß im Zuschauerraum des Theaters Halle, der Vorhang ging auf, und ich dachte: Ja, ich will das!“ So blieb‘s. Ihre erste große Rolle hatte sie in einem Tourneetheater als Johanna in Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ an der Seite von Dieter Wien. „Den schätzte mein Vater sehr und war beeindruckt auch von meiner Arbeit.“ Viel Male saß er in der Vorstellung und söhnte sich mit dem Beruf seiner Tochter aus.

„Ich glaube, er hatte immer Angst, ich spiele mal in Fernsehserien“, sagt Anna. Was sie dann auch tat. Die erste Staffel von „Eine für alle – Frauen können’s besser“ für die ARD blieb zwar die letzte. Doch immerhin konnte sich die Schauspielerin 100 Folgen lang vor der Kamera ausprobieren. „Das war ein Leben in ungewohntem Luxus, mit einem tollen Team, Partys und bezahlten Flügen nach Hause“, erzählt sie. Doch die Serie wurde von heute auf morgen eingestellt.

Die Quote spielte wohl den Luxus und die Flüge nicht ein. Für Anna war es trotzdem ein Gewinn. „Ich durfte die Arbeit vor der Kamera von der Pieke auf lernen.“ Das kam ihr zugute, als der MDR anfragte und sie für die Sendung „Auch das noch – Comedy 2010“ verpflichtete. Im Anschluss erhielt Anna Hopperdietz ein Engagement am Staatstheater Saarbrücken, und ein Jahr später gab’s ein Wiedersehen mit der ARD beim Dreh für „In aller Freundschaft“.

Bevor der Dresdner Regisseur und Schauspieler Christian Kühn sie für sein Stück „Des Kaisers neue Kleider“ an die Comödie Dresden holte, probierte sich Anna als Maus Clara aus, lieh ihre Stimme der Trickfilmfigur aus „Prinzessin Lillifee“. Auch das eine gute Erfahrung. Noch bis zum 27. Dezember ist sie nun in der Familienkomödie „Des Kaisers neue Kleider“ zu sehen. Und auch das neue Jahr wird ihr Gutes bringen, da ist sich Anna ganz sicher.