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Eine gereimte Reise

Urlauberpfarrer Johannes Johne hat über seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg ein Buch geschrieben.

Von Gunnar Klehm

Ob Wilhelm Busch jemals auf dem Jakobsweg gepilgert ist, ist unbekannt. In „Die fromme Helene“ lässt er aber tief blicken: „Hierbei schau’n sich innig an, Pilgerin und Pilgersmann.“ Vermutlich hatte der Urlauberpfarrer Johannes Johne eine ebensolche Begegnung, als er den Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien beschritt. Und das wollte er schriftlich festhalten. Bücher über den Jakobsweg und das Pilgern im Allgemeinen sind ja wieder groß in Mode. Doch in diese Reihe lässt sich Johannes Johnes Buch, dass gerade im Verlag Grafische Werkstätten Zittau erschienen ist, nicht so einfach platzieren. Mit „Der spanische Jakobsweg – In Versen auf den Fersen“ verlässt der katholische Priester ausgetretene Pfade. Diese ernsthafte Sache des Pilgerns verpackt er in humorvolle Zeilen, bei dessen Lesen man zwangsläufig an Wilhelm Busch erinnert wird. So beschreibt er eine Brandschutzschneise auf dem Weg:

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„Weiter geht’s in breiter Schneise

und ich sag dazu nur: „Weise“

hat man die hier betoniert,

auch wenn das hier irritiert,

um, so darf ich jetzt erklären,

sich der Brände zu erwehren,

die im Wald, weiß jedes Kind,

durchaus oft verheerend sind.“

Und das ist so gar nicht nach dem Geschmack der Gläubigen, die sich auf der Pilgerung der Natur so nahe fühlen.

Auf dem Streifen kommt sodann

hier ein Mann mit Stöckchen an,

die er wirklich sportlich schwingt.

Doch er schimpft. Hört, wie das klingt:

„This Highway?“, wird erst gefragt,

und dann wird von ihm gesagt,

ich hör es und auch der Nino:

„It’s the end of the Camino“,

Er hat recht, doch auch im Leben

wird es ein paar Strecken geben,

die nicht unbedingt sehr schön.

Trotzdem müssen wir sie gehn,

um, den Weg mal angefangen,

auch zum Ziele zu gelangen.

Johne beschreibt auf diese Weise Orte, Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten, die ihn auf dem Weg beeindrucken. Chronologisch führt er ein gereimtes Tagebuch. Selbst die Einleitung hat Versform. Er will in seinem Werk Kunst- und Baugeschichte mit erzählenden und theologischen Gedanken vereinen, heißt es auf dem Cover. Sechs Jahre hat er an dem Buch gearbeitet. „Ich wollte schon etwas von meinen Erlebnissen weitergeben. Das sollte aber etwas ganz Besonderes sein“, sagt der Autor. Das ist ihm gelungen.

Das Buch kostet 10 Euro und ist auch im SZ-Treffpunkt in Zittau erhältlich ( 03583 77555870).

Johannes Johne wirkt als Urlauberpfarrer im Zittauer Gebirge und in der Sächsischen Schweiz. Heute lädt er in Jonsdorf zur nächsten Wanderung mit dem katholischen Urlauberpfarrer ein. Treff ist 10 Uhr an der Tourist-Info Jonsdorf; Anmeldungen unter 0172/5356467