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Eine halbe Million Bäume für Dresden

Eine Gruppe junger Leute sammelt Geld und will schon im November die ersten Pflanzen in die Erde bringen. Doch einige Fragen bleiben offen.

Bereits im Frühjahr wurden auf
einem Gelände der Stadtentwässerung testweise erste Bäumchen in die Erde gebracht.
Bereits im Frühjahr wurden auf einem Gelände der Stadtentwässerung testweise erste Bäumchen in die Erde gebracht. © Tobias Ritz/PR

Das Ziel erscheint mächtig gewaltig: Für jeden Dresdner Bürger will eine Gruppe junger Leute einen Baum im Dresdner Stadtgebiet pflanzen. Macht in Summe 550.000 neue Bäumchen.

„Wir wollen und werden diese Stadt grüner und lebenswerter machen“, sagt der 27-jährige Toni Kiel, einer der Köpfe hinter dem Projekt „Mein Baum – Mein Dresden“. „Für mehr Schmetterlinge, wilde Bienen und singende Vögel“. Das klingt toll – doch wirft im selben Moment viele Fragen auf. Die wichtigste: Wer um alles in der Welt soll das bezahlen?

Charlotte Meentzen
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Vor wenigen Tagen haben die Initiatoren eine Spendenkampagne bei Startnext ins Leben gerufen. Jeder, der das Projekt unterstützen möchte, kann das dort mit wenigen Klicks tun. Ein Baum kostet drei Euro. Dafür gibt es ein Zertifikat und eine Spendenquittung. Nach drei Tagen stehen bislang 13.000 Euro bereit. Um ein erstes Teilziel zu erreichen, sollen bis Herbst mindestens 300.000 Euro für 100.000 Bäume zusammenkommen.

Ausgewählt werden nur heimische Arten wie die Hainbuche und der Feldahorn, aber auch Sträucher wie Schwarzer Holunder und Hasel. Schon im November sollen die ersten Pflanzen bei „Pflanzfesten“ in die Erde kommen.

Stadt zeigt sich immer kooperativer

Das führt unweigerlich zur nächsten Frage: Wo sollen denn all diese Bäume gepflanzt werden? Neben Geldgebern sind die Macher auch darauf angewiesen, innerhalb kurzer Zeit genügend Flächen zu gewinnen. Bis dahin ist der Weg allerdings noch weit. Sicher habe man bislang insgesamt Flächen für etwa 50.000 Bäume, die meisten im Bereich der Stadtentwässerung. In Aussicht seien bereits einige mehr. Die Gespräche laufen. „Jede Fläche ab 200 Quadratmeter hilft uns weiter“, sagt Toni Kiel, der selbst Biotechnologie studiert hat und heute hauptberuflich Firmen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützt. 

Auch die Stadt zeige sich inzwischen immer kooperativer und habe bereits eine erste Fläche in Dölzschen zur Verfügung gestellt. Laut Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) will die Stadtverwaltung die Arbeit der Gruppe begleiten und auch fachlich unterstützen.

Wer kümmert sich um die Bäume?

„Die Flächen zu finden, ist am Ende wahrscheinlich die größere Herausforderung als die Finanzierung der Bäume“, sagt Kiel. Geliefert werden sollen die bis zu 550.000 einjährigen Jungpflanzen übrigens nach derzeitiger Planung alle von den Forstbaumschulen „Fürst Pückler“ in Brandenburg. „Dahinter stecken vor allem pragmatische Gründe“, sagt Kiel. Genauso kämen künftig auch andere Baumschulen für eine Zusammenarbeit infrage.

Sollten tatsächlich in den kommenden Wochen mehr als eine halbe Million Bäume in Dresden gepflanzt werden, bleibt die Frage, wer sich um die besonders anfangs sehr wasserbedürftigen Pflanzen kümmern soll, gerade in heißen und trocknen Sommern wie dem gerade endenden.

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Dafür gebe es feste Vereinbarungen mit den Flächenbesitzern, heißt es. Die Stadtentwässerung will beispielsweise Schläuche verlegen. Um andere Flächen könnten sich mittel- und langfristig die Experten der Stiftung Wilderness International kümmern, die ebenfall im Boot ist. „Und letztlich wollen und sollen natürlich wir auch alle gemeinsam gießen“, sagt Toni Kiel. „Crowdwässering sozusagen.“

Die Kampagne auf Startnext. 

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