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Die Halbzeit-Bilanz des Oberbürgermeisters

Freitals OB Uwe Rumberg hat die erste Hälfte seiner Amtszeit problemlos gemeistert. Doch reicht das?

Finanzbürgermeister Peter Pfitzenreiter (r.) gehört zu den engsten Mitarbeitern des Oberbürgermeisters Uwe Rumberg. Der Rathauschef hat in den vergangenen Jahren Menschen um sich gescharrt, denen er vertraut.
Finanzbürgermeister Peter Pfitzenreiter (r.) gehört zu den engsten Mitarbeitern des Oberbürgermeisters Uwe Rumberg. Der Rathauschef hat in den vergangenen Jahren Menschen um sich gescharrt, denen er vertraut. © Karl-Ludwig Oberthür

Es war einer dieser ungemein schönen Sommertage, wie sie das Jahr 2018 viele zu bieten hatte. Freunde, Weggefährten, Kollegen und die Familie waren am 26. Juli zum Schloss Burgk gekommen, um Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg zum 60. Geburtstag zu gratulieren. Die Stimmung war gelöst und für den Anlass ungewöhnlich herzlich. Die engsten Kollegen im Rathaus überreichten ihre Geschenke nicht einfach nur pflichtbewusst, sondern mit großer Freude, verpackt in einem Spiel. Als Rumberg später in seiner Rede betonte, dass da ein Team zusammengewachsen sei, konnte man das als Beobachter nur bestätigen. Der Rathauschef fühlte sich sichtlich wohl. „Ich fühle mich weit von der Rente entfernt“, sagte er euphorisch.

Die Szene ist nur eine Momentaufnahme. Allerdings ist sie wesentlich, um Rumberg als Menschen und in seiner Rolle als Freitaler Rathauschef zu verstehen. Dreieinhalb Jahre ist es mittlerweile her, dass er im ersten Wahlgang zum Oberbürgermeister und zum Nachfolger von Klaus Mättig gewählt worden ist. Die Halbzeit seiner siebenjährigen Amtszeit ist also geschafft. Wie fällt seine Bilanz aus?

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Zur Beantwortung dieser Frage lohnt sich ein Blick zurück in die Vergangenheit: in den Sommer 2015. Rumberg übernimmt den Chefposten im Rathaus, als die Stadt in Aufruhr ist. Wöchentlich gibt es Demonstrationen gegen das Leonardo-Asylbewerberheim. Die Mitglieder der Gruppe Freital verüben schwere Anschläge und nehmen dafür Menschenleben in Kauf. Rumberg fällt es schwer, sich in sein Amt einzufinden. „Da gab es Momente, wo ich gedacht habe: Warum hast du dir das angetan“, sagt er später. Ein klares Bekenntnis gegen rechten Extremismus lässt er vermissen, was ihm vor allem seine politischen Gegner aus dem linken Lager übelnehmen. Gegen jegliche Form von Extremismus zu sein, das bleibt bis heute sein Mantra. Das macht ihn nicht angreifbar.

Erst im darauffolgenden Jahr – als die Flüchtlingszahlen nach unten gehen und die Proteste nachlassen – kann sich Rumberg freischwimmen. Er schart Leute um sich, denen er vertraut. Katrin Reis, ehemals Sprecherin der Bildungsagentur, wird seine Büroleiterin. Matthias Leuschner übernimmt neben dem Geschäftsführer-Posten der Freitaler Strom und Gas auch den Chefsessel der Wirtschaftsbetriebe Freital und wird damit zum Supermanager der mächtigen städtischen Tochterunternehmen. CDU-Parteifreund Peter Pfitzenreiter wird vom einfachen Stadtrat zum Finanzbürgermeister. Zu den Personalentscheidungen jener Zeit gehört auch die Abberufung von Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz als Chef des Technologiezentrums und -parks. Er und Rumberg können nicht besonders gut miteinander. Den Posten übernimmt Alexander Karrei zusätzlich zu seiner Stelle als Chef der Freitaler Projektentwicklung. Außerdem holt Rumberg später Matthias Weigel als Rathaussprecher von der Sächsischen Zeitung in die Verwaltung. Es ist Rumbergs Wohlfühl-Team.

Das bringt Freital und damit Rumberg in die Erfolgsspur. Bei offiziellen Reden wirkt er seitdem sicherer – auch wenn aus ihm wohl kein brillanter Redner mehr werden wird. Den Geschäftsführern der städtischen Gesellschaften lässt er viel Freiraum. Einmal pro Monat kommen sie mit Rumberg sowie dem Baubürgermeister und Finanzbürgermeister zur Strategiesitzung zusammen. Vorsichtig und zurückhaltend soll Rumberg in solchen Runden agieren. Er lasse sich aber auch von Argumenten überzeugen und spreche immer auf Augenhöhe mit seinen Untergebenen. Im Unterschied zum Machtmensch Mättig hat Rumberg einen anderen Führungsstil ins Rathaus gebracht.

Er ist nicht der Macher, für den er sich im Oberbürgermeister-Wahlkampf ausgegeben hat, sondern eher der Ermöglicher.

Und damit gelingt vieles. Schulen und Straßen werden saniert. Die Stadt ist bald schuldenfrei. Freital ist Vorreiter bei der Versorgung mit schnellem Internet. Das einst kritisch beäugte Technologiezentrum ist fast voll vermietet. Der Technologiepark muss wegen großer Nachfrage erweitert werden. Die Steuereinnahmen sprudeln. Das BC Hainsberg wird saniert, was Rumberg unbedingt wollte. Freital hat sehr gute Chancen, den Tag der Sachsen 2021 auszurichten. Und rund um das Areal Sächsischer Wolf soll das Zentrum entstehen, auf das die Stadt Freital seit der Gründung 1921 gewartet hat. Alles gut also?

Mitnichten, sagen seine Kritiker. Projekte, die schon von Mättig angeschoben wurden, habe er nur fortgeführt. Er habe einfach Glück gehabt, dass die wirtschaftliche Lage derzeit so gut sei. Das Geld für das BC Hainsberg sei an anderer Stelle besser ausgegeben. Der Tag der Sachsen sei nicht seine Idee. Und der Zentrumsbau komme trotz großer Ankündigungen nicht voran. Sie zeichnen ein Bild eines mut- und visionslosen Rathauschefs, der zu wenig aus den Möglichkeiten macht.

Wer verstehen will, warum Rumberg eher vorsichtig agiert, muss sich seine Berufsbiografie anschauen. Der ausgebildete Schlosser und Ingenieur übernimmt zum Ende der DDR die Mechanischen Werkstätten seines Vaters, überführt den Betrieb in die Marktwirtschaft und muss ihn trotzdem dichtmachen. Auch später als Chef der Freitaler Wohnungsgesellschaft muss Rumberg die Not verwalten. An die 30 Prozent Leerstand lassen keinen Spielraum zum Handeln. Rumberg muss Wohnungen abreißen und sparen. Ihm fällt es schwer, aus dieser Denke auszubrechen. Dass man nur so viel Geld ausgeben könne, wie man einnehme, gehört zu den Leitsätzen seiner ersten Jahre als Oberbürgermeister.

An dem Leitsatz ist zwar generell nichts auszusetzen, er zeugt aber von wenig Wagemut. Dass eine Stadt wie Freital auch neue Schulden aufnehmen könnte, um nachhaltige Investitionen zu tätigen, dieser Gedanke kommt Rumberg erst seit ein paar Monaten über die Lippen. Da habe ein Umdenken stattgefunden, sagte er zum Jahreswechsel im Interview mit der Sächsischen Zeitung.

Dieses sorgte übrigens in Stadtratskreisen für einige Kritik. Statt angesichts der bevorstehenden Stadtratswahl im Mai ordentlich Wahlkampf in eigener CDU-Sache zu machen und auf das Erreichte zu verweisen, schenkt er die Wahl dort fast schon ab. Die CDU werde Federn lassen und die AfD werde Zuwächse bekommen, sagte er. In manchen Passagen wirkt das Interview wie eine Einladung an alle, doch gern das Kreuz bei der AfD zu machen. Für seine Partei, der er in Freital vorsitzt, ist das gefährlich. Für Rumberg persönlich sind diese Aussagen jedoch konsequent.

Dass er mit dem konservativen Flügel seiner Partei sympathisiert und die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel immer noch äußerst kritisch sieht, ist kein Geheimnis. Im Stadtrat holt sich Rumberg die nötigen Mehrheiten teils mithilfe der ebenfalls eher konservativ eingestellten Freien Wähler und der AfD. Hinzu kommt, dass Rumberg kein besonders politisch denkender Mensch ist. Dass seine Stimme von Amtes wegen eine besondere Bedeutung hat, scheint ihm oft nicht bewusst zu sein. Auch mal ein öffentliches Machtwort zu sprechen, liegt ihm fern. Eine klare Abgrenzung von den politischen Gegnern, wie es Sachsens CDU-Parteichef Michael Kretschmer tut, wird von Rumberg wohl nicht zu hören sein. Er will der Oberbürgermeister aller Freitaler sein, es allen recht machen. Doch ist das möglich?

Zum Start seiner zweiten halben Amtszeit wird Rumberg nicht daran vorbeikommen, eine starke Vision für sein Freital zu formulieren, an der er sein Handeln ausrichten kann. Will er Freital unbedingt ein Zentrum geben? Soll die Dresdner Straße belebt werden? Wie bleiben die Mieten in Freital bezahlbar? Ist die Stadt gut auf eine alternde Gesellschaft vorbereitet? Das sind einige der Fragen, auf die er Antworten wird finden müssen. Auch wenn es Rumberg schwerfällt: Er wird dafür aus dem Wohlfühl-Modus rausmüssen.

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