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„Eine Impfung ist immer sinnvoll“

Der aktuelle Impfstoff gegen Grippe soll nicht optimal wirken. Dr. Ute Paul rät trotzdem zur Spritze – aus Verantwortung.

Die Grippesaison ist da. Und sie könnte heftig werden. Denn der aktuelle Wirkstoff wirkt offenbar nicht optimal. Das Robert-Koch-Institut teilte mit, dass bei einem der drei derzeit zirkulierenden Virentypen mit schwächerer Wirksamkeit gerechnet werden müsse. Die SZ sprach mit Dr. Ute Paul vom Landratsamt.

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Frau Dr. Paul, Experten erwarten dieses Jahr deutlich mehr Grippekranke, weil der Impfstoff nicht optimal wirken soll. Teilen Sie die Einschätzung?

Für eine Bewertung ist es noch viel zu früh. Die jeden Winter erwartbare Grippewelle hat ja noch nicht einmal begonnen. Eine abgeschwächte Wirkung ist durchaus möglich, da sich ein Influenza-Virus immer in der Zeit zwischen Festlegung der Inhaltsstoffe, die ein Jahr im Voraus erfolgt, und dem Impfzeitpunkt verändert – einmal mehr, einmal weniger. Für den aktuellen Zeitraum scheinen die Veränderungen am Virus größer zu sein. Die Wirkstoffe würden dann nicht mehr optimal passen. Die Folgen wären mehr Erkrankungen und weniger vermiedene Komplikationen, als dies bei einem besser „passenden“ Impfstoff der Fall wäre.

Angenommen, die Experten behalten recht. Bringt es überhaupt etwas, sich jetzt noch impfen zu lassen?

Eine Impfung ist generell immer sinnvoll, da schon die Abschwächung der Symptome und vor allem die Senkung der Komplikationsrate wichtige Impferfolge sind. Außerdem kann der Körper zehn bis 14 Tage vor der Grippewelle noch genügend Schutzeiweiße produzieren, die dann ihre Wirkung entfalten.

Immer wieder wird über „Impfmüdigkeit“ berichtet.

Den Begriff finde ich für die nachlassende Impfdisziplin viel zu positiv. Es ist eher eine Mixtur aus Angst, Verdrängung, Fehleinschätzungen, Vorurteilen, Bequemlichkeit, „gefühlter Wahrnehmung“ und manchmal auch einfach Ignoranz. Wir haben nicht nur Verantwortung für uns selbst, sondern auch Verantwortung für die uns anvertrauten Nächsten – für Menschen, die sich möglicherweise nicht selbst schützen können.

Beobachten Sie das Phänomen auch im Landkreis ?

Natürlich, und zwar in allen Bevölkerungsschichten, wobei hier noch ein „Ostbonus“ besteht. Besonders verheerend ist die geringe Impfquote bei medizinischem und pflegendem Personal. Wir gefährden immer andere Menschen, wenn wir selbst erkranken.

Für wen wäre neben dem medizinischen und pflegenden Personal eine Impfung noch besonders wichtig?

In Sachsen wird die Impfung für alle ab dem sechsten Lebensmonat empfohlen. Sehr wichtig ist sie beispielsweise für Kinder und Jugendliche, Senioren, Menschen mit chronischen Erkrankungen und/oder Erkrankungen des Immunsystems sowie Menschen mit umfangreichem Publikumsverkehr oder Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln.

Was spricht gegen eine Impfung?

Nichts. Vorsicht geboten ist bei Überempfindlichkeit gegenüber Bestandteilen des Impfstoffs. Das wäre zum Beispiel bei einer echten Hühnereiweißallergie der Fall, da die Bebrütung des Virus im Hühnerei erfolgt. Bei bestimmten Medikamenten wie Cortisonpräparaten oder Unsicherheit bezüglich einer Begleiterkrankung sollte man den impfenden Arzt fragen. Bei fieberhaften Infekten und Infektionskrankheiten sollte man die Impfung verschieben.

Im vorigen Jahr gab es Probleme mit dem Impfstoff, weil dieser zeitweise nicht verfügbar war. Wie sieht es in dieser Saison aus?

In diesem Jahr gab es bisher keine Probleme, soweit uns bekannt ist.

Wie kann man sich noch schützen?

Man kann versuchen, sein Immunsystem zu trainieren und zu stützen: gesunde, ausgewogene Ernährung, Bewegung an frischer Luft, ausreichend Schlaf, witterungsgerechte Kleidung. Dazu kommen in der Grippesaison: Nicht die Hände geben, sich öfter die Hände waschen, sich nicht anhusten lassen, das Zimmer lüften.

Wie erkennt man eine Influenza?

Man kann einen Verdacht haben, eine sichere Feststellung ist nur mittels mikrobiologischer Diagnostik möglich. Aber einige Symptome sind schon recht typisch, vor allem, wenn die Influenza im Territorium „unterwegs“ ist. Im Gegensatz zu den eher schleichend beginnenden Erkältungsinfekten startet die Grippe plötzlich. Schnell verschlechtert sich der Allgemeinzustand. Hinzu können Schüttelfrost, hohes Fieber, ein trockener Husten, Halsschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden kommen. Jedoch sind die Symptome nicht bei allen Menschen stark. Ein Drittel hat bei einer Infektion milde Krankheitszeichen, ein weiteres Drittel keine.

Was raten Sie Menschen, die eine Grippe bekommen?

Vor allem im Bett bleiben, sich auskurieren und andere nicht anstecken. Ausreichend trinken, besonders bei Fieber, leichte vitaminreiche Kost. Bei starken Beschwerden und hohem Fieber entsprechend lindernde Medikamente nehmen. Sogenannte antivirale Medikamente sind nur in besonderen Fällen angezeigt. Dies kann nur der behandelnde Arzt empfehlen.

Das Gespräch führte Sebastian Martin.

Impfsprechstunden des Landratsamtes immer dienstags von 13 Uhr bis 17.30 Uhr in Pirna, Schlosshof 2/4 und

jeden ersten Donnerstag im Monat von 15.30-17.30 Uhr an der Hüttenstraße 14 in Freital.

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