merken
PLUS

Eine Insel im Fluss als Flutschutz

Ein Biotop zwischen Riesa und Göhlis könnte die Elbe bei Hochwasser entlasten. Kann die Idee Erfolg haben?

Von Robert Reuther

Riesa. In Zeiten knapper Kassen ist das Projekt, das Jens-Torsten Jacob vom Riesaer Wassersportverein jetzt wieder aus der Schublade geholt hat, kühn und gewagt. Er will etwas für den Hochwasserschutz in der Stadt tun und Riesa zugleich für Besucher attraktiver machen. Es geht dabei darum, den Elbbogen zwischen Riesa und Göhlis in ein großes Naherholungsgebiet für Wassersport und Tourismus zu verwandeln.

Anzeige
Natururlaub im Land der 1000 Seen
Natururlaub im Land der 1000 Seen

Die Mecklenburgische Seenplatte bildet mit 1.117 natürlichen Gewässern das größte geschlossene Seengebiet Europas.

Mit dieser Idee sorgte Jacob bereits 2004 für Aufsehen. Sie sieht vor, dass eine Art Altwasserarm entsteht. Er beginnt jenseits der Kleingartenanlage „Am Reiter“ und zieht sich bis an das westliche Ende des Flugplatzes Göhlis. Mitten in der Elbe erhebt sich damit eine kilometerlange Insel. Im Gut Göhlis war eine Jugendherberge angedacht. Das neue Gebiet sollte außerdem dem Wassersport mit einem Jachthafen und einer Wettkampfstrecke für Kanus neue Möglichkeiten eröffnen. Das geplante Flussbad hätte zudem die Diskussionen über das ehemalige Stadtbad ein für alle Mal beendet.

All das wären aber nur angenehme Nebeneffekte gewesen. Im Mittelpunkt stünde und steht bei dem ganzen Projekt der Hochwasserschutz. Derzeit wird das Gebiet zwischen Riesa und Göhlis nahe der Elbe von einem Deich geschützt. Den würde Jacob gern nach hinten verlegen. „Das größte Problem, was wir haben, ist doch, dass die Elbe sich bei einem Hochwasser nicht genug in die Fläche ausbreiten kann. Genau das würde aber mit unserer Idee möglich gemacht“, sagt Jacob. Aus seiner Sicht wäre dies ein kleiner Beitrag, um den Fluss wieder mehr Raum zu geben. Und daran hat sich in den knapp zehn Jahren seit der ersten Präsentation der Idee nichts geändert.

An den meisten der damaligen Ideen würde er heute noch festhalten. An der Regattastrecke beispielsweise. Die könnte nicht nur zum Training, sondern auch für den Wettkampf oder das beliebte Drachenbootfestival genutzt werden. Auch das Bootshaus und das Flussbad machen aus Sicht von Jens-Torsten Jacob Sinn.

Offen ist auch die Frage der Finanzierung. Jacob kann sich vorstellen, das Projekt in eine mögliche Landesgartenschaubewerbung für 2019 mit einfließen zu lassen. „Es wäre doch toll, wenn wir den Menschen zeigen, wie wir mit dem Fluss leben. In diesem Zusammenhang könnten wir die Strecke zwischen Riesa und Göhlis in ein tolles Biotop umwandeln“, sagt Jacob. „Man muss auch auf Geldsuche gehen, kann nicht nur Fördermittel nutzen, sondern muss auch Investoren finden.“

In der Riesaer Stadtverwaltung ist man laut Sprecher Uwe Päsler über das Projekt bereits im Bilde. „Eine Wiedervernässung des Elbbogens wurde bereits im Sommer von Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer angesprochen. Dieser Bereich bildet die einzig mögliche größere Retentionsfläche auf Riesaer Flur und ist schon deshalb natürlich beachtenswert“, sagt Uwe Päsler. Allerdings müsste die Rückverlegung oder Aufgabe der Dämme mit der Landwirtschaft abgestimmt werden, da die Dämme hierfür geschaffen wurden. Als das Projekt 2004 vorgestellt wurde, zeigte sich die Agrargenossenschaft Riesa von der Idee aber wenig begeistert, da es sich bei dem Gelände um bestes Ackerland handelt. Dies wollte der Betrieb nicht einfach verlieren.

Die Landestalsperrenverwaltung denkt aktuell über Maßnahmen im Elbbogen nach. Im Fall einer Planfeststellungspflicht könnten diese Projekte jedoch erst in mehreren Jahren in Angriff genommen werden.