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Eine Kita wie eine alte Ritterburg

Ein denkmalgeschützter Turm ist dem Kita-Neubau in Wehrsdorf im Weg. Deshalb ließ sich die Gemeinde jetzt etwas einfallen.

© Thorsten Eckert

Von Katja Schäfer

Im Streit um den historischen Trockenturm in Wehrsdorf zeichnet sich nach monatelangen Diskussionen ein Kompromiss ab. Der sieht so aus, dass ein Teil des Gebäudes erhalten bleibt und in den Kita-Neubau einbezogen wird. Allerdings ist noch nicht entschieden, wie viel vom Turm stehenbleibt. Die Gemeinde kann sich am ehesten mit einem Stockwerk arrangieren. Der Denkmalschutz will mehr erhalten.

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So in etwa könnte der neue Wehrsdorfer Kindergarten aussehen, wenn der untere Teil des Turmes einbezogen wird. Dem Bürgermeister gefällt diese Variante gut. Der Denkmalschutz will noch ein weiteres Stockwerk erhalten. Entwurf: Planungsbüro Grosche, Freibe
So in etwa könnte der neue Wehrsdorfer Kindergarten aussehen, wenn der untere Teil des Turmes einbezogen wird. Dem Bürgermeister gefällt diese Variante gut. Der Denkmalschutz will noch ein weiteres Stockwerk erhalten. Entwurf: Planungsbüro Grosche, Freibe

Der 155 Jahre alte Turm steht am Geißlerweg nahe der Kirche. Die Gemeinde hat das Grundstück gekauft, um dort einen neuen Kindergarten zu bauen. Das ist dringend notwendig. Denn im Schulgebäude, wo Grundschule, Hort und Kita zusammen untergebracht sind, entsprechen die Bedingungen nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Der Neubau mit 75 Plätzen für Kindergarten und Krippe soll wenige Meter entfernt davon entstehen und 1,8 Millionen Euro kosten. Das Grundstück ist bebaut mit einer alten Fabrik und dem Turm, der zum Bleichen von Leinwänden errichtet wurde, später Büros beherbergte und seit vielen Jahren ungenutzt ist.

Für die Fabrik hat die Gemeinde die Abrissgenehmigung. Für den Turm wurde sie ihr vom Denkmalschutz bisher versagt. Auch im Ort regte sich seit Bekanntwerden der Pläne Widerstand. Einige Einwohner – darunter die Wehrsdorfer Heimatfreunde – plädieren für den Erhalt des Bauwerkes. Andere sehen keinen Sinn darin. Und der Gemeinde ist der Turm schlicht und einfach im Weg bei ihren Bemühungen, die Kita-Bedingungen zu verbessern. Eine Einbeziehung des kompletten Feldsteingebäudes in den Neubau würde erheblich mehr kosten. „Wir können den Trockenturm aber auch nicht separat erhalten, weil das finanziell nicht machbar ist“, sagt Bürgermeister Matthias Pilz (CDU). Zudem verweist er auf den schlechten Zustand: „Die Mauern haben lange Risse. Und auch innen gibt es große Schäden, weil das Dach schon seit Jahren eingebrochen ist.“

Nicht nur im Bautzener Landratsamt hat der Gemeindechef um eine Lösung gerungen. Unterstützt von der Landrats-Beigeordneten Birgit Weber sprach er in Dresden mit der sächsischen Landeskonservatorin. „Sie hat befunden, dass das Fundament des Turmes in Ordnung ist, und uns aufgefordert, zu erhalten, was zu erhalten ist, aber nicht den ganzen Turm“, berichtet Matthias Pilz. Die von der Gemeinde beauftragten Ingenieure, die schon die neue Kita in Sohland geplant haben, erarbeiteten daraufhin neue Pläne, die Teile des Turms einzubeziehen. Mit einem der Entwürfe hat der Bürgermeister sich schnell angefreundet. Und auch die Gemeinderatsmitglieder im Haupt- und Finanzausschuss haben diese Variante bestätigt. Der Entwurf sieht vor, den Turm so weit abzutragen, dass nur ein Stockwerk stehenbleibt. Es soll so hoch sein, wie die erste Etage des Kindergartens und als Eingang dienen. Darin können Kinderwagen abgestellt werden. Oben sind die Turmmauern als Zinnen gestaltet. „Das passt zum Wehrsdorfer Wappen, das eine Zinnenmauer zeigt“, sagt Matthias Pilz. Er will dafür sorgen, dass im Inneren des Turm-Raumes Infotafeln auf die Geschichte des Bauwerkes hinweisen. Nach seiner Vorstellung soll der Eingangsbereich auch außerhalb der Kita-Öffnungszeiten jedermann zugänglich sein.

„Einen Teil des Turmes in den Neubau einzubeziehen, macht die Sache zwar etwas teurer, aber das ist es mir wert. Dadurch bekommen wir einen besonderen Kindergarten. Und wir erhalten den Frieden im Ort, weil wir einen Kompromiss zwischen Abriss und Erhalt des Turmes eingehen“, sagt Pilz. Er ist der Meinung, dass diese Variante dem Denkmalschutz gerecht wird. Doch der zuständige Gebietsreferent habe sich in seiner Stellungnahme dafür ausgesprochen, noch ein zweites Stockwerk vom Turm zu erhalten, berichtet der Bürgermeister. Das dadurch zusätzlich entstehende Zimmer soll von der Kita als Mehrzweckraum genutzt werden.

„Wenn wir den Mehraufwand dieser Variante gefördert bekommen, bin ich damit einverstanden“, sagt der Bürgermeister. Die Entscheidung obliegt dem Gemeinderat. Er berät am Dienstag darüber. Dabei drängt die Zeit. Denn zum einen endet die Betriebserlaubnis für die jetzige Kita bald. Zum anderen stehen die bewilligten Fördermittel von 1,6 Millionen Euro nur eine bestimmte Zeit für die Gemeinde bereit.

Der Sohlander Gemeinderat tagt am Dienstag um 19 Uhr im Rathaus. Die Sitzung ist öffentlich.