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Eine kleine Sächsin triumphiert auf der Berlinale

Eine „Wendewundergeschichte“ setzt sich durch: Der Dresdner Animationsfilm „Fritzi“ wurde „Bester Kinderfilm 2019“.

Eigentlich will die 12-jährige Fritzi nur ihre verschwundene Freundin suchen. Doch dann gerät sie mitten in den Leipziger Wendeherbst 1989, der das Land und auch ihr leben völlig verändern wird.
Eigentlich will die 12-jährige Fritzi nur ihre verschwundene Freundin suchen. Doch dann gerät sie mitten in den Leipziger Wendeherbst 1989, der das Land und auch ihr leben völlig verändern wird. © Balancefilm

Das klingt gut, und es reimt sich auch noch: „Ein Land ohne Mauer – da ist keiner sauer!“ Fritzi darf den schönen Satz zwar auf Pappe malen, aber nicht tragen. Das Plakat ist für ihre Mutter. Denn Fritzi ist erst neun und die Leipziger Montagsdemo 1989 kein Platz für ein Kind. Aber Fritzi ist neugierig und will jede Menge wissen. Zum Beispiel, warum plötzlich so viele Schulfreunde nach Ungarn verschwunden sind. Oder warum die Eltern beim Fernsehen neuerdings andauernd streiten …

„Fritzi war dabei“ heißt das Buch, in dem Autorin Hanna Schott mit den Augen eines Kindes von der „Wende“ so erzählt, dass auch Kinder es verstehen. „Fritzi – eine Wendewundergeschichte“ heißt die Animationsverfilmung, entstanden in den Dresdner Balancefilmstudios von Ralf Kukula, ins Kino gekommen im Oktober vergangenen Jahres. Jetzt widerfuhr der Kleinen große Ehre: Auf den Filmfestspielen von Berlin wurde „Fritzi“ mit dem Preis der Deutschen Filmkritik in der Kategorie „Bester Kinderfilm 2019“ geehrt.

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Ralf Kukula
Ralf Kukula © kairospress

„Ralf Kukula und Matthias Bruhn ist es kongenial gelungen, ein politisches Thema, nämlich den Fall der Mauer, spannend und unterhaltsam und dann auch noch kindgerecht zu verfilmen“, befand die Jury auf der Berlinale. Außerdem: „Fritzi“ sei „endlich wieder einmal ein kreativ animierter Zeichentrickfilm mit einem überaus stimmigen Drehbuch (Beate Völcker, Péter Palátsik), der nicht schneller, schriller, lauter und bunter sein will, sondern ... Ereignisse verdichtet, ohne die Realität zu verbiegen.“

Letzteres ist ein nicht zu unterschätzendes Lob, gibt es doch über literarische, filmisch und dokumentarische Aufbereitungen der „Wende“-Geschichte immer wieder Debatten und Deutungsstreitigkeiten.

ARD macht „Fritzi“ zur Serie

Mit dem spürbaren, aber nicht aufdringlich rüberkommenden Bemühen um ausgewogene Perspektive erzählt der Film die Geschichte von „Fritzi“, die für die Leinwand drei Jahre älter wurde als im Buch. Am Anfang steht ein Verlust: Liebevoll kümmert sich die nun Zwölfjährige um den kleinen Hund Sputnik. Der gehört ihrer besten Freundin Sophie, die über die Sommerferien mit der Mutter nach Ungarn gefahren ist. Doch zum Schulanfang kehrt Sophie nicht zurück. Wie viele andere ist sie in den Westen geflohen. Mutig macht sich Fritzi auf die Suche nach ihrer Freundin. Dabei gerät in ein Abenteuer, das die Zukunft des ganzen Landes verändert.

Der Erfolg ist umso bemerkenswerter, weil „Fritzi“ sich als einziges Nicht-Real-Werk gegen eine sehr starke Konkurrenz behaupten musste, etwa Katja von Garniers „Ostwind“ und „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Caroline Link. Auch für Ralf Kukula kam der Preis völlig überraschend. „Wir sind ja als totaler Außenseiter in den Wettbewerb gegangen“, sagt der Produzent. „Und einheimische Animationsfilme fristen in der Branche leider ein Mauerblümchendasein.“ Aber vielleicht ist die unerwartete Auszeichnung sogar ein gutes Omen für Kommendes: „Fritzi“ geht auch ins Rennen um den Deutschen Filmpeis, die „Lola“, dessen Nominierte am Dienstag bekannt gegeben werden. Und im weltweit renommierten Filmfestival von Cannes darf sie noch einmal gegen Konkurrenten wie „Ostwind“ und „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ antreten.

„Tatsächlich ist das Interesse mehrerer Festivals an unserem Film groß“, sagt Kukula. „,Fritzi‘ geht noch nach New York, Mexiko und vor allem in den Osten, nach Usbekistan, Nowosibirsk und Japan“, also ins Mutterland des Anime-Films.

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Bald wird die Zwölfjährige zudem einen Wachstumsschub verkraften müssen: Die ARD schickt „Fritzi“ in Serie. Wenn das so weitergeht, könnte sie sogar den DDR-Klassiker „Die Fliegende Windmühle“ überflügeln und der erfolgreichste Trickfilm werden, der je in Sachsen produziert wurde.

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