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Eine kunstvolle Retrospektive

„In der Zielgeraden“ entführt in die Stimmung eines Pferderennens. Aus der Bewegung der Tiere heraus ist diese Aquarellstudie entstanden und sie erzählt eine ganze Menge vom Können derjenigen, die die Pferde gemalt hat – von der Malerin und Grafikerin Lieselotte Finke-Poser.

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Von Wolfgang Zimmermann

„In der Zielgeraden“ entführt in die Stimmung eines Pferderennens. Aus der Bewegung der Tiere heraus ist diese Aquarellstudie entstanden und sie erzählt eine ganze Menge vom Können derjenigen, die die Pferde gemalt hat – von der Malerin und Grafikerin Lieselotte Finke-Poser. Das Bild ist nur eines von insgesamt 77 Arbeiten, die die Radebeuler Künstlerin derzeit im Kunden-Center der Kreissparkasse Meißen in Radebeul-Mitte zeigt.Ein künstlerischer SpaziergangKlangvolle und träumerisch schöne Lautenmusik begrüßte die Besucher zur Vernissage. Inmitten der Bilder wirkte diese Musik noch ein Stück würdevoller, als sie es ohnehin schon ist. Begleitete sie doch den Gang durch eine Ausstellung, deren Konzeption ganz auf den künstlerischen Spaziergang durch das Leben der Malerin abgestimmt ist. Eine Rückschau also – eine Retrospektive – genau, wie es der Titel verspricht.Die Künstlerin hat vielen klugen Sätzen über den Sinn des Lebens ein Gesicht gegeben. Hat aus wichtigen Zitaten Bilder gemacht. In Illustrationen, die eine bildhafte wunderbare Ergänzung von Dichterworten sind. In Ölbildern, die ganze Romane erzählen. In Aquarellen, die als Ergänzung für Heimatbücher stehen könnten. Sie hat in ihrer Kunst nahezu alle Themen des Lebens verarbeitet. Das Kindsein, das Altern und das Alter selbst, den Glauben, die Landschaften und vieles mehr. Kurz, sie hat das Leben gemalt.In den Gesichtern der noch ganz kleinen Menschen zum Beispiel - der Kinder. Es sind traurige Gesichter aber auch fröhliche Gesichter. Sie hat die klugen Augen des Arztes und Humanisten Albert Schweitzer und die ehrwürdigen Runzeln im Gesicht der Mutter Teresa gemalt. Sie hat die spannenden Geschichten der Bibel in die Gesichter ihrer Protagonisten hineingemalt. Sie hat in ihrer Malerei den Tieren eine Lobby gegeben. Und hat immer wieder die Schönheit der sie umgebenden faszinierenden Landschaft auf die Leinwand gebannt. All das ist für die Malerin Grund genug für solch eine Retrospektive. Im Mittelpunkt der Stadt, in der Lieselotte Finke-Poser seit nunmehr 50 Jahren lebt und arbeitet.Den Hilflosen der Gesellschaft gehört der Ausstellungsbereich im unteren Bereich des Kunden-Centers. Den Kindern, den Behinderten, den Tieren. In zwei Linolschnittzyklen hat die Malerin beispielsweise ihre Botschaften hineingearbeitet. „Der Weg des Todes und der Weg des Lebens“ ist der eine überschrieben „Kinder in unserer Welt“ der zweite.Die Gesichter des Alters – im oberen Ausstellungsbereich zu sehen – sind die Alternative zu den Kinderbildern. Darunter findet der Betrachter das Bildnis der alten Puppenspielerin, die inzwischen bereits ihren 100. Geburtstag hinter sich hat. Das faltige Gesicht strahlt Stolz, Dankbarkeit und Güte zugleich aus. Insassen eines Altenpflegeheims haben der Malerin zu den Porträts Modell gesessen. Alle jenseits der 90 und zum Teil schon ein Stück über 100 Jahre alt.Mit biblischen Themen hat sich Lieselotte Finke-Poser schon zu DDR-Zeiten befasst. Und hat sich dabei mit ihrer kompromisslosen Bildsprache bei weitem nicht nur Freunde gemacht.Radebeul ist in der Ausstellung fast nur in Winterbildern vertreten. Der Jakobsstein, der Wasserturm, die Friedenskirche oder die Sterngucker auf den Ebenbergen.Radebeuler Grafikmarkt mitbegründetGeboren wurde Lieselotte Finke-Poser 1925 in Hessisch-Lichtenau, einem kleinen Ort bei Kassel. In Leipzig ging sie zur Schule und schloss diese kurz vor Kriegsende mit dem Abitur ab. Unmittelbar nach Schulabschluss stürzte sie sich in ihre künstlerische Ausbildung, nachdem sie zuvor schon Privatunterricht genommen und Abendschulkurse besucht hatte. Wie schwierig das damals für eine junge Frau gewesen sein muss, kann sicher nur der verstehen, der diese Zeit ebenso bewusst erlebt hat.Ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig von 1945 bis 1950 folgte. Unter anderem hatte sie dort die Professoren Hassebrauk und Dörfel als Lehrer. 1953 siedelte die Künstlerin nach Radebeul um und lebt seither freischaffend in der Lößnitzstadt.Lieselotte Finke-Poser hat sich zeitlebens intensiv in das Kunstgeschehen Radebeul eingebracht. Sie ist Mitbegründerin des Radebeuler Grafikmarktes, dessen nun schon 25-jähriger Jahrgang gerade erst stattfand.Die „Retrospektive“ Lieselotte Finke-Posers ist noch bis zum 30. Januar 2004 zu sehen.