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Eine Mitfahrbank für die Oberlausitz

Eine simple Idee aus Oberlichtenau soll Lücken im Nahverkehr schließen helfen. Dafür gab es sogar einen Preis.

Die Mitfahrbank ist ein neues Projekt von Kreisrat Maik Förster. Es soll helfen, Lücken im Nahverkehr zu schließen.
Die Mitfahrbank ist ein neues Projekt von Kreisrat Maik Förster. Es soll helfen, Lücken im Nahverkehr zu schließen. © Matthias Schumann

Oberlichtenau. Jetzt ist der Oberlichtenauer Bibelgärtner Maik Förster wohl auch noch unter die Möbeltischler gegangen. Zumindest für das Projekt Mitfahrbänke seines Vereins CV Oberlichtenau. Das will er gern im ganzen Landkreis ankurbeln, Ja am besten in der gesamten Oberlausitz. Dafür hat er sich die blaue Arbeitshose angezogen, die Handkreissäge und die Schmiege geschnappt. Das Wichtigste sind aber vier Europaletten. Mit Kreide hat der CDU-Kreisrat schon markiert, wo er die Säge ansetzen will. Sitzfläche, Seitenteile, Lehne – alles soll möglichst gesteckt werden und das Ganze mit wenigen Schrauben auskommen. Der Prototyp soll bald Schule machen. Eine Bauanleitung kommt noch für Nachahmer.

Die Mitfahrbank soll so simpel werden, dass sie so gut wie jeder mit ein bisschen Geschick herstellen kann. Ein bisschen wie nach dem Lego-Prinzip werden die Teile miteinander verzahnt. An die Seite kommen Schilder aus Aluminium in blaugelber Farbe und einem „M“ für Metro – Spaß beiseite – natürlich für Mitfahrbank. „Etwas Schliff brauchen die Planken am Ende noch“, sagt Maik Förster. Dann kommt Farbe über das Möbel. Am besten überall wie die Schilder ebenfalls blau-gelb in den Farben der Lausitz.

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Eine Preiswerte Lösung

Ursprünglich hatte der Kommunalpolitiker einen Aufruf gestartet, Gartenbänke für die Mitfahridee zu spenden. Da sei aber nicht all zu viel gekommen. Der Einfall mit den Paletten ist deutlich erfolgversprechender. Die Palettenbänke hätten viele Vorteile: Sie seien robust und wegen des Gewichts auch nicht so leicht zu klauen. Außerdem passen sie demontiert fast in jedes Auto, um sie an ihren Einsatzstandort zu kutschieren. Preiswert ist die Lösung überdies. Außerdem habe so ein einheitliches Modell in den Farben blau-gelb einen guten Wiedererkennungseffekt.

Er habe schon sehr viel positive Reaktionen erhalten und sogar einen Preis für das Projekt Mitfahrbank beim Wettbewerb „Wir machen mit“. Dort hatte sich der CV Oberlichtenau mit dem Projekt beworben. Die 5 000 Euro Preisgeld fließen in die Arbeit des Vereins ein. Dort habe die Idee letztlich auch ihren Ursprung. Sie sei aus einer Diskussion im Verein über Mobilität entstanden. Beobachtungen von Mitgliedern aus Süddeutschland seien eingeflossen. Dort gebe es so etwas in der Art. Die Oberlichtenauer Mitfahrbank ist nun die hiesige Variante. Hintergrund seien auch die Gespräche mit Bibelgartenbesuchern gewesen. Die kritisierten immer wieder, dass es gerade an den Wochenenden keine Chance gebe, mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Oberlichtenau zu kommen. Der ende in Pulsnitz. „Und genau solche Lücken im Nahverkehrsnetz soll die Mitfahrbank eben schließen“, sagt Bibelgärtner Maik Förster.

So sei die Idee auch im Landratsamt sehr positiv aufgenommen worden. Verkehrsamtsleiterin Katja Zeiske habe ihnen Mut gemacht, das Projekt umzusetzen. So will Maik Förster in Oberlichtenau mit dem Projekt starten. Spätestes zum Tag des offenen Denkmals am 8. September mit zwei Bänken für die Strecke zwischen dem Ortsteil und Pulsnitz.

Bank gut angekommen

Die Standplätze der Bänke sind noch nicht ganz klar. Bushaltestellen könnten zum Beispiel infrage kommen, das sei erlaubt, das Prinzip simpel. Wenn kein Bus in Sicht, aber dennoch ein Weg zu erledigen ist, kommt die Mitfahridee ins Spiel. Statt ins Auto zu steigen, nimmt der Mitfahrer auf der Euro-Paletten-Bank Platz. Es ist eine Art Trampen, aber deutlich offizieller, als den Daumen rauszuhalten. Trampen sei ja auch nicht jedermanns Sache. Bei der Mitfahrbank sieht ein Kraftfahrer den potenziellen Fahrgast auf der Bank, hält an und nimmt ihn im besten Fall mit – zum Beispiel von Oberlichtenau nach Pulsnitz. „Vielleicht gibt’s dann noch einen Euro Trinkgeld und alle Beteiligten sind zufrieden“, sagt Maik Förster. Ein kleines Trinkgeld sei erlaubt.

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Was aber, wenn das Ziel nicht so eindeutig ist wie in dem Fall? Dafür gibt es schon einen Plan B. Die Lösung werde ein schlichtes Rohr an der Bank sein mit entsprechenden Schildern. Aufgeklappt zeigen sie den Zielort – gut erkennbar für die Kraftfahrer. Die „Komfortbank“ ist eine Idee für die nächste Stufe des Projekts. Das will Förster als CDU-Kreisrat zudem recht schnell per Antrag in den Kreistag einbringen und die Mitfahrbank damit kreisweit vorantreiben. Die eine oder andere Bank könne eventuell auch aus der CV-Werkstatt an Interessenten geliefert werden.

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