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Eine musikalische Blechkiste

Constantin Nürnberger ist mit seiner Trompetenwerkstatt nach Neupurschwitz umgezogen. Hier hat nicht nur er mehr Platz.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Neupurschwitz. Musik macht er schon immer. Na ja, fast immer, sagt Constantin Nürnberger. Und immer hat er sich alles selbst beigebracht. Er war nie auf einer Musikschule oder bei einem Musiklehrer. Ausschlaggebend war wohl mal ein Konzert, als er sich bei der Band ans Schlagzeug setzen durfte. „Ich war neun oder zehn, und das Schlagzeug ist noch heute mein Lieblingsinstrument“, sagt Nürnberger. Also war klar, dass sein Berufswunsch irgendwie mit Musik zu tun haben muss. Mittlerweile ist er seit 13 Jahren Metallblasinstrumentenmacher. 2013 ging er in die Selbstständigkeit mit der „Blechkiste“, einer Werkstatt für Trompeten. Jetzt ist er von Kubschütz nach Neupurschwitz umgezogen.

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Geboren 1987 in Bautzen, besuchte er zunächst die Schule in Doberschau, wechselte in der siebenten Klasse nach Hochkirch. Als auch diese Schule geschlossen wurde, ging die gesamte zehnte Klasse mit allen Lehrern noch für das eine Jahr nach Bautzen. Nach dem Realschulabschluss wollte Constantin Nürnberger für sich herausfinden, ob Instrumentenbauer etwas für ihn wäre. Ein Einstiegsqualifizierungsjahr in einem musikalischen Betrieb weckte seine Leidenschaft für den Metallblasinstrumentenbau. Nach dem Berufsabschluss arbeitete er drei weitere Jahre als
Geselle in seinem Ausbildungsbetrieb. „Erfahrungen zu sammeln, fand ich wichtig“, sagt Nürnberger. Zwischendurch hat er auch einmal im Dudelsackbau mitgearbeitet, bevor er im Januar 2013 seine eigene Werkstatt in Kubschütz eröffnete.

Kunden musste er sich erarbeiten

Um jedoch arbeiten zu können, braucht man Kunden. Die hat sich Constantin Nürnberger zunächst erarbeitet. „Ich habe alle angeschrieben, die irgendwie mit Blechblasinstrumenten zu tun haben“, sagt der 30-Jährige. Seien es Posaunenchöre oder Musikschullehrer – sie bekamen alle Post von ihm. Mit einem kleinen Porträt über sich und dem, was er in seiner Werkstatt leisten kann. Er baute die Internetseite auf, zeigte Vorher- und Nachherfotos. Mittlerweile hilft ihm die Mundpropaganda. Aufträge hat er in der gesamten Oberlausitz, aber auch in der Schweiz oder im Erzgebirge. „Zu Leuten, die nicht selbst zu mir kommen können, fahre ich mit meinem Bus, um die Instrumente abzuholen und sie wieder hinzubringen. Was weiter weg ist, kommt auch mal mit der Post“, sagt er. Er hat gut zu tun, sagt Nürnberger selbst. Allerdings kommen die Aufträge nicht immer in gleicher Anzahl. „Aber ich habe nie eine leere Werkstatt“, sagt der Mann mit der sonoren Stimme. Mal sind es drei Instrumente, doch in den Ferien können es auch 60 bis 70 sein.

In Kubschütz wurde die Werkstatt dann auch zu klein. Und da er gemeinsam mit seiner Freundin die alte Scheune auf dem Grundstück ihrer Familie in Neupurschwitz ausgebaut hat, gab es hier die Möglichkeit, alles nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Zum Beispiel, dass die Werkstatt nun einen „sauberen“ und einen „schmutzigen“ Raum hat. „Beim Polieren fällt schon einiges an Flusen an“, sagt Constantin Nürnberger. „Hinterher sehe ich aus wie ein Panda-Bär“, schmunzelt er und ist froh, dass er nun die Kunden in der vorderen Werkstatt empfangen kann. Die Adresse seiner Werkstatt auf der Internetseite will er demnächst ändern.

Einst wurde hier Tabak getrocknet

Die Scheune hat das Paar, das seit 14 Jahren zusammen ist, zu 90 Prozent gemeinsam mit Verwandten und Freunden allein ausgebaut. „Die Scheune stammt aus dem Jahr 1803. Hier wurde Tabak getrocknet“, sagt Constantin Nürnberger. Neben der Werkstatt im Erdgeschoss haben sich die jungen Leute ihren Wohnraum geschaffen. „Hier steckt unsere Seele drin“, sagt er. Noch zumal er sich auch ein Tonstudio eingerichtet hat. Natürlich steht darin auch ein Schlagzeug. Allerdings ein elektronisches, sodass auch dann, wenn er Musik macht, Ruhe im Haus herrscht. Denn Musik macht Constantin Nürnberger täglich. Neben seiner Leidenschaft für das Schlagzeug, hat er auch die Gitarre für sich entdeckt. Während seiner Ausbildung saß er oft abends mit Gitarrenbauern zusammen, von denen er sich einiges abgeschaut hat. Doch Nürnberger macht nicht nur allein Musik. Er spielt in mehreren Bands, die es alle durch ihn gibt. Begonnen hat es mit der Gruppe Oblivian. Vor allem die Musikrichtung Metal und melodischen Death Metal verfolgt die 2005 gegründete Band. Groß rauskommen wollen die Bandmitglieder nicht, aber sie haben alle – auch in den anderen Formationen – viel Spaß an der Musik. Unter anderem in einer sorbischen Band mit Volksmusik im Metal-Stil. Derzeit arbeitet er an einem Solo-Projekt, wo er alle Instrumente selbst einspielt.

Wenn sich Constantin Nürnberger ausruhen und erholen will, dann findet er diese Ruhe beim Angeln. Seine Freundin hat mittlerweile auch Freude daran, genauso wie am Trompetespielen.

www.trompetenwerkstatt-lausitz.de