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Eine Nadel zum Abschied

Dramaturg Ronny Scholz und Regisseur Sebastian Ritschel verlassen nach vielen Jahren das Görlitzer Theater.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Daniela Pfeiffer

Stehende Ovationen zum Schluss. Die Aufführung „Ein Käfig voller Narren“ war noch einmal ein fulminanter Abend von Ronny Scholz und Sebastian Ritschel, dem beliebten Regisseur/Dramaturgen-Duo des Görlitzer Theaters.

Regisseur Sebastian Ritschel (links) und Dramaturg Ronny Scholz nehmen ihren Hut. Ritschel wird aber als Gast noch Stücke in Görlitz inszenieren.Fotos: Sosnowski/Schmidt
Regisseur Sebastian Ritschel (links) und Dramaturg Ronny Scholz nehmen ihren Hut. Ritschel wird aber als Gast noch Stücke in Görlitz inszenieren.Fotos: Sosnowski/Schmidt

Nun verlassen sie Görlitz und es gibt viele, die ihnen ein paar Tränchen nachweinen werden. Acht Zwerge sind darunter. Kinder im Alter zwischen neun und elf Jahren, die in der vorletzten großen Scholz/Ritschel-Inszenierung „Into the woods“ abwechselnd die sieben Zwerge spielten. Fast vollzählig waren sie zur offiziellen Verabschiedung ins Theater gekommen, überreichten selbst gebastelte Kollagen und Bilder – teilweise mit Tränen in den Augen. Für Lena Förster von der Grundschule Schöpstal war es bereits das dritte Stück mit Ronny Scholz. „Auch wenn wir manchmal etwas falsch gemacht haben, haben wir immer so lange geprobt, bis es geklappt hat“, sagt die Elfjährige. „Ronny war ein guter Theaterlehrer. Wir wünschen ihm alles Gute und viel Glück.“ Diese Wünsche flogen Scholz und Ritschel an ihrem letzten Abend im Theater dutzendfach entgegen. Generalintendant Klaus Arauner betonte, dass das Görlitzer Theater eben nach wie vor ein Sprungbrett für begabte Künstler wie diese beiden sei. Gegenüber der SZ würdigte Arauner noch einmal die Konzerteinführungen von Ronny Scholz, für die die Räume immer zu klein waren, so viele Menschen wollten ihn hören. Oder seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ritschel hob er für seine vielen Musicalinszenierungen hervor, die sich zu einem Markenzeichen des Hauses entwickelt hätten. Angefangen bei „Anatevka“, über „Sweeney Todd“ bis hin zum großen Erfolg von „Ein Käfig voller Narren“.

„Ronny Scholz und Sebastian Ritschel haben die Arbeit des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau immer wieder mit frischen und außergewöhnlichen Ideen und Handschriften bereichert. Sie haben wichtige Beiträge geleistet zur Öffnung unserer Institution für neue Publikumsschichten. Zahlreiche der von ihnen etablierten Formate werden wir in Zukunft fortsetzen“, so Klaus Arauner.

Dass sie in ihren zehn und zwölf Jahren am Gerhart-Hauptmann-Theater oft Mut zu Neuem bewiesen, sprach auch Renate Winkler vom Theaterverein noch einmal an. Mit blutjungen 26 Jahren habe der gebürtige Düsseldorfer Sebastian Ritschel im Oktober 2007 ein außergewöhnliches Debüt in Görlitz gewagt: Aus dem „Ring der Nibelungen“ stand „Walküre“, erster Aufzug auf dem Programm – als Oper am Klavier und hinter dem Vorhang. „Da haben wir verstanden: Da ist einer mit Anspruch und Ästhetik“, so Winkler. Zu Ritschels „La Traviata“-Inszenierung sagte sie: „Sie ließen uns vergessen, dass wir diese Oper alle schon gesehen hatten.“

Ronny Scholz, der aus Görlitz stammt, und seit der Spielzeit 2004/2005 als Konzert- und Musiktheaterdramaturg am Theater engagiert war, wurde noch eine ganz besondere Ehre zuteil. „Goldschmiedemeister Finster hat ihm eine besonders schöne Nadel gefertigt“, sagte Renate Winkler und kürte Ronny Scholz zum Abschied als Publikumsliebling.

Ronny Scholz geht nun als Dramaturg nach Münster. Sebastian Ritschel wird in der kommenden Spielzeit noch Gast in Görlitz sein und etwa „The Producers“ am Gerhart-Hauptmann-Theater inszenieren. Ab der Spielzeit 2017/18 wird Ritschel Operndirektor der Landesbühnen Sachsen in Radebeul.