merken
PLUS

Riesa

„Eine neue Schwimmhalle ist unrealistisch“

Die Linke und Freie Wähler wollen im Stadtrat über ein Bad für Gröditz reden. Der Zeitpunkt dafür ist nicht das Einzige, das auf Kritik stößt.

Schwimmen wie auf diesem Symbolfoto – das geht in der Gröditzer Schwimmhalle schon seit einigen Jahren nicht mehr.
Schwimmen wie auf diesem Symbolfoto – das geht in der Gröditzer Schwimmhalle schon seit einigen Jahren nicht mehr. © Symbolfoto: Pixabay

Gröditz. Sommerzeit ist Badezeit. Auch im Gröditzer Stadtrat soll es am Dienstag ums Baden gehen. Genauer gesagt – einmal wieder – um das Thema Schwimmhalle. Linke und Freie Wähler haben den Punkt auf die Agenda gesetzt. Die Fraktionen sind der Meinung, dass sechs Jahre nach der Gröditzer Schwimmhallen-Schließung das Thema wegen veränderter Sachlage neu aufgerollt werden muss (wir berichteten).

Wie wird das in anderen Ratsfraktionen gesehen? Nachfrage bei der CDU, die derzeit noch die meisten Bürgervertreter in Gröditz stellt. Fraktionschef Marco Wegner weilt im Urlaub. Ebenso der Spitzenkandidat für die Stadtratswahl, Matthias Köhler, der deshalb am Dienstag nicht am Ratstisch sitzen wird. Er erklärt auf jedoch per E-Mail, dass er den Antrag „zum jetzigen Zeitpunkt für Polemik zum Abschied“ halte. Eine Rekonstruktion der alten Schwimmhalle sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht machbar, so Köhler. Ob ein Neubau im Rahmen der Gestaltung des Sportzentrums realistisch sei, müsse man abwägen. Das sei aber Aufgabe des neuen Stadtrats, so Köhler. In dem wird die CDU mit vier von 18 Räten drittstärkste Kraft sein.

Anzeige
IT-Administrator gesucht
IT-Administrator gesucht

Sie sind Netzwerkspezialist und lieben die Arbeit in Windows-Umgebungen? Der IT-Dienstleister INFOTECH sucht erfahrene IT-Administratoren (m/w/d).

Einhellige Forderung nach Konzept

Die Bürgervereinigung (BGV) ist derzeit mit vier und künftig fünf Sitzen zweitstärkste Kraft im Rat. Auch die BGV sieht den Zeitpunkt des Antrags für die Schwimmhallen-Debatte kritisch. Er sei „sehr unglücklich gewählt, da er in die Urlaubszeit fällt und somit viele Stadträte nicht an der Sitzung teilnehmen können“, schreibt der ebenfalls selbst im Urlaub weilende BGV-Fraktionschef André Lux. 

Im Rat am Dienstag seien allein von der BGV drei Räte nicht da. Es sei aber völlig legitim, dass Linke und Freie Wähler das Thema ansprechen, macht er klar. Gleichwohl, meint Lux, habe sich an den Voraussetzungen beim Thema Schwimmhalle wenig geändert.

 „Es gibt weder Zuschüsse von Bund, Land und Landkreis für das Betreiben einer solchen Einrichtung.“ Damit müsse der Stadthauhalt die Kosten tragen. Für andere kommunale Einrichtung bliebe da kaum noch Geld übrig. 

Nicht in die Ratsdebatte einschalten kann sich am Dienstag die mit künftig sechs Sitzen größte Gröditzer Ratsfraktion, die AfD. Spitzenkandidat Dirk Wartenberg hatte im Wahlkampf erklärt, dass sich die AfD nicht gegen eine Schwimmhalle stelle. Es brauche aber ein vernünftiges Konzept.

Diese Haltung – Schwimmhalle ja, wenn klar ist, wie das funktionieren soll – eint weite Teile der Stadtpolitik. Auch Gröditz’ Stadtchef Jochen Reinicke (parteilos) hatte sich mehrfach in diese Richtung geäußert.

 Auf SZ-Nachfrage unterstreicht er das. Für Reinicke ist klar, dass in ein solches Konzept ein privater Betreiber involviert sein muss. Eine Bad-Bewirtschaftung durch die Kommune schließt der Bürgermeister aus. Ebenso wie eine Renovierung der alten Schwimmhalle. Nicht nur gebe der bauliche Zustand das nicht her. Der Abriss sei auch vom Stadtrat beschlossen.

Was eine neue Halle angehe, müssten in einem Konzept dazu alle möglichen Fragen geklärt werden: vom Hallenstandort, Parkplätzen über die Investitionsfinanzierung bis hin zum künftigen Betrieb inklusive Personal. Ob es gelingt, ein überzeugendes Papier dazu vorzulegen? Reinicke ist skeptisch. „Ein Hallenneubau ist eher nicht realistisch unter den heutigen Gegebenheiten.“ Gleich gar nicht für eine kleine Kommune wir Gröditz. 

Ein möglicher Hallenneubau würde eine Investition von 10 bis 20 Millionen Euro bedeuten, schätzt der Stadtchef. Dimensionen, die den Gröditzer Stadthaushalt mit den darin eingeplanten Geldern sprengen würden. Von Projekten wie der Eichenhain-Umgestaltung und dem Feuerwehr-Neubau in Nauwalde müsste sich verabschiedet werden, so Reinicke. 

Auch weil das Thema Schwimmhalle so weitreichende Konsequenzen haben könnte, erschließe sich ihm nicht, warum Linke und Freie Wähler so kurz vor Ende der Amtsperiode des alten Stadtrats ihren Antrag gestellt haben, so der Stadtchef.

Gelegenheit, darauf zu antworten, gibt es für die Antragsteller am Dienstag. Dann tagt der Stadtrat ab 17 Uhr im Dreiseithof.

Mehr zum Thema Riesa