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Pirna

Eine Scheune voller Trödel

Donaths erster Versuch in Heidenau fiel ins Wasser. Der zweite ist 15 Jahre her – und das erste Möbelstück noch viel älter.

Tödelqueen und Trödelking: Karin und Holger Donath. Auf den Karteikartenschrank können sie sich das letzte Mal lehnen, er ist schon verkauft – nach Cuxhaven.
Tödelqueen und Trödelking: Karin und Holger Donath. Auf den Karteikartenschrank können sie sich das letzte Mal lehnen, er ist schon verkauft – nach Cuxhaven. © Foto: Daniel Schäfer

Das meist offene Scheunentor ist wie eine Zeitschleuse. Man geht durch sie und landet in der Vergangenheit. Der etwas jüngeren, sprich DDR, meist aber in der noch weit davor liegenden. Für manche ist die Trödelscheune wie ein Museum ihres Lebens.

Viele alte Schränke stehen an den Wänden, von den Decken hängen Stühle. Die Tische sind meist vollgestellt und auch der Platz drunter wird genutzt. Bilder, Schilder, Dosen, Werkzeug, Körbe, Uhren, Schmuck, eine alte Schaufensterpuppe mit Zylinder, Steingut, Geschirr… Nur Sammeltassen nehmen die Donaths nicht mehr. Zu viele davon stehen noch in den Schränken von Omas und Tanten. Auch Bücher sind nicht der Bringer. „Ansonsten findet sich für alles ein Interessent“, sagt Händler Donath. Ab und zu macht er trotzdem eine Müll-Fuhre.

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Während Besucher, Kunden, Neugierige mit großen Augen durch die Trödelscheune gegenüber der Drogenmühle auf der Dresdner Straße schlendern, hängen die Donaths an keinem besonderen Stück. „Wir sind Händler, keine Sammler“, sagt Holger Donath. Trotzdem haben sie „viele schöne Sachen“.

Es ist unaufgeräumt aufgeräumt. Nicht wie im Einrichtungshaus sortiert, hier die Schränke, dort das Geschirr. In der Trödelscheune steht alles mögliche und unmögliche beieinander, sodass man auch bei der zweiten oder dritten Runde immer noch was entdeckt. Es ist das Stöbern, das Wühlen und am Ende das Gefühl, etwas Besonderes entdeckt zu haben. Und wenn es eine alte Kelle zum Bepflanzen ist.

Die Donaths fahren oft in die Lausitz oder bis Sachsen-Anhalt, aber auch zu Märkten in den alten Bundesländern bis nach Hamburg, um Nachschub einzukaufen. Manchmal sogar auf Bestellung. Holger Donath hat dann den Ehrgeiz, es zu suchen, bis er das entsprechende Stück gefunden hat. Ein Kunde zum Beispiel kommt immer gucken, ob die Donaths neue Schellack-Schallplatten haben. Nicht immer werden erst Donath, dann der Kunde fündig. Auf der Bestellliste ganz oben stehen Mopeds und Motorräder. Manche Leute kommen einfach nach der Arbeit auf einen Kaffee vorbei oder um den Donaths zwei frische Gurken aus dem Garten zu bringen.

Preisgestaltung mit vielen Faktoren

Der Wert von Trödel ist immer die Summe aus Nachfrage und Verhandlungsgeschick von Käufer und Verkäufer multipliziert mit dem Kultfaktor. Die Grenze zwischen Ramsch und Trödel ist fließend, jeder legt sie für sich fest. Was für den einen Ramsch, dafür bezahlt der andere Trödelpreise. Holger Donath sagt: „Mit mir kann man über alles reden.“ Wer es denn kann. Letztlich sei Trödeln auch nachhaltiges Handeln, von dem heute immer so viel geredet wird. Weitergebe- statt Wegwerfgesellschaft.

So hat auch Donaths Trödelleidenschaft angefangen. Und zwar mit einem alten Sekretär. Den rettete Holger Donath zu DDR-Zeiten vor der Säge des Bauern, bei dem er schurwerkte. Zu schade zum Wegwerfen, dachte er damals und noch nicht daran, damit einmal Geld zu verdienen. Heute wirkt er, als ob er nie was anderes gemacht hat.

Lange war das Trödeln Hobby der Donaths. Im September 2002 sollte daraus ihr Geschäft werden. Für das sammelten sie lange vorher. Doch kurz vor dem Tag X kam im August 2002 die Brühe, wie Holger Donath das Hochwasser nennt. Statt zu verkaufen, was sie gesammelt hatten, kam alles in den Container. Andere wollten aus ihren Hochwassermöbeln noch Geld schlagen, erzählen die Donaths, denen diese Möbel angeboten worden. Bis zum Juni 2004 dauerte es, die Scheune wieder zu füllen. Am 4. Juni 2004 holten die Donaths die Eröffnung nach. Das ist nun 15 Jahre her und wird am 22. Juni mit einem Sommerfest gefeiert. Natürlich wird an diesem Tag auch getrödelt.

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